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-- 5,2 Mio Arbeitslose tut endlich was!
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Posted by lotadeus on Mar-04-2005 17:16:

quote:
Originally posted by Bloodflower
Ich hab letztens irgendwas geh�rt das die EU die schweiz dazu zwingen will das bankengeheimnis zu l�ften und einblicke in alle schweizer konten gew�hrt werden m�ssen`???

ger�cht oder raub der letzten privatsph�re und anonymit�t???
bitte um aufkl�rung, wichtig f�r mich!


unser bankgeheimnis bleibt...so schnell wird das nicht aufgegeben!

haste kohle hier


Posted by lotadeus on Mar-04-2005 17:17:

quote:
Originally posted by TranceRulez
Der 2. Wichtige punkt ist der Konsum im Inland.

Wenn wir hier Konsumflaute haben, dann wird auch nicht viel passieren. Geld auf dem Konto aufbewahren ist zwar toll, aber von "was g�nnen" spricht hier keiner, nur von "Geiz ist geil"... nur wenn alle geizen, dann arbeiten bald alle unter so beschissenen Arbeitsbedingungen.

Qualit�t interessiert irgendwie niemanden mehr, hauptsache billig.


konsum auf pumpe wie in amiland...gute nacht !


Posted by NetDJ's on Mar-04-2005 17:21:

ich sende meine bewerbungen auch nur noch per PDF via mail.
da man vom arbeitsamt nur noch im jahr 260 � = 52 bewerbungen a 5 � bekommt und das f�r alle bewerbungen sei es online usw.

quote:
Im � 46, Abs. 1 SGB III steht 1) Bewerbungskosten k�nnen bis zu einem Betrag von 260 Euro j�hrlich �bernommen werden." Da im Regelsatz des SGB II keine Bewerbungskosten ber�cksichtigt wurden, kann also nur dann eine gewisse Anzahl von Bewerbungen von der AfA verlangt werden, wenn die finanziele �bernahme der Bewerbungskosten durch die AfA in der Eingliederungsvereinbarung verbindlich vereinbart wird. Bisher hat unsere �rtliche AfA pauschal 5 Euro/Bewerbung ( m�ndlich,telefonisch,schriftlich,online ) anerkannt. Wenn die AfA die �bernahme der Bewerbungskosten in H�he von max. 260 Euro/a und pauschal 5 Euro/Bewerbung in der Eingliederungsvereinbarung schriftlich fiziert, ergeben sich dadurch 52 Bewerbungen/a ( 260 : 5 = 52 ) bzw. 1 Bewerbung/Woche oder 4 Bewerbungen/Monat.


man bemerke das es kann bis zu 260 � �bernommen werden


Posted by lotadeus on Mar-04-2005 17:46:

ein verdammt langer text, spiegelt aber heute unsere (schweizer) gesellschaft sehr gut nieder....�hnlich d�rfte es f�r D sein

quote:

Schlappschweiz

von Peer Teuwsen

Der Schweizer ist fett und tr�ge geworden. Seine Innovationskraft, sein Einkommen, seine Dynamik sinken. M�ssen wir erst verarmen, um wieder vorw�rts zu kommen? Oder sind wir ganz einfach ersch�pft?

Es war an einem Sonntagabend im Intercityexpress von Z�rich nach Frankfurt, als ich den ersten Schweizer traf, der seiner Heimat �berdr�ssig geworden war. Sven B�hler, mit 34 Jahren im besten Arbeitsalter, war unterwegs zu einer Grossbank in der Mainmetropole, bei der er als Wirtschaftsinformatiker mit Indern, Finnen, D�nen, Briten arbeitet. Er war gerade mal wieder ein Wochenende in Z�rich gewesen, der Stadt seiner Jugend. Er sagte: �In der Schweiz haben wir alle Ressourcen, aber wir machen so wenig daraus.� Und er sollte nicht aufh�ren zu reden, bis wir in den Frankfurter Hauptbahn- hof einfuhren.

Es war, als redete er zu sich selbst, als m�sse er sich erkl�ren, was er einfach nicht verstehen kann. Er sagte, es gehe in der Schweizer Musikbranche, in der er ebenfalls t�tig sei, extrem harzig zu: �Wenn ich in Z�rich eine Idee f�r eine Platte habe, wird das wochenlang sehr breit diskutiert, dann verlacht, totgeredet, oder es verl�uft sonst wie im Sand. In Nottingham zum Beispiel geht man einen Tag ins Studio, singt alles ein, der Engineer macht flink einen Pre-Mix, brennt acht CDs f�r alle Anwesenden, schneller, als ich gucken kann. Ich frage mich: Sind die Schweizer teamf�hig?� Er habe es wirklich immer wieder probiert, aber heute m�sse er zum Schluss kommen: Bloss nie mehr in der Schweiz und vor allem nicht in Z�rich arbeiten: �Die Schweiz ist unprofessionell. Wer etwas will, wird ausgebremst durch Neid, negative Einstellung und oft wohl sogar heimlichen Hass.� Und dann, bevor er ausstieg, raunte er mir zu, als sei es ein Geheimnis: �Der Schweizer ist so satt. Schrecklich.� Ich fragte mich: Hat der Mann Recht?

Seit Jahren w�chst die Schweizer Wirtschaft unterdurchschnittlich, das Pro-Kopf-Einkommen sinkt, und bald werden sogar die �sterreicher im Durchschnitt mehr verdienen als wir. Die �konomin und Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro, die ich in Frankfurt traf, sagte: �Es gibt in der Schweiz keinen grossen Leidensdruck, auch objektiv gesehen geht es den Schweizern weiterhin gut, der Lebensstandard ist noch immer sehr hoch. Aber die relative Position ver�ndert sich. Die Erkenntnis, dass etwas passieren muss, baut sich langsam auf.� Ihre Kollegen beklagen, dass das nicht schnell genug geht. Sie auch?, fragte ich. �Ich auch.� W�hrend also andere L�nder zulegen, geht es der Schweiz immer schlechter. Aber hinter dieser wirtschaftlichen Schw�che stecken Menschen. Haben die Schweizer verlernt zu arbeiten? Sind sie depressiv geworden? Was ma- chen wir falsch? Wo bleibt denn der Aufschwung im Kopf?


Ein Rucksack voller Geld


Ein paar Tage sp�ter traf ich an einem Fest einen Mann im mittleren Alter, der still in einer Ecke sass und rauchte. Er hatte das Essen zubereitet und freute sich, dass es allen schmeckte. Man munkelte, der Mann sei sehr reich. Ich sprach ihn an, und er sagte: �Das Geld hat mich tr�ge gemacht.� Mehr wollte er an diesem Abend nicht sagen, ich solle ihn mal besuchen kommen, dann w�rde er mir seine Geschichte erz�hlen.

Der Mann, der seinen Namen auf keinen Fall in den Medien lesen will, wohnt allein in einer ger�umigen F�nfzimmerwohnung �ber den D�chern von Basel. F�r die Wohnung bezahlt er 1500 Franken an Hypothekarzinsen pro Monat: �Ich habe sehr gute Konditionen von den Banken bekommen. Wer in der Schweiz Geld hat, kommt leichter zu noch mehr Geld.� Der Mann hat von seinem Vater vor drei Jahren einen zweistelligen Millionenbetrag geerbt und macht seitdem fast nichts mehr: �Das Geld ist wie ein Rucksack, den man mir angezogen hat.� Er �berlegte sich lange, ob er das Erbe annehmen solle, aber seinem Vater war es damals extrem wichtig, dass seine Kinder das Geld nehmen. Und so geschah es. Nachdem er 15 Jahre lang hart gearbeitet hatte, sagte er sich angesichts seines pl�tzlichen Reichtums: �Warum tue ich mir das noch an?� Und h�rte auf zu arbeiten.

Seitdem gibt der Mann einen kleinen Teil seines Geldes an Jungunternehmer, die ihn mit ihrer Euphorie und Eigeninitiative �berzeugt haben. Grunds�tzlich verleiht er sein Geld f�r die H�lfte des besten Angebots einer Bank. �Ich will, dass diese Leute etwas auf die Beine stellen k�nnen. Heute ist ja bei den Banken eine neue Generation von 35-J�hrigen am Ruder, die machen einem Familienvater arschkalt die Bude zu.� Einen Grossteil seines Erbes will er mittelfristig in eine Stiftung oder eine soziale Institution �berf�hren. �

�Wir Schweizer�, sagt der Mann heute, �sind zu reich, das macht uns schlapp und satt. Und wenn man satt ist, geht man keine Risiken mehr ein, das f�hrt zu einer Schwere, die das Land l�hmt. Der Schweizer will immer den F�nfer und das Weggli, Geld und kein Risiko. Ich merke das ja selbst: Mir fehlt der existenzielle Druck. Die meisten meiner Generation haben immer den Fallschirm am R�cken, n�mlich das Geld der Eltern.� Und dann sagt er, wenn er abends die Jungen in der S-Bahn sehe, die sich zudr�hnen, die schon alles an Materiellem haben, was man sich nur w�nschen kann, den CD-Player, das Handy, die Stereoanlage, dann m�sse er sagen: �Es herrscht eine Dekadenz und Sattheit, die mich an die dritte Phase des R�mischen Reichs erinnert. Aufbau, Konsolidierung und Zusammenbruch. Wir Schweizer sind in der dritten Phase.�

Laut einer unver�ffentlichten Studie des B�ros f�r arbeits- und sozialpolitische Studien (Bass) in Bern �ber das Erbverhalten in der Schweiz bezog jeder siebte Schweizer B�rger bereits einmal Geld aus einer Schenkung. In �ber 90 Prozent der F�lle kommt das Geld von den Eltern, die meisten beziehen das Geld, f�r das sie nie gearbeitet haben, wenn sie zwischen 30 und 45 Jahre alt sind. Laut Daten des kantonalen Z�rcher Steueramtes wurden Ende der 90er-Jahre j�hrlich 1,6 Milliarden Franken an Schenkungen umverteilt, hochgerechnet auf die Schweiz sind das zwischen 5,7 und 7,1 Milliarden Franken j�hrlich. Und hier handelt es sich nur um Schenkungen. Bei den Erbschaften ist das Gesamtvolumen noch viel h�her. Die sehr unterschiedlichen Erbschaftsvolumen, die nach dem Prinzip �Wer hat, dem wird gegeben� verteilt werden, tragen zudem weiter zur Ungleichheit bei. Die �untere� H�lfte der Erbenden erh�lt zusammen 2 Prozent der Erbschaftssumme, die obersten 10 Prozent erhalten drei Viertel.

Das l�sst den Schluss zu, dass die Jungen, vor allem diejenigen, die aus guten Verh�ltnissen stammen, auf Kosten ihrer Eltern leben. F�rdert es die eigene Dynamik, wenn man eigentlich auch mit Nichtstun gut leben k�nnte? Was tun?

Ich sprach mit ein paar Menschen, die sich �ber diese Dinge seit Jahren Gedanken machen.

Beat Kappeler ist einer dieser intellektuell unabh�ngigen Menschen, wie dieses Land nur wenige kennt. Zum Gespr�ch erschien er im schwarz gestreiften Jackett und einer weiss gestreiften, gl�nzenden Krawatte. Der Publizist war 14 Jahre lang Gewerkschaftssekret�r und bezeichnet sich selbst als �Radikalliberalen�. Es blitzt in seinen Augen, wenn er solche Begriffe setzen kann, wenn er die Dinge auf den Punkt bringt. Und schon erz�hlte er das erste M�sterchen aus seiner Zeit beim Gewerkschaftsbund. Immer wenn er in einer Kommissionssitzung des Bundes eine Idee gebracht habe, die von der Norm abgewichen sei, habe der Protokollf�hrer, meist ein Jungakademiker, gestutzt, den Stilbruch angeh�rt und erst weitergeschrieben, als man wieder zur Tagesordnung �bergegangen sei. In den Protokollen habe seine Idee keine Erw�hnung gefunden. So sei das eben in der Schweiz: �Man hat einen Filter eingebaut gegen andere Ideenwelten. Das wird h�chstens als lustig oder provokativ empfunden, und dann macht man weiter wie bisher.�

Ich fragte ihn, was denn passiert sei mit dem Schweizer, der immer als fleissig, t�chtig, sparsam, erfinderisch und zur�ckhaltend gegolten hatte. Er antwortete mit einem Wort von Minna von Barnhelm: �Man spricht immer von den Tugenden, die man nicht hat.� Und dann legte er los: Der Schweizer sei auf drei Ebenen krank, auf der moralischen, der mentalen und der politischen.

Zuerst erz�hlt er von seiner Kindheit in den 50er- und 60er-Jahren, als die Menschheit sich vom Zweiten Weltkrieg erholte. Der Vater war Schreinermeister und profitierte vom Innovationsschub dieser Jahre, alle zwei Jahre kam ein neuer Leim auf den Markt, neue Maschinen ohne Ende. Damals trat Europa in fr�her gereifte Techniken ein und wandte sie in Massen an, weshalb neue Produktivit�tsgewinne und damit schnelles Wachstum m�glich wurden. Vor allem aber war alles unkompliziert. Wenn der Vater ausbauen wollte, fragte er den Nachbarn, fertig. Der Metzger hatte den R�ucherkamin gerade neben der W�scheleine der Kappelers, es stank gottsj�mmerlich, allein, es w�re niemandem je in den Sinn gekommen, sich zu beschweren. Die Papierfabrik f�rbte den Bach mal rot, mal gr�n, mal weiss, in einer Fabrikationshalle war es 50 Grad warm, die andere stank entsetzlich nach Salmiak. Er w�nsche sich, sagt Kappeler, diese Zeiten nicht zur�ck, aber etwas m�sse man einfach festhalten: Damals sei die Schweiz dynamisch gewesen, �es ging vorw�rts�. Heute gehe der Nachbar am liebsten gleich �ber drei Instanzen bis vor Bundesgericht, wenn ihm einer einen Zentimeter zu nahe komme. Und wenn einer einen Baum f�llen wolle, habe auch noch die Regierung und jeder einfache B�rger etwas dazu zu sagen. �Es herrscht eine masslose Vermehrung der Stakeholders, welche Eigent�merrechte beanspruchen. Und so eine Entwicklung ist irreversibel. Und das Schlimmste: Die diese Entwicklung vorangetrieben haben, gelten als moralisch besser. Das ist im angels�chsischen Raum schon lange vorbei, dort ist der Utilitarismus, der ideelle Werte nur anerkennt, wenn sie auch dem Einzelnen n�tzen, viel selbstverst�ndlicher als bei uns. Was ist das f�r ein Land, wo sich der Freisinnige beim Sozialdemokraten f�r seine Politik entschuldigt?�

Ich wollte wissen, ob der Schweizer den Wohlstand zu weit getrieben habe, ob er, im Ansinnen, f�r alle Gutes zu tun, so viele Regelungen und Gesetze aufgestellt habe, dass niemand mehr atmen k�nne. Es sei immer schwierig, etwas �ber eine Volksmentalit�t zu sagen, antwortete Kappeler - und zitierte Gottfried Keller: �Diese Leute werfen keine Laternen ein, sie z�nden aber auch keine an.� Er m�sse leider feststellen, dass 85 Prozent der Arbeitst�tigen in diesem Land angestellt seien.


Heloten-Gesellschaft


Er holt ein dickes Buch aus seiner Aktentasche, die Schweizerische Arbeitskr�ftestatistik. Er bl�ttert. �Sehen Sie!�, sagt er. �1,4 Millionen Menschen zwischen 25 und 40 Jahren arbeiten in diesem Land, die werden alle im Schnitt 100 000 Franken verdienen, die meisten sind Angestellte. Warum soll einer von denen 20 Prozent mehr arbeiten, um 120 000 Franken zu verdienen? Da zieht man doch ein bisschen mehr Freizeit vor. Diese Schweizer sind zu einer Heloten-Gesellschaft, zu B�rgern zweiter Klasse geworden, denn Angestellte haben weniger Freir�ume als Selbstst�ndige. Sie sind inflexibel, sie bleiben l�nger im gleichen Beruf, im gleichen Kanton, entgegen allen Aufrufen, der Aufschwung beginne im Kopf.�

Sind denn, wie es neuerdings immer wieder heisst, unsere Institutionen veraltet? Nein, das sehe er nicht, man habe einfach keine Disziplin, diese richtig anzuwenden. �Wir brauchen ein klares Regierungsprogramm, auf das jeder Parlamentarier der Regierungsparteien eingeschworen wird. Wer dagegen verst�sst, wird nicht mehr aufgestellt. Heute haben wir ein R�gime d'assem- bl�e, der Hinterb�nkler ist ebenso viel wert wie der Fraktionschef. Es muss Whips, Fraktionseinpeitscher, wie in England geben.�

Gibt es Rettung f�r dieses Land, Herr Kappeler? Er grinste mich breit an und sagte dann ganz gelassen: �Nein. Nach meiner Lebenserfahrung gibt es Situationen, die einfach nicht gel�st werden k�nnen.� Dann marschierte er schnurstracks zum Ausgang.

Ist das alles Alarmismus eines Menschen, der mit seinen Hiobsanalysen auch Geld verdient? Es schien mir, ich m�sse schauen, ob auch in den politi- schen Lagern diese Ansichten geteilt werden. Also traf ich zuerst die Rechten. Und dann die Linken. �

Walter Wittmann ist ein pensionierter �konomieprofessor, der seit Jahrzehnten B�cher schreibt, in denen er das Ende der real existierenden Schweiz beschw�rt. Trotzdem stand der Bahnhof Bad Ragaz noch, und Wittmann wartete in seinem Auto. Ich kam aus dem nebligen Z�rich, und hier schien die Sonne. Er dr�ckte mir freundlich die Hand und sagte: �In Sargans h�rt der Nebel auf, dort ist die Ungerechtigkeitsgrenze.�

Er wohnt in einem sch�nen ger�umigen H�uschen, hat eine freundliche Frau und eine erwachsene Tochter. Er k�nnte zufrieden sein. Aber er sagt: �Das Ende ist nahe. Die Schweiz ist ein hoffnungsloser Fall. Wir sind sklerotisch geworden. Das System, auf das wir einst so stolz waren, hat versagt. Sehen Sie, mein Nachbar dort dr�ben, er hat drei erwachsene T�chter. Die leben auf seine Kosten, als sei er der Jackpot pers�nlich. Wir Schweizer leben zurzeit von der Substanz. Unser Abstieg hat 1973 angefangen, damals war das Bundesbudget erstmals im Defizit.� Walter Wittmann redet mit einem schmallippigen L�cheln, ganz warm im Ton. Und ganz brutal in der Sache: �Die Schweiz hat mich zum liberalen Antidemokraten gemacht. Aber auch ich erschrecke, wenn die Leute nach meinen Vortr�gen auf mich zukommen und fragen: Herr Wittmann, das ist ja schrecklich, was Sie da erz�hlen. Brauchen wir Schweizer endlich einen Krieg, auf dass hier mal Tabula rasa gemacht werden kann?�


F�ifer-und-Weggli-Z��gs


Einer, der die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat, sitzt in einem kleinen Einzelb�ro in Z�rich-West und sagt: �Ich kann immer darauf wetten, dass die Leute so abstimmen wie mein Vater, als Konsument offen, urban und international, aber als B�rger argw�hnisch mit einem Auge ins Ausland und mit dem anderen in den R�ckspiegel. Das ist die helvetische Ambivalenz, F�ifer-und-Weggli-Z��gs. Meine Helden sind die Radikalen von 1848. Die Fantasten hatten die Frechheit, aus einer Sinn- und Institutionenkrise heraus einen Staat zu gr�nden, den es zuvor noch nie gegeben hat. Flucht in die Zukunft, Grenzen weg, Gewerbefreiheit, ETH, SBB, unerh�rt.� Stefan Fl�ckiger ist heute Programmkoordinator von Avenir Suisse. Fr�her hat er im Bawi f�r Franz Blankart Reden geschrieben, war drei Jahre f�r die Weltbank in Haiti und f�hrte bei Thomas Borer in Berlin die Wirtschaftsabteilung.

Wir gehen in die Kantine des Z�rcher Schauspielhauses im Schiffbau. Fl�ckiger l�dt sich Gem�se auf den Teller, setzt sich und kommt in Fahrt: �Heute erliegt eine alternde Gesellschaft der Illusion, den Wohlstand ohne Risiko hegen zu k�nnen, w�hrend uns die Globalisierung um die Ohren pfeift. Wenn Avenir Suisse auf die Realit�t hinweist, dass hinter der mythischen Heidi-Schweiz l�ngst ein dynamisches Agglonetz entstanden ist, wo die Zukunft passiert, dann ist das bereits ein Sakrileg. Dem Staatsgr�nder Jonas Furrer h�tte das gefallen. Wir kanonisieren die basisdemokratischen Instrumente der Aufbruchsgeneration von einst zu unantastbaren politischen Reliquien. Heute sch�tzt der F�deralismus Lehrer, Anw�lte und Getreidem�llereien vor Wettbewerb, das Referendum wird missbraucht als Bremse gegen das Unbekannte und Unbequeme. Nehmen sie den Neuen Finanzausgleich, etwas vom Besten, was die Konkordanzpolitik - nach zehn Jahren Vernehmlassung! - noch zu Stande gebracht hat, fundamental f�r die Zukunft der Schweiz. Was geschieht? Die Behinderten-Lobby wehrt sich f�r ihre Partikularinteressen und bringt die Vorlage beinahe zu Fall, unterst�tzt von der SP. Das politische Instrumentarium, als sinnstiftende Staatsidee grossz�gig gegen�ber Minderheiten konzipiert, aber immer auch grossz�gig und im Sinne des Gemeinwohls gehandhabt, ist zur Verteidigung der schrumpfenden Subventionen, Renten und Pfr�nden verkommen, zu modernen Saubannerz�gen der anstehenden Verteilungsk�mpfe. Das ist nicht nur ein �konomisches, sondern auch ein moralisches Grounding. Und wissen Sie was? Je intensiver wir uns mit Politikern im kleinen Kreis unterhalten, umso mehr stimmen sie uns zu, von SP bis SVP, dass das System teuer, ineffizient und tr�ge geworden ist und die Gestaltung der Zukunft gef�hrdet. Dann gehen sie raus und halten eine gl�hende Rede auf F�deralismus und direkte Demokratie.� Fl�ckiger nennt es das �Vier-Augen-Prinzip�, trinkt seinen Kaffee aus und kehrt, wieder ganz ruhig, zu seinem Schreibtisch zur�ck.

Warum diese Verzweiflung bei den Rechten, die sich als Revolution�re verstehen? Weil sie zu wenig auf die Menschen und zu sehr auf ihre Theorien h�ren. Sie sehen nicht, dass der Schweizer Angst hat. Angst vor der Zukunft. Und weil sie die Schweiz nicht begriffen haben, sagt Markus Schneider, Journalist und Buchautor (�Id�e suisse� und �Weissbuch 2004�). �Der Schweizer ist nicht empf�nglich f�r radikale Massnahmen. Hier geht es alles Schritt f�r Schritt. Das ist gut so. Man soll die direkte Demokratie nicht mit dem Bade aussch�tten. Wir m�ssen umbauen, aber das dauert.� Schneider, der zwei Kinder hat, sieht das grosse Problem in der Schule: �Ja, ich muss sagen, ich sehe auch wenig Erfolgshunger. Wir lassen den Erfolg gar nicht zu. Unser Bildungssystem ist geschlossen, die Durchl�ssigkeit f�r Nichtakademiker und Ausl�nder ist gering. Das f�rdert die Konkurrenz nicht. Aber grunds�tzlich sehe ich nicht so schwarz f�r dieses Land. Wir m�ssen einfach den Menschen beibringen, dass wir die Sozialtransfers in erster Linie an die sozial Schwachen aussch�tten. Denn es wird bald noch mehr Junge und bald noch mehr Alte geben, die das n�tig haben und davon abh�ngig werden. Da kann man schier nichts machen. Deshalb werden wir anderswo sparen m�ssen.�

Der Soziologe Kurt Imhof ist ein Ausnahmetalent unter seinen Schweizer Kollegen. Er denkt quer und intelligent, und spricht auch noch so, dass man ihn versteht. Zum Gespr�ch kommt er zu sp�t, er ist letzte Nacht versackt. Auch wenn er jetzt schon 48 Jahre alt ist, hat man nicht das Gef�hl, Imhof habe das Studentenleben wirklich hinter sich gelassen. Imhof kam auch erst sp�t in akademische Gefilde, der gelernte Hochbauzeichner ist ein typischer Quereinsteiger. Und er hat Lust an dem, was er tut.

Nachdem er Kaffee und Zigarette bereit hat (Milch hat er trotz intensiver Suche in den K�hlschr�nken seiner Mitarbeiter keine gefunden), sagt er: �Ein ungeheures Erfolgsmodell ist weggebrochen. Die Schweiz hat keine Vision mehr. Der Staat, von dem diese ausgehen m�sste, wird kaputtgeredet und -gespart. Und wir lassen es zu, dass unser Image durch Swiss, CS und UBS nicht nur f�rderlich bewirtschaftet wird. Wer den Namen unseres Landes tr�gt, m�sste eine Reputationssteuer entrichten. Was mir aber am meisten Sorgen macht, ist der Mittelstand. Der ist weder politisch noch sozial stabil, die b�geln wie die Verr�ckten - und sind trotzdem unsicher, ob sie morgen noch Arbeit haben. Da ist die Zukunftssicherheit weg. Das bef�rdert etwas Gef�hrliches: Die Suche nach Charismatikern, und das in einer Schweiz, die Charismatikern immer abhold war.� Er zieht heftig an seiner Zigarette, und endlich bringt ihm eine Mitarbeiterin Milch. Er sagt: �Ich glaube, in 50 Jahren wird man schreiben: In den 90er-Jahren hat die Schweiz gesponnen. Sie hat sich beinahe selbst kaputtgemacht, weil sie nicht wusste, was sie wollte.�


Funktionieren statt denken


Der 47-j�hrige Hanspeter Uster, Zuger Regierungsrat der Sozialistisch-Gr�nen Alternative, sitzt in seinem Sitzungszimmer, vor dem Fenster eine Ein�de aus Schnee und Kunst am Bau. Als ich den Mann, dessen schiere Existenz als ehemaliger Marxist in einem so hohen Exekutivamt und erst noch im reichen Kanton Zug ein Wunder ist, nach den Ursachen f�r die Schweizer Misere frage, sagt er: �Es ist wie immer beides. Der Schweizer mag zu satt sein, aber vor allem kann er einfach nicht mehr. Er ist ersch�pft. Der Druck auf den Einzelnen ist enorm.� Er sehe das jeden Tag bei seiner Arbeit, in der Verwaltung, in der Politik, in der Wirtschaft: �Die Leute denken nicht mehr, sie funktionieren nur noch.� Wer etwas auf die Beine stellen wolle, erkaufe sich dies zum Preis seiner Gesundheit. Und die einfachen Leute h�tten Angst, um ihren Job, ihre Gesundheit, ihre Kinder: �Angst l�hmt.� Es wird das einzige Mal sein, dass er das Attentat in Zug erw�hnt, das er mit einem Lungendurchschuss �berlebt hat.

Uster ist ein Mann, der Dinge geleistet hat, die andere nie anzupacken wagten. So hat er, in einem jahrelangen, hartn�ckigen Kampf, die Korps der Stadt- und der Kantonspolizei Zug zusammengelegt. Das war eine Sache, die sich in einem Kanton mit bloss 100 000 Einwohnern aufdr�ngte und deren Vorteile auf der Hand lagen: Synergien f�r die Erf�llung wichtiger Aufgaben, mehr Effizienz, weniger Kosten. Trotzdem sagte man in Zug: Wer sich dieses Gesch�fts annimmt, der ist abgew�hlt. Uster war noch jung, er suchte eine Herausforderung, und der Druck bei der Polizei, die mit gleich viel Personal immer mehr Aufgaben erf�llen musste, war gross. Uster sagt: �Das Projekt war im wahrsten Wortsinn not-wendig.� Also wagte er und gewann. Mit langen Gespr�chen, mit taktischem Geschick, aber auch mit �berwundenen Niederlagen. Ein rares Beispiel, wie man in der Schweiz die starren Normen, die starren Denkweisen und Traditionen �berwinden kann.

Uster war auch derjenige, der als einer der Ersten in der Schweiz das Gastgewerbe liberalisiert hat - sein Beispiel hat landesweit Schule gemacht. Die Branche hats ihm gedankt, die Ausl�nder, die dort heute einen einfacheren Weg zum sozialen Aufstieg haben, sowieso. �Unsere Grundannahme war, dass es gar keine Gesetze braucht. Dann schauten wir, wo es doch welche braucht, wie zum Beispiel bei der Gleichstellung�, sagt er.

Oder er hat das Kaminfeger-Monopol abgeschafft, ein anderes Beispiel. Seit man denken konnte, war im Kanton Zug ein Kaminfeger allein f�r eine gewisse Region zust�ndig. Es gab keine Alternative. Mit dem neuen Gesetz kann heute ein Hausbesitzer den Kaminfeger besch�ftigen, den er will. Das f�hrte zu einem Anruf des Kaminfegerverbandes: Das k�nne er doch nicht machen, was man denn jetzt mit dem allgemeinen Kaminfegertarif tun solle. Uster sagte: Jetzt gelte halt der freie Markt. Der Staat erlasse keine Tarifordnung mehr.

F�r die Schweiz sieht Uster eine Zukunft, wenn sie wegkommt, immer nur den Weg zum Ziel zu beschreiben, aber nie das Ziel selbst. �Wir kommen nur weiter, wenn wir zum Beispiel sagen: Das Ziel ist der vorbeugende Brandschutz. Wie ihr dazu kommt, daf�r gibt es mehrere Wege. Das macht kreativ, das befreit das Denken. Aber das ist auch im Grossen so: Wenn Avenir Suisse sagt, man solle die direkte Demokratie und den F�deralismus abschaffen, dann beschreiben sie nur die Instrumente, nur den Weg. Sie verbreiten so einen Alarmismus, der das Gegenteil von dem erreicht, was sie wollen: Die Leute stecken die K�pfe in den Sand. Die Rechten sollen aber mal klar hinstehen und ihre Ziele formulieren, zum Beispiel: Wir wollen eine reiche Elite, daf�r nehmen wir 10 Prozent Arbeitslosigkeit in Kauf.� Uster wird richtig laut, was bei ihm, der ein Mann der leisen T�ne ist, etwas heissen will. �In der Schweiz diskutieren wir nur noch �ber K�pfe oder �ber Systeme wie das Krankenversicherungsgesetz, das so kompliziert ist, dass es sich selbst l�hmt. Das f�hrt in eine geistige Sackgasse. Wir m�ssten endlich �ber die Inhalte diskutieren. Das ist doch der Grund, warum sich nichts bewegt in diesem Land. Die Rechte will irgendwas, sagt aber nicht genau was. Und die Linke beharrt, weil Reformen Angst machen, wenn es keine offene Auseinandersetzung �ber die Inhalte gibt.�

Uster will �eine Schweiz, wo auch normale Menschen leben k�nnen, eine Schweiz, die ihrer internationalen Verantwortung nachkommt, eine Schweiz, in der das Mittelland nicht nur noch aus Beton besteht.� Und er glaubt an die politische Schweiz, an den F�deralismus, die direkte Demokratie. Er meint, kleine Kantone seien ein Versuchslabor. Gerade habe seine Partei die Frage aufgeworfen, ob ein so kleiner Kanton wie Zug noch elf Gemeinden brauche. Und er frage sich auch, ob Zug nicht eher zu Z�rich als zur Innerschweiz geh�re. Das seien Fragen, die man sich stellen und auf die man mit der Zeit eine Antwort finden m�sse. Er wird sie finden, vielleicht noch in dieser Amtszeit, die seine letzte ist.

Und dann sagt auch er, dass es zu wenig Leute in diesem Land gebe, die Energie und Freude an dem ausstrahlen, was sie tun: �Ich kann das gut verstehen: Die meisten werden in den M�hlen des Alltags zermahlen.� Als ich ihn dann aber frage, wie er es denn geschafft habe, seine Freude und seine Energie nicht zu verlieren, wird er ganz einsilbig, l�chelt schliesslich und sagt: �Ach, wissen Sie, ich bin der Scheinriese Turtur aus �Jim Knopf�: Je n�her ich komme, desto kleiner werde ich, desto mehr sieht man meine Niederungen des Alltags.� Er h�tte auch einfach sagen k�nnen, er sei Schweizer.


Peer Teuwsen ist stellvertretender Chefredaktor des �Magazins� ([email protected]).

Artikel erschienen in �DAS MAGAZIN�, am 12.02.2005.


Posted by BloodfIower on Mar-04-2005 18:42:

quote:
Originally posted by lotadeus
unser bankgeheimnis bleibt...so schnell wird das nicht aufgegeben!

haste kohle hier


DANKE! irgendwie bekommt man dar�ber keine infos irgendwo, oder ich hab einfach zu kurz gesucht.

darf ich keine auskunft dr�ber geben.


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