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-- interessantes Interview mit Harald Blüchel alias Ex-Cosmic Baby


Posted by Cembalo on Oct-01-2006 06:26:

interessantes Interview mit Harald Blüchel alias Ex-Cosmic Baby

Süddeutsche Zeitung vom 29.09.2006

auszugsweise: aus
http://www.sueddeutsche.de/,panl1/k...tikel/24/86937/


Interview mit Cosmic Baby

"In der Massenkonfektion wird das Genre fragwürdig"


Als Cosmic Baby war Harald Blüchel der Star der internationalen Techno-Szene. Ende der Neunziger beklagte er die Verflachung elektronischer Musik und kehrte der Szene den Rücken. Mittlerweile hat der Künstler seine radikalen Konsequenzen gezogen.

Interview von Philipp Mattheis

... Ende der Neunziger kehrte er der Szene den Rücken – sein letzter Live-Auftritt liegt sieben Jahre zurück. Öffentlich trat er nur noch als Komponist für Theatermusik an den Schauspielhäusern in Stuttgart, Zürich und Hamburg in Erscheinung. Nun beginnt er eine Album-Trilogie – mit dem Sound von damals haben die neuen Stücke nichts mehr zu tun.

(...)

sueddeutsche.de: Sie waren 1989 auf der allerersten Love-Parade in Berlin mit 150 Teilnehmern. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Blüchel: Es war wunderbar. Ich kam aus Nürnberg nach Berlin. Kaum war ich dort, habe ich Leute kennen gelernt, die genau dasselbe wollten wie ich: mit ein paar Synthezisern und Rhythmus-Maschinen eine neue Musik machen. Ich konnte an einer spannenden Entwicklung von etwas Neuem teilhaben und mitgestalten – etwas, das sich wohl jeder Künstler wünscht. Es gab damals keine Unterschiede zwischen Fans und Machern.

(...)

sueddeutsche.de: Sehen Sie sich heute noch als Teil einer "Techno-Szene"?

Blüchel: Spätestens 1999, als diese Musik zwei Jahre vor ihrem kommerziellen Höhepunkt stand, der gleichzeitig Gipfelpunkt einer künstlerisch beschämenden Armseligkeit war, habe ich aufgehört, mich mit Techno als perspektivischer Popkultur auseinanderzusetzen.

(...)

sueddeutsche.de: Viele der Stücke auf "thinking about myself" und "Stellar Supreme" waren ihrer Zeit weit voraus. 1994 erschien die erste der "Cafe del Mar"-Compilations, die einen "Chill-out-Boom" auslösten. Wie empfinden Sie Musik dieser Art?

Blüchel: Wer freut sich nicht darüber, Anteil an einer musikalischen Entwicklung zu haben. Doch schnell wurde aus der Freude darüber erst ein ungläubiges Staunen, dann nur noch Ärger: Es hagelte Kopien von Kopien von Kopien, die in ihrer zunehmenden Belanglosigkeit nur noch verbrannte Erde hinterließen. Analytisch betrachtet ist das nichts Neues: In der Massenkonfektion wird irgendwann das gesamte Genre fragwürdig und ungenießbar, weil ihre Flut die wenigen guten Beispiele natürlich mit wegspült.

sueddeutsche.de: Die Musik dem Album "Die Toteninsel" und dem Nachfolgendem "caged" hat mit Techno nichts mehr zu tun. Was ist in der Zwischenzeit passiert?

