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-- interessantes Interview mit Harald Blüchel alias Ex-Cosmic Baby
interessantes Interview mit Harald Blüchel alias Ex-Cosmic Baby
Süddeutsche Zeitung vom 29.09.2006
auszugsweise: aus
http://www.sueddeutsche.de/,panl1/k...tikel/24/86937/
Interview mit Cosmic Baby
"In der Massenkonfektion wird das Genre fragwürdig"
Als Cosmic Baby war Harald Blüchel der Star der internationalen Techno-Szene. Ende der Neunziger beklagte er die Verflachung elektronischer Musik und kehrte der Szene den Rücken. Mittlerweile hat der Künstler seine radikalen Konsequenzen gezogen.
Interview von Philipp Mattheis
... Ende der Neunziger kehrte er der Szene den Rücken – sein letzter Live-Auftritt liegt sieben Jahre zurück. Öffentlich trat er nur noch als Komponist für Theatermusik an den Schauspielhäusern in Stuttgart, Zürich und Hamburg in Erscheinung. Nun beginnt er eine Album-Trilogie – mit dem Sound von damals haben die neuen Stücke nichts mehr zu tun.
(...)
sueddeutsche.de: Sie waren 1989 auf der allerersten Love-Parade in Berlin mit 150 Teilnehmern. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?
Blüchel: Es war wunderbar. Ich kam aus Nürnberg nach Berlin. Kaum war ich dort, habe ich Leute kennen gelernt, die genau dasselbe wollten wie ich: mit ein paar Synthezisern und Rhythmus-Maschinen eine neue Musik machen. Ich konnte an einer spannenden Entwicklung von etwas Neuem teilhaben und mitgestalten – etwas, das sich wohl jeder Künstler wünscht. Es gab damals keine Unterschiede zwischen Fans und Machern.
(...)
sueddeutsche.de: Sehen Sie sich heute noch als Teil einer "Techno-Szene"?
Blüchel: Spätestens 1999, als diese Musik zwei Jahre vor ihrem kommerziellen Höhepunkt stand, der gleichzeitig Gipfelpunkt einer künstlerisch beschämenden Armseligkeit war, habe ich aufgehört, mich mit Techno als perspektivischer Popkultur auseinanderzusetzen.
(...)
sueddeutsche.de: Viele der Stücke auf "thinking about myself" und "Stellar Supreme" waren ihrer Zeit weit voraus. 1994 erschien die erste der "Cafe del Mar"-Compilations, die einen "Chill-out-Boom" auslösten. Wie empfinden Sie Musik dieser Art?
Blüchel: Wer freut sich nicht darüber, Anteil an einer musikalischen Entwicklung zu haben. Doch schnell wurde aus der Freude darüber erst ein ungläubiges Staunen, dann nur noch Ärger: Es hagelte Kopien von Kopien von Kopien, die in ihrer zunehmenden Belanglosigkeit nur noch verbrannte Erde hinterließen. Analytisch betrachtet ist das nichts Neues: In der Massenkonfektion wird irgendwann das gesamte Genre fragwürdig und ungenießbar, weil ihre Flut die wenigen guten Beispiele natürlich mit wegspült.
sueddeutsche.de: Die Musik dem Album "Die Toteninsel" und dem Nachfolgendem "caged" hat mit Techno nichts mehr zu tun. Was ist in der Zwischenzeit passiert?
Blüchel: Meine Verortung in der Gegenwart hat sich geändert. Wollte ich in der "Cosmic Baby"-Welt noch einfache, sozusagen reine Zustände wie "traurig", "verliebt", "glücklich" in musikalisch gefälliger Form abbilden, so interessieren mich seit Jahren komplexere, widersprüchliche innere Abläufe. Das bedeutet: Suche nach neuen Darstellungsformen, Klängen und Kompositionstechniken. Was wiederum bedeutet: studieren, handwerklich dazu lernen, experimentieren und bewährte Wege verlassen. Das braucht Zeit und Geduld. Rückbesinnungen auf Felder der klassischen Moderne wie "Musique Concrete" haben mich inspiriert. Ich würde meine eigene Musik heute eher als "Hörstücke" bezeichnen.
sueddeutsche.de: In der "Toteninsel" verbinden Sie Elemente klassischer Musik mit elektronischen Klängen, "caged" ist ausschließlich für klassische Instrumente geschrieben. Wo sehen Sie die Chancen und wo die Grenzen elektronischer Musik?
Blüchel: Das Verlockende und Faszinierende an elektronischer Musik ist die Möglichkeit, mit relativ geringem Aufwand und ohne handwerkliche Fähigkeiten komplexe Ideen akustisch umsetzen zu können. Leider folgt daraus nicht zwangsläufig eine größere musikalische Vielfalt. Genau das Gegenteil ist zu hören: Die Musik klingt tendenziell immer gleicher, immer uniformer, un-unterscheidbarer, beliebiger – was wiederum kein musikspezifisches Problem ist, sondern einen allgemeinen Zustand betrifft...
(...)
Blüchel: Aber genau diese Suggestion des "Sowohl als auch", dieses "die goldene Mitte finden", ist doch die Wurzel dieser konturlosen, quotenkonformen, als sexy, schick und erfolgreich hin-designeten Scheinindividualität, die uns als Lebensfreude, Orientierungs- und Wertmaßstab verkauft wird. Dieser Beckmann-Merkel-Bohlen-Fliege-Pluralismus macht mich krank. Der Schriftsteller Helmut Krausser brachte es einmal sehr schön auf den Punkt: Man muß kapieren, daß das alles nur Masken ein und derselben Figur sind. Die Verblödungsgesellschaft bedient man, sobald man sich mit ihr einläßt. Egal wie.
Ein lesenswertes Interview!
Re: interessantes Interview mit Harald Blüchel alias Ex-Cosmic Baby
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| Originally posted by Cembalo Ein lesenswertes Interview! |
Re: interessantes Interview mit Harald Blüchel alias Ex-Cosmic Baby
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| Originally posted by Cembalo Spätestens 1999, als diese Musik zwei Jahre vor ihrem kommerziellen Höhepunkt stand, der gleichzeitig Gipfelpunkt einer künstlerisch beschämenden Armseligkeit |
Re: Re: interessantes Interview mit Harald Blüchel alias Ex-Cosmic Baby
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| Originally posted by dEEkAy *sich mal wieder unbeliebt mach* |
Cosmic Baby war einer der Helden meiner frühen Trance / Techno Zeit! 
Zum Interview: Elektronische Musik ist sehr sehr vielschichtg. Innerhalb dieser Schichten gibt es mal Schlamm, mal aber auch eine Diamantenader. Manchmal kommt es auch nur auf die Perspektive an.
Der eine kann mit eher Rhythmusgeladener Musik nichts anfangen, weil sie ihm zu "einfach und nicht tief" ist, sondern nur eher ursprüngliche Gefühle anspricht, der nächste "versteht" komplexere Kompositionen mit Synths und vielen Instrumenten nicht. Manches ist tatsächlich nur billiger Schrott, der keine Ebene anspricht.
So negativ wie Cosmic Baby sehe ich die Sache allerdings nicht. Für mich und meine Gefühlswelt gibt es noch immer genug, was mich berührt und anspricht. Man darf nur nicht zu analytisch an die Sache rangehen und manchmal muss man auch ein wenig suchen.
Wenn elektronische Musik scheitert, dann daran dass sie niemanden mehr berührt, nicht daran, dass sie den Ansprüchen nicht mehr genügt. Wenn ich mich aber so umsehe, dann berührt sie immer noch genug Menschen - im besonderen mich. 
Re: Re: Re: interessantes Interview mit Harald Blüchel alias Ex-Cosmic Baby
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| Originally posted by Frank-HH im gegenteil... erzähl mal lieber was neues! |


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Re: Re: Re: Re: interessantes Interview mit Harald Blüchel alias Ex-Cosmic Baby
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| Originally posted by dEEkAy [...] Fand da das Interview mit Ferry Corsten über den 90er Sound ganz gut ) |
Re: Re: Re: Re: interessantes Interview mit Harald Blüchel alias Ex-Cosmic Baby
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| Originally posted by dEEkAy Hehe. Gut ![]() Ich will auch wieder die Musik von 99-2001 haben, wo es wirklich noch Überraschungsproduktionen gab ![]() |
Re: Re: Re: Re: interessantes Interview mit Harald Blüchel alias Ex-Cosmic Baby
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| Originally posted by dEEkAy Hehe. Gut ![]() Ich will auch wieder die Musik von 99-2001 haben, wo es wirklich noch Überraschungsproduktionen gab ![]() Dann hätte ich dem ganzen vielleicht nicht den Rücken gekehrt (aber man selbst kann da auch nicht soviel dran ändern, bevor jetzt wer ankommt und sagt "dann mach doch selber". Fand da das Interview mit Ferry Corsten über den 90er Sound ganz gut ) |
So ist es aber doch!
Die Musik die heute raquskommt schockt lange nicht mehr wie noch vor 4-5 Jahren!!!
Damals haben mich viele Platten geflasht, aber was heute noch so läuft ist u.a. echt mau und belanglos.
Ich kann mich mit der Musik von heute fast gar nicht mehr identifizieren.
Früher war alles besser, das Feeling war es halt.
Habe schon diverse Abriss-Sets gehört und irgendwann ist man übersättigt und hat kein Bock mehr.
Der wichtige Gedanke an Harald Blüchels Kritik an elektronischer Musik zielt für mich geradewegs auf ihre technische Quelle: die Elektronik. Schwingungserzeugende Elektronik ist nicht per se gut oder schlecht, genauso wenig wie es mechanisch erzeugte Klänge sind. Elektronisch lassen sich Klänge erzeugen, die sich mechanisch nicht oder nur schwer erzeugen lassen. Durch die Elektronik wird das aus der Natur bekannte Klangspektrum enorm erweitert. Komplexe Ideen lassen sich ohne viel Aufwand und handwerkliche Fähigkeiten relativ rasch umsetzen, wie Harald Blüchel sagt. Genauso wie er beobachte ich das eigentliche Paradoxon: Auf der einen Seite stehen dank Elektronik den ins nahezu Unendliche potenzierten akustischen Möglichkeiten wenige phantasievolle und anspruchsvolle Ergebnisse auf der anderen Seite gegenüber. Warum? Ist es vielleicht der allgemeine Effekt, daß eine größere Auswahl nur ablenkt und damit nicht gerade phantasiefördernd ist?
Beispiele phantasievoller Technostücke mit guten Ideen hat für mich Atilla Girisken unter Cocooma und unter anderen Namen geliefert. "Flying Saucer" ist für mich das unangefochtene Paradestück, das mit vielen guten Einfällen aufwartet: Es wird eine kleine Geschichte erzählt, nach ca. zwei Minuten wird das Stück aus vollem Lauf für ca. zwei Sekunden abrupt stumm geschaltet, an anderer Stelle dasselbe mit einem Brummton unterlegt, zweimaliger Aufbau von Spannungsbögen, gegen Ende eine Acid-Einlage. Negativ ist das, woran 95% aller Technostücke in meinen Augen kranken: Das immer gleiche Wiederholen der paar verschiedenen Melodien eines Stückes mit den immer gleichen vier verschiedenen Tonlagen. Die positiven Einfälle überwiegen in meinen Augen aber das Ausschlachten dieser Melodien.
Aus einer anderen Kategorie auf der elektronischen Ebene zählen für mich die Klangwelten der gesamten LP "Oxygene" von Jean Michel Jarre zum phantasievollen, ideenreichen Musizieren mit Hilfe von Elektronik.
In diesem Zusammenhang möchte ich die Verbindung zu dem Instrument, für das mein Forumsname steht, herstellen. Der schöne leicht metallisch klirrende Klang der von Kielen angerissenen Stahlsaiten des Cembalos hat für mich einen technischen Geschmack. Den reinen natürlichen Klang einer Klaviersaite mag ich dagegen weniger gern. Das Cembalo hat perkussiven Charakter.
Um zu Harald Blüchel zurückzukehren: Ich lese auch aus seiner Kritik heraus, daß Melodien, die jemandem mal eingefallen sind, zuverlässig (evt. mit veränderter Tonlage) wiederholt werden. Eine Fortentwicklung findet nicht statt. Muß (Hard-)Trance per Definition monoton einschläfernd sein (Trance = schlafähnlicher Zustand)? Warum kleben Technokomponisten bloß so oft und gerne an ihren simplen Viertonmelodien fest? Untereinander werden die Stücke dadurch gleicher, uniformer, un-unterscheidbarer und beliebiger, um es mit Harald Blüchels Worten zu sagen.
Ob die Stücke rythmusbetont oder rein melodiös, orchestral sind, sehe ich nicht als seinen (und diesem Falle auch meinen) Kritikpunkt. Ein Stück hebt sich aus der Masse der gleichen un-unterscheidbaren durch gute, außergewöhnliche Einfälle heraus. Was gute, außergewöhnliche Einfälle sind, ist natürlich relativ. Auf jeden Fall wird Musik dadurch bunter.
Harald Blüchel spricht gegen Ende des Interviews die Kommerzialisierung an. Die Uniformität der elektronischen Musik sieht er auch darin begründet, daß Musik mehr und mehr wirtschaftlichen als künstlerischen Aspekten unterworfen wird. Außergewöhnliche musikalische Einfälle, die die Masse der Konsumenten nicht goutiert, kann sich nur jemand leisten, dem die künstlerische Freiheit wichtiger ist als der wirtschaftliche Erfolg. Ihm ist die künstlerische Freiheit wichtiger. Deshalb hat er sich unabhängig gemacht (von Sponsoren und anderen "wichtigen" Leuten) und macht alles selbst, was für ihn natürlich auch mehr Arbeit bedeutet.
@ Sir. Lunchalot
Analytisches Herangehen an Dinge, die überwiegend von Gefühlen bestimmt werden, halte ich in den meisten Fällen auch nicht für sinnvoll, da sich Gefühle nicht (immer) begründen lassen. Andererseits lassen sich in Harmonien Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten finden - im Gegensatz zum chaotisch auftretenden Geräusch. Neben dem reinen Gefühl für die Musik sollte ein Komponist - so wie Blüchel einer ist - meiner Meinung nach schon eine Vorstellung von dem entwickeln, was er vorhat, wenn es nachspielbar sein soll. Improvisationen und spontan entstandene Musik ist für den Augenblick.
Blüchel spannt den Bogen aber weiter von der Musik auf die Gesellschaft. Das Mittelmaß in der elektronischen Musik sieht er, so wie ich ihn verstanden habe, auch in unseren gesellschaftlichen Zuständen ("konturlos", "quotenkonform") liegen. Seine Kritik fällt mir dabei allerdings zu pauschal aus.
@ Cosmique
Wer sachlich vorgetragene Kritik als "Auskotzen" bezeichnet, meint sich selbst. Er ist unfähig, ihm fremde oder entgegenstehende Meinungen sachlich zu erwidern oder zu tolerieren, da er den Kritiker diskreditieren will.
@ dEEkAy
Das Gefühl, daß die Vergangenheit besser als die Gegenwart war/ist, kannten schon die Alten Griechen. In Abrede stellen kann man das nicht. Für den einen trifft dies zu, für den anderen dagegen nicht. Zum anderen unterliegt die gesellschaftliche Entwicklung in allen Bereichen Schwankungen. Nach einer Zeit stürmischer Entwicklungen (in der Neuzeit: z. B.: Internet-, Handyboom; Technomusik) herrscht erst einmal wieder Flaute, eine gewisse Erschöpfung. Die Entwicklungen müssen verdaut werden. Gesellschaftlich durchschlagende Ideen, die meist auf Geistesblitzen einiger weniger fußen, kommen unvorhergesehen.
Mit der Musik ist das ähnlich. Gute Musik kann nicht am Fließband produziert werden. Sie entsteht durch Eingebung. Nicht planbar. In der Dekade der in jeder Hinsicht boomenden Neunziger (wirtschaftlich, Frieden, neue Techniken, ...) bestanden zusätzlich ideale Vorausetzungen dafür. Es herrschte eine gewisse Sorglosigkeit.
Zeiten, in denen gute Musik geschaffen wurde, betrachte ich als abgeschlossen. In der Klassik, wie in der Pop- und Technomusik verfahre ich so (eine Weiterentwicklung in den jeweiligen Bereichen schließt das nicht aus). In der Klassik hört man sich schöne Stücke, deren Entstehung lange zurückliegt, immer wieder gerne mit Freude an. Warum geniert man sich dann, genauso mit älteren Technostücken zu verfahren? Könnte es vielleicht an unserer immer schnellebiger gewordenen Zeit liegen, an der Jagd stets nach dem Aktuellsten, Neuesten? Neues wird immer schneller alt. Sind wir dadurch glücklicher?
Bevor ich das lange Post beantworte (muss gleich weg) nur kurz soviel:
Gestern Abend habe ich (für mich) wieder festegestellt, dass mein Post absolute Gültigkeit hat, denn gestern Abend haben mich wieder mal ein paar Lieder sehr berührt. Solange das so ist, ist es für mich nicht nur Brei... 
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| Originally posted by Cembalo @ Cosmique Wer sachlich vorgetragene Kritik als "Auskotzen" bezeichnet, meint sich selbst. Er ist unfähig, ihm fremde oder entgegenstehende Meinungen sachlich zu erwidern oder zu tolerieren, da er den Kritiker diskreditieren will. |
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| Originally posted by MirkoS Ich kann mich mit der Musik von heute fast gar nicht mehr identifizieren. ![]() |
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| Originally posted by Cosmique ich will dir echt nicht zu nahe treten aber das wirft bei mir eine frage auf: Warum konsumierst du die musik dann noch |

Bin jetzt erst dazugekommen mir dieses lange Post mal durchzulesen.
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| Originally posted by Cembalo Der wichtige Gedanke an Harald Blüchels Kritik an elektronischer Musik zielt für mich geradewegs auf ihre technische Quelle: die Elektronik. Schwingungserzeugende Elektronik ist nicht per se gut oder schlecht, genauso wenig wie es mechanisch erzeugte Klänge sind. Elektronisch lassen sich Klänge erzeugen, die sich mechanisch nicht oder nur schwer erzeugen lassen. |
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| Originally posted by Cembalo Beispiele phantasievoller Technostücke mit guten Ideen hat für mich Atilla Girisken unter Cocooma und unter anderen Namen geliefert. "Flying Saucer" ist für mich das unangefochtene Paradestück, das mit vielen guten Einfällen aufwartet: Es wird eine kleine Geschichte erzählt, nach ca. zwei Minuten wird das Stück aus vollem Lauf für ca. zwei Sekunden abrupt stumm geschaltet, an anderer Stelle dasselbe mit einem Brummton unterlegt, zweimaliger Aufbau von Spannungsbögen, gegen Ende eine Acid-Einlage. |
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| Originally posted by Cembalo Um zu Harald Blüchel zurückzukehren: Ich lese auch aus seiner Kritik heraus, daß Melodien, die jemandem mal eingefallen sind, zuverlässig (evt. mit veränderter Tonlage) wiederholt werden. Eine Fortentwicklung findet nicht statt. Muß (Hard-)Trance per Definition monoton einschläfernd sein (Trance = schlafähnlicher Zustand)? Warum kleben Technokomponisten bloß so oft und gerne an ihren simplen Viertonmelodien fest? Untereinander werden die Stücke dadurch gleicher, uniformer, un-unterscheidbarer und beliebiger, um es mit Harald Blüchels Worten zu sagen. |
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| Originally posted by Cembalo @ Sir. Lunchalot Analytisches Herangehen an Dinge, die überwiegend von Gefühlen bestimmt werden, halte ich in den meisten Fällen auch nicht für sinnvoll, da sich Gefühle nicht (immer) begründen lassen. Andererseits lassen sich in Harmonien Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten finden - im Gegensatz zum chaotisch auftretenden Geräusch. Neben dem reinen Gefühl für die Musik sollte ein Komponist - so wie Blüchel einer ist - meiner Meinung nach schon eine Vorstellung von dem entwickeln, was er vorhat, wenn es nachspielbar sein soll. Improvisationen und spontan entstandene Musik ist für den Augenblick. |
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| Originally posted by Cembalo @ dEEkAy Das Gefühl, daß die Vergangenheit besser als die Gegenwart war/ist, kannten schon die Alten Griechen. In Abrede stellen kann man das nicht. Für den einen trifft dies zu, für den anderen dagegen nicht. ... Zeiten, in denen gute Musik geschaffen wurde, betrachte ich als abgeschlossen. ... |
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| Für mich war der große Unterschied von Trance / Techno zu "normaler" Musik immer, dass die Musik Gefühle auslöst, indem sie direkt vom Ohr ins Gehirn geht und dort ein Gefühl auslöst, wohingegen normale Musik (textbeladen) immer erstmal durch eine Assoziationsstufe hindurchlaufen muss, also übersetzt werden muss |
), sondern auch die Notwendigkeit, Gefühle nur durch Gesang auszudrücken, abnimmt. Und das ist nicht nur bei "Trance" so.
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| Originally posted by Sir. Lunchalot Das "früher war alles besser" Argument stimmt aus meiner Sicht nicht. Es ist nicht schlechter, sondern anders und vielleicht passt das alte einfach besser zu einem, weil man sich nicht mehr auf etwas neues einlässt oder einlassen will? Das ist an sich nichts verwerfliches. Stören tut es mich erst dann, wenn daraus eine Schlussfolgerung gezogen wird, die darauf hinausläuft, dass heute alles schlechter ist, nur weil es nicht mehr zu einem passt. Das "Problem" ist eigentlich nie die andersartige Musik, sondern meistens man selber. |
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| Originally posted by Sir. Lunchalot Das "früher war alles besser" Argument stimmt aus meiner Sicht nicht. Es ist nicht schlechter, sondern anders und vielleicht passt das alte einfach besser zu einem, weil man sich nicht mehr auf etwas neues einlässt oder einlassen will? Das ist an sich nichts verwerfliches. Stören tut es mich erst dann, wenn daraus eine Schlussfolgerung gezogen wird, die darauf hinausläuft, dass heute alles schlechter ist, nur weil es nicht mehr zu einem passt. Das "Problem" ist eigentlich nie die andersartige Musik, sondern meistens man selber. |
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| Originally posted by Inyrie @Cembalo: Ansonsten muss ich sagen, dass ichs erfrischend fand, dass sich hier mal tatsächlich wieder jemand die Mühe gemacht hat, sich mit etwas gründlicher auseinander zu setzen |
Ich kann seine Meinung durchaus verstehen, sie ist halt nicht meine aber an seinem Standpunkt gibt es ja wohl wenig zu rütteln, wenn er die Dinge nun mal so (radikal) sieht. Das sowas alleine schon manchmal zum Verbrechen hochstilisiert wird, werde ich allerdings nie verstehen. Die Welt ist voller Meinungen anderer und wer sich von so etwas angegriffen fühlt, sollte sich fragen warum. Das ist für mich dasselbe wie das Diskreditieren von anderen Genres, nur weil sie einem nicht zusagen. Wenn man hinter dem steht, was man mag, was juckt einen da die Meinung anderer?
Schade finde ich, dass Harald Blüchel resigniert hat, denn solche Aussagen macht man nur, wenn man sich nicht mehr in der EDM-Szene auskennt. Ich kenne keine Zeit in der ich nicht genug gute Musik gehört habe. Die Kunst ist nur, am Ball zu bleiben und die Perlen aus der Grütze herauszupicken. Es gab zu jeder Zeit genug innovative releases und nur weil er sie nicht mehr kennt, heisst es nicht, dass es sie nicht gibt. Mich würde interessieren, wie er die klassichen Elemente heutzutage mit elektronischen Elementen vermischen würde aber das wird es wohl nicht geben. Wobei hier interessant ist und es für mich auch offenbar wird, dass er resigniert bzw. einfach das Interesse verloren hat, ist das er ja nicht mal selbst was Neues in Richtung EDM machen will. Was juckt es denn einen Künstler wenn seiner Meinung nach alle anderen nur Konventionsrotz herausbringen? Das ist für interessierte Künstler doch nur mehr Ansporn es besser zu machen.
Ich bin nicht der Meinug ,das ALLES früher besser war - ich bin seit 1990 dabei -habe den Anfang ,den Höhepunkt ,die Kommerzionalisierung und auch den Rückzug in vernünftige Grenzen miterlebt ( was ich auch ganz gut finde-ich brauche keine Trance-Track in den Hitparaden).
Wenn ich teilweise die Musik von früher höre -schüttel ich nur den Kopf und frage mich -was ich daran mal gut fand !
Allein schon der Bass ...
Cosmic Baby oder auch Kid Paul sind damals früh ausgestiegen und ich hatte auch nie das Gefühl ,das sie so vile Herzblut wie z.B. Westbam in diese Musik legten....
@ Cosmique
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Originally posted by Cosmique das ist totaler unfug !!!! Mal eine Frage: wie viele interviews von Cosmic Baby (bzw. ex ...) hast du schon gehoert / gelesen? Ich kann mich erinnern, er war ab und an mal gast bei Marcos Lopez im Soundgarden bei Fritz. Und da lief es genauso. Jede Frage die Marcos ihm stellte endete in einer geschichte von 'damals' mit der endgueltigen aussage 'frueher war alles besser'. Und genau so ist es in diesem Interview hier. Lies es dir doch mal in ruhe durch, es hat null informationswert und geht einfach nur darum wie toll damals alles war und jetzt nicht mehr (was aus meiner sicht im uebrigen volliger an den haaren herbeigezogener mist ist). |
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Schwingungserzeugende Elektronik ... mechanisch erzeugte Klänge |
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Originally posted by Sir. Lunchalot
Ich hielte es für etwas sehr vermessen (und auch nicht mit der Aussage der "uendlichen Möglichkeiten im elektronischen Klangspektrum" vereinbar), wenn man sagen würde, dass nur noch wiederholt würde, weil alle guten Melodien schon mal jemandem eingefallen sein. |
weiter:
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Originally posted by Sir. Lunchalot
Nach dieser Definition könnte man elektronsiche Musik vom Computer erfinden lassen, wenn es nur auf Gesetzmäßigkeiten ankommt. Dann braucht man keine "kreativen" Künstler mehr. |
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Originally posted by Sir. Lunchalot
... Vielleicht bleibt einfach jeder mal stehen? |
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Originally posted by Sir. Lunchalot ... Ich kenne viele Leute, die nur "das alte Zeug" hören und das neue rundherum ablehnen mit dem "früher war alles besser" Argument. ... |
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Originally posted by Sir. Lunchalot ... und vielleicht passt das alte einfach besser zu einem, weil man sich nicht mehr auf etwas neues einlässt oder einlassen will? Das ist an sich nichts verwerfliches. Stören tut es mich erst dann, wenn daraus eine Schlussfolgerung gezogen wird, die darauf hinausläuft, dass heute alles schlechter ist, nur weil es nicht mehr zu einem passt. Das "Problem" ist eigentlich nie die andersartige Musik, sondern meistens man selber. |
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Originally posted by TomTom ... Was juckt es denn einen Künstler wenn seiner Meinung nach alle anderen nur Konventionsrotz herausbringen? ... |
Interessante Diskussion bis hierher. Aber mich wundert es ein wenig, dass es immer heisst, von Blüchel gäbe es EDM-mäßig nix neues. Dabei gibt es doch mit"Bi.Polar" und "Stella Maris" zwei wunderschöne Konzeptalben mit Christopher von Deylen (Schiler) und die sind ja nun auch noch nicht sooo alt (Bi.Polar 2004, Stella Maris 2005).
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