Blüchel: Meine Verortung in der Gegenwart hat sich geändert. Wollte ich in der "Cosmic Baby"-Welt noch einfache, sozusagen reine Zustände wie "traurig", "verliebt", "glücklich" in musikalisch gefälliger Form abbilden, so interessieren mich seit Jahren komplexere, widersprüchliche innere Abläufe. Das bedeutet: Suche nach neuen Darstellungsformen, Klängen und Kompositionstechniken. Was wiederum bedeutet: studieren, handwerklich dazu lernen, experimentieren und bewährte Wege verlassen. Das braucht Zeit und Geduld. Rückbesinnungen auf Felder der klassischen Moderne wie "Musique Concrete" haben mich inspiriert. Ich würde meine eigene Musik heute eher als "Hörstücke" bezeichnen.

sueddeutsche.de: In der "Toteninsel" verbinden Sie Elemente klassischer Musik mit elektronischen Klängen, "caged" ist ausschließlich für klassische Instrumente geschrieben. Wo sehen Sie die Chancen und wo die Grenzen elektronischer Musik?

Blüchel: Das Verlockende und Faszinierende an elektronischer Musik ist die Möglichkeit, mit relativ geringem Aufwand und ohne handwerkliche Fähigkeiten komplexe Ideen akustisch umsetzen zu können. Leider folgt daraus nicht zwangsläufig eine größere musikalische Vielfalt. Genau das Gegenteil ist zu hören: Die Musik klingt tendenziell immer gleicher, immer uniformer, un-unterscheidbarer, beliebiger – was wiederum kein musikspezifisches Problem ist, sondern einen allgemeinen Zustand betrifft...

(...)

Blüchel: Aber genau diese Suggestion des "Sowohl als auch", dieses "die goldene Mitte finden", ist doch die Wurzel dieser konturlosen, quotenkonformen, als sexy, schick und erfolgreich hin-designeten Scheinindividualität, die uns als Lebensfreude, Orientierungs- und Wertmaßstab verkauft wird. Dieser Beckmann-Merkel-Bohlen-Fliege-Pluralismus macht mich krank. Der Schriftsteller Helmut Krausser brachte es einmal sehr schön auf den Punkt: Man muß kapieren, daß das alles nur Masken ein und derselben Figur sind. Die Verblödungsgesellschaft bedient man, sobald man sich mit ihr einläßt. Egal wie.


Ein lesenswertes Interview!


Posted by Cosmique on Oct-01-2006 09:33:

Thumbs down Re: interessantes Interview mit Harald Blüchel alias Ex-Cosmic Baby

quote:
Originally posted by Cembalo
Ein lesenswertes Interview!


find ich ueberhaupt nicht.

Was ist daran lesenswert, es ist ein einziges ausgekotze ohne jede Art von information. Sorry aber so kommt es bei mir an.


Posted by dEEkAy on Oct-01-2006 12:35:

Re: interessantes Interview mit Harald Blüchel alias Ex-Cosmic Baby

quote:
Originally posted by Cembalo

Spätestens 1999, als diese Musik zwei Jahre vor ihrem kommerziellen Höhepunkt stand, der gleichzeitig Gipfelpunkt einer künstlerisch beschämenden Armseligkeit


Mhmmm. Kann ich nicht ganz zustimmen. Der Gipfelpunkt kam erst 2002/2003 und scheint sich heute in vielen Bereichen immernoch weiter nach oben zu drücken.
*sich mal wieder unbeliebt mach*


Posted by Frank-HH on Oct-01-2006 12:38:

Re: Re: interessantes Interview mit Harald Blüchel alias Ex-Cosmic Baby

quote:
Originally posted by dEEkAy

*sich mal wieder unbeliebt mach*


im gegenteil... erzähl mal lieber was neues!


Posted by Sir. Lunchalot on Oct-01-2006 13:42:

Cosmic Baby war einer der Helden meiner frühen Trance / Techno Zeit!

Zum Interview: Elektronische Musik ist sehr sehr vielschichtg. Innerhalb dieser Schichten gibt es mal Schlamm, mal aber auch eine Diamantenader. Manchmal kommt es auch nur auf die Perspektive an.

Der eine kann mit eher Rhythmusgeladener Musik nichts anfangen, weil sie ihm zu "einfach und nicht tief" ist, sondern nur eher ursprüngliche Gefühle anspricht, der nächste "versteht" komplexere Kompositionen mit Synths und vielen Instrumenten nicht. Manches ist tatsächlich nur billiger Schrott, der keine Ebene anspricht.

So negativ wie Cosmic Baby sehe ich die Sache allerdings nicht. Für mich und meine Gefühlswelt gibt es noch immer genug, was mich berührt und anspricht. Man darf nur nicht zu analytisch an die Sache rangehen und manchmal muss man auch ein wenig suchen.

Wenn elektronische Musik scheitert, dann daran dass sie niemanden mehr berührt, nicht daran, dass sie den Ansprüchen nicht mehr genügt. Wenn ich mich aber so umsehe, dann berührt sie immer noch genug Menschen - im besonderen mich.


Posted by dEEkAy on Oct-01-2006 17:41:

Re: Re: Re: interessantes Interview mit Harald Blüchel alias Ex-Cosmic Baby

quote:
Originally posted by Frank-HH
im gegenteil... erzähl mal lieber was neues!


Hehe. Gut
Ich will auch wieder die Musik von 99-2001 haben, wo es wirklich noch Überraschungsproduktionen gab
Dann hätte ich dem ganzen vielleicht nicht den Rücken gekehrt (aber man selbst kann da auch nicht soviel dran ändern, bevor jetzt wer ankommt und sagt "dann mach doch selber". Fand da das Interview mit Ferry Corsten über den 90er Sound ganz gut )


Posted by Bruchpilot on Oct-02-2006 15:44:

Re: Re: Re: Re: interessantes Interview mit Harald Blüchel alias Ex-Cosmic Baby

quote:
Originally posted by dEEkAy
[...] Fand da das Interview mit Ferry Corsten über den 90er Sound ganz gut )


hast da mal vielleicht den link zu oder ne ahnung, wo ich danach suchen soll?


Posted by Sand Leaper on Oct-02-2006 17:30:

Re: Re: Re: Re: interessantes Interview mit Harald Blüchel alias Ex-Cosmic Baby

quote:
Originally posted by dEEkAy
Hehe. Gut
Ich will auch wieder die Musik von 99-2001 haben, wo es wirklich noch Überraschungsproduktionen gab


So wie zum beispiel...?


Posted by Frank-HH on Oct-02-2006 18:03:

Re: Re: Re: Re: interessantes Interview mit Harald Blüchel alias Ex-Cosmic Baby

quote:
Originally posted by dEEkAy
Hehe. Gut
Ich will auch wieder die Musik von 99-2001 haben, wo es wirklich noch Überraschungsproduktionen gab
Dann hätte ich dem ganzen vielleicht nicht den Rücken gekehrt (aber man selbst kann da auch nicht soviel dran ändern, bevor jetzt wer ankommt und sagt "dann mach doch selber". Fand da das Interview mit Ferry Corsten über den 90er Sound ganz gut )


Du gehörst auch zu der Fraktion...früher war alles besser!!

...man muss halt das beste aus der Situation machen, dann löppt dat
schon! Aber wenn man halt keinen Bock mehr auf "gewisse" Musik
mehr hat, bringt es auch nichts, ständig über irgendwelche Musikrichtungen zu meckern! Dann erzähle mir doch mal,
wo es 99-2001, wie du es sagst "Überraschungsproduktionen", gab?
Die gibt es heute mit Sicherheit auch noch, nur dich "schockt" die
Musik halt nicht mehr....


ASOT z.B. findest du Scheiße, aber wenn da was von Dir läuft, ist es wieder gut, oder wie? ...nur mal so als Frage...


Posted by MirkoS on Oct-02-2006 21:05:

So ist es aber doch!
Die Musik die heute raquskommt schockt lange nicht mehr wie noch vor 4-5 Jahren!!!
Damals haben mich viele Platten geflasht, aber was heute noch so läuft ist u.a. echt mau und belanglos.
Ich kann mich mit der Musik von heute fast gar nicht mehr identifizieren.

Früher war alles besser, das Feeling war es halt.

Habe schon diverse Abriss-Sets gehört und irgendwann ist man übersättigt und hat kein Bock mehr.


Posted by Cembalo on Oct-02-2006 21:08:

Der wichtige Gedanke an Harald Blüchels Kritik an elektronischer Musik zielt für mich geradewegs auf ihre technische Quelle: die Elektronik. Schwingungserzeugende Elektronik ist nicht per se gut oder schlecht, genauso wenig wie es mechanisch erzeugte Klänge sind. Elektronisch lassen sich Klänge erzeugen, die sich mechanisch nicht oder nur schwer erzeugen lassen. Durch die Elektronik wird das aus der Natur bekannte Klangspektrum enorm erweitert. Komplexe Ideen lassen sich ohne viel Aufwand und handwerkliche Fähigkeiten relativ rasch umsetzen, wie Harald Blüchel sagt. Genauso wie er beobachte ich das eigentliche Paradoxon: Auf der einen Seite stehen dank Elektronik den ins nahezu Unendliche potenzierten akustischen Möglichkeiten wenige phantasievolle und anspruchsvolle Ergebnisse auf der anderen Seite gegenüber. Warum? Ist es vielleicht der allgemeine Effekt, daß eine größere Auswahl nur ablenkt und damit nicht gerade phantasiefördernd ist?

Beispiele phantasievoller Technostücke mit guten Ideen hat für mich Atilla Girisken unter Cocooma und unter anderen Namen geliefert. "Flying Saucer" ist für mich das unangefochtene Paradestück, das mit vielen guten Einfällen aufwartet: Es wird eine kleine Geschichte erzählt, nach ca. zwei Minuten wird das Stück aus vollem Lauf für ca. zwei Sekunden abrupt stumm geschaltet, an anderer Stelle dasselbe mit einem Brummton unterlegt, zweimaliger Aufbau von Spannungsbögen, gegen Ende eine Acid-Einlage. Negativ ist das, woran 95% aller Technostücke in meinen Augen kranken: Das immer gleiche Wiederholen der paar verschiedenen Melodien eines Stückes mit den immer gleichen vier verschiedenen Tonlagen. Die positiven Einfälle überwiegen in meinen Augen aber das Ausschlachten dieser Melodien.

Aus einer anderen Kategorie auf der elektronischen Ebene zählen für mich die Klangwelten der gesamten LP "Oxygene" von Jean Michel Jarre zum phantasievollen, ideenreichen Musizieren mit Hilfe von Elektronik.

In diesem Zusammenhang möchte ich die Verbindung zu dem Instrument, für das mein Forumsname steht, herstellen. Der schöne leicht metallisch klirrende Klang der von Kielen angerissenen Stahlsaiten des Cembalos hat für mich einen technischen Geschmack. Den reinen natürlichen Klang einer Klaviersaite mag ich dagegen weniger gern. Das Cembalo hat perkussiven Charakter.


Um zu Harald Blüchel zurückzukehren: Ich lese auch aus seiner Kritik heraus, daß Melodien, die jemandem mal eingefallen sind, zuverlässig (evt. mit veränderter Tonlage) wiederholt werden. Eine Fortentwicklung findet nicht statt. Muß (Hard-)Trance per Definition monoton einschläfernd sein (Trance = schlafähnlicher Zustand)? Warum kleben Technokomponisten bloß so oft und gerne an ihren simplen Viertonmelodien fest? Untereinander werden die Stücke dadurch gleicher, uniformer, un-unterscheidbarer und beliebiger, um es mit Harald Blüchels Worten zu sagen.

Ob die Stücke rythmusbetont oder rein melodiös, orchestral sind, sehe ich nicht als seinen (und diesem Falle auch meinen) Kritikpunkt. Ein Stück hebt sich aus der Masse der gleichen un-unterscheidbaren durch gute, außergewöhnliche Einfälle heraus. Was gute, außergewöhnliche Einfälle sind, ist natürlich relativ. Auf jeden Fall wird Musik dadurch bunter.

Harald Blüchel spricht gegen Ende des Interviews die Kommerzialisierung an. Die Uniformität der elektronischen Musik sieht er auch darin begründet, daß Musik mehr und mehr wirtschaftlichen als künstlerischen Aspekten unterworfen wird. Außergewöhnliche musikalische Einfälle, die die Masse der Konsumenten nicht goutiert, kann sich nur jemand leisten, dem die künstlerische Freiheit wichtiger ist als der wirtschaftliche Erfolg. Ihm ist die künstlerische Freiheit wichtiger. Deshalb hat er sich unabhängig gemacht (von Sponsoren und anderen "wichtigen" Leuten) und macht alles selbst, was für ihn natürlich auch mehr Arbeit bedeutet.


@ Sir. Lunchalot

Analytisches Herangehen an Dinge, die überwiegend von Gefühlen bestimmt werden, halte ich in den meisten Fällen auch nicht für sinnvoll, da sich Gefühle nicht (immer) begründen lassen. Andererseits lassen sich in Harmonien Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten finden - im Gegensatz zum chaotisch auftretenden Geräusch. Neben dem reinen Gefühl für die Musik sollte ein Komponist - so wie Blüchel einer ist - meiner Meinung nach schon eine Vorstellung von dem entwickeln, was er vorhat, wenn es nachspielbar sein soll. Improvisationen und spontan entstandene Musik ist für den Augenblick.

Blüchel spannt den Bogen aber weiter von der Musik auf die Gesellschaft. Das Mittelmaß in der elektronischen Musik sieht er, so wie ich ihn verstanden habe, auch in unseren gesellschaftlichen Zuständen ("konturlos", "quotenkonform") liegen. Seine Kritik fällt mir dabei allerdings zu pauschal aus.


@ Cosmique

Wer sachlich vorgetragene Kritik als "Auskotzen" bezeichnet, meint sich selbst. Er ist unfähig, ihm fremde oder entgegenstehende Meinungen sachlich zu erwidern oder zu tolerieren, da er den Kritiker diskreditieren will.


@ dEEkAy

Das Gefühl, daß die Vergangenheit besser als die Gegenwart war/ist, kannten schon die Alten Griechen. In Abrede stellen kann man das nicht. Für den einen trifft dies zu, für den anderen dagegen nicht. Zum anderen unterliegt die gesellschaftliche Entwicklung in allen Bereichen Schwankungen. Nach einer Zeit stürmischer Entwicklungen (in der Neuzeit: z. B.: Internet-, Handyboom; Technomusik) herrscht erst einmal wieder Flaute, eine gewisse Erschöpfung. Die Entwicklungen müssen verdaut werden. Gesellschaftlich durchschlagende Ideen, die meist auf Geistesblitzen einiger weniger fußen, kommen unvorhergesehen.

Mit der Musik ist das ähnlich. Gute Musik kann nicht am Fließband produziert werden. Sie entsteht durch Eingebung. Nicht planbar. In der Dekade der in jeder Hinsicht boomenden Neunziger (wirtschaftlich, Frieden, neue Techniken, ...) bestanden zusätzlich ideale Vorausetzungen dafür. Es herrschte eine gewisse Sorglosigkeit.

Zeiten, in denen gute Musik geschaffen wurde, betrachte ich als abgeschlossen. In der Klassik, wie in der Pop- und Technomusik verfahre ich so (eine Weiterentwicklung in den jeweiligen Bereichen schließt das nicht aus). In der Klassik hört man sich schöne Stücke, deren Entstehung lange zurückliegt, immer wieder gerne mit Freude an. Warum geniert man sich dann, genauso mit älteren Technostücken zu verfahren? Könnte es vielleicht an unserer immer schnellebiger gewordenen Zeit liegen, an der Jagd stets nach dem Aktuellsten, Neuesten? Neues wird immer schneller alt. Sind wir dadurch glücklicher?


Posted by Sir. Lunchalot on Oct-03-2006 13:44:

Bevor ich das lange Post beantworte (muss gleich weg) nur kurz soviel:

Gestern Abend habe ich (für mich) wieder festegestellt, dass mein Post absolute Gültigkeit hat, denn gestern Abend haben mich wieder mal ein paar Lieder sehr berührt. Solange das so ist, ist es für mich nicht nur Brei...


Posted by Cosmique on Oct-03-2006 16:13:

quote:
Originally posted by Cembalo
@ Cosmique

Wer sachlich vorgetragene Kritik als "Auskotzen" bezeichnet, meint sich selbst. Er ist unfähig, ihm fremde oder entgegenstehende Meinungen sachlich zu erwidern oder zu tolerieren, da er den Kritiker diskreditieren will.


das ist totaler unfug !!!!

Mal eine Frage: wie viele interviews von Cosmic Baby (bzw. ex ...) hast du schon gehoert / gelesen?

Ich kann mich erinnern, er war ab und an mal gast bei Marcos Lopez im Soundgarden bei Fritz. Und da lief es genauso.

Jede Frage die Marcos ihm stellte endete in einer geschichte von 'damals' mit der endgueltigen aussage 'frueher war alles besser'. Und genau so ist es in diesem Interview hier. Lies es dir doch mal in ruhe durch, es hat null informationswert und geht einfach nur darum wie toll damals alles war und jetzt nicht mehr (was aus meiner sicht im uebrigen volliger an den haaren herbeigezogener mist ist).


Posted by Cosmique on Oct-03-2006 16:16:

quote:
Originally posted by MirkoS
Ich kann mich mit der Musik von heute fast gar nicht mehr identifizieren.


ich will dir echt nicht zu nahe treten aber das wirft bei mir eine frage auf:

Warum konsumierst du die musik dann noch


Posted by MirkoS on Oct-03-2006 20:54:

quote:
Originally posted by Cosmique
ich will dir echt nicht zu nahe treten aber das wirft bei mir eine frage auf:

Warum konsumierst du die musik dann noch


Ganz einfach!
Ich warte auf Besserung!
Spaß beiseite. Es gibt immer noch gute DJ´s bzw. gute Tracks.

Allerdings fehlt mir dieser "Flash", den ich früher gehabt habe.
Damals war man richtig heiss!
Heutzutage ist es leider nicht mehr so.

Na ja der nächste Trnceport kommt bestimmt!


Posted by Sir. Lunchalot on Oct-04-2006 18:54:

Bin jetzt erst dazugekommen mir dieses lange Post mal durchzulesen.

quote:
Originally posted by Cembalo
Der wichtige Gedanke an Harald Blüchels Kritik an elektronischer Musik zielt für mich geradewegs auf ihre technische Quelle: die Elektronik. Schwingungserzeugende Elektronik ist nicht per se gut oder schlecht, genauso wenig wie es mechanisch erzeugte Klänge sind. Elektronisch lassen sich Klänge erzeugen, die sich mechanisch nicht oder nur schwer erzeugen lassen.



Worte wie "schwingungserzeugende Elektronik" weisen für mich auf eine sehr technokratische Sicht der Dinge hin (was ich oben auch versucht habe mit "analytisch" zu berschreiben). Eine Musik nach technischen Kriterien statt dem wie sehr es die Menschen berührt zu beurteilen kann nur zu einem gespaltenem Verhältniss zur Musik führen. Einerseits möchte man es gut finden, aber andererseits kann man es nicht, weil man nicht genießen kann, weil erstmal alles nach "Kriterien" beurteilt und zerlegt werden muss. Dieses Verhalten findet man übrigens auch oft in Clubs vor, wenn Leute, die eigentlich auf die Musik stehen auf einmal mit verschränken Armen dastehen und auf die Frage was denn sei Dinge antworten "Den Übergang hat er beim letzten mal auch so gemacht. Der macht immer den gleichen Übergang". Man kann das natürlich auch ausserhalb des Clubs machen. Beispiel? Ok...


quote:
Originally posted by Cembalo
Beispiele phantasievoller Technostücke mit guten Ideen hat für mich Atilla Girisken unter Cocooma und unter anderen Namen geliefert. "Flying Saucer" ist für mich das unangefochtene Paradestück, das mit vielen guten Einfällen aufwartet: Es wird eine kleine Geschichte erzählt, nach ca. zwei Minuten wird das Stück aus vollem Lauf für ca. zwei Sekunden abrupt stumm geschaltet, an anderer Stelle dasselbe mit einem Brummton unterlegt, zweimaliger Aufbau von Spannungsbögen, gegen Ende eine Acid-Einlage.



Versteh mich nicht falsch. Ich LIEBE Flying Saucer, aber es als das Paradebeispiel für phantasievoll zu bezeichnen halte ich für ein wenig
übertrieben. Warum? Weil das einbringen möglichst vieler und / oder verschiedener "Abwechslungen" noch kein gutes Lied macht. Für mich war der große Unterschied von Trance / Techno zu "normaler" Musik immer, dass die Musik Gefühle auslöst, indem sie direkt vom Ohr ins Gehirn geht und dort ein Gefühl auslöst, wohingegen normale Musik (textbeladen) immer erstmal durch eine Assoziationsstufe hindurchlaufen muss, also übersetzt werden muss. Durch diesen Wegfall eines Assoziationsschritts entsteht (meiner Theorie nach bzw. dem wie ich die Musik erlebe) ein höherer Genuß. Wenn ich mir ein Lied anhören würde und es nach "Wieviel Abwechslung und kreative Momente hat der Künstler in dem Set" anhören würde, dann käme ich nie zum genießen. Wenn es zu langweilig ist, dann wird sich irgendwann das Gefühl bei mir einstellen - auch ohne, dass ich mitzähle wie oft das Temp wechselt o.ä.



quote:
Originally posted by Cembalo
Um zu Harald Blüchel zurückzukehren: Ich lese auch aus seiner Kritik heraus, daß Melodien, die jemandem mal eingefallen sind, zuverlässig (evt. mit veränderter Tonlage) wiederholt werden. Eine Fortentwicklung findet nicht statt. Muß (Hard-)Trance per Definition monoton einschläfernd sein (Trance = schlafähnlicher Zustand)? Warum kleben Technokomponisten bloß so oft und gerne an ihren simplen Viertonmelodien fest? Untereinander werden die Stücke dadurch gleicher, uniformer, un-unterscheidbarer und beliebiger, um es mit Harald Blüchels Worten zu sagen.



Ich hielte es für etwas sehr vermessen (und auch nicht mit der Aussage der "uendlichen Möglichkeiten im elektronischen Klangspektrum" vereinbar), wenn man sagen würde, dass nur noch wiederholt würde, weil alle guten Melodien schon mal jemandem eingefallen sein.



quote:
Originally posted by Cembalo
@ Sir. Lunchalot

Analytisches Herangehen an Dinge, die überwiegend von Gefühlen bestimmt werden, halte ich in den meisten Fällen auch nicht für sinnvoll, da sich Gefühle nicht (immer) begründen lassen. Andererseits lassen sich in Harmonien Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten finden - im Gegensatz zum chaotisch auftretenden Geräusch. Neben dem reinen Gefühl für die Musik sollte ein Komponist - so wie Blüchel einer ist - meiner Meinung nach schon eine Vorstellung von dem entwickeln, was er vorhat, wenn es nachspielbar sein soll. Improvisationen und spontan entstandene Musik ist für den Augenblick.


Nach dieser Definition könnte man elektronsiche Musik vom Computer erfinden lassen, wenn es nur auf Gesetzmäßigkeiten ankommt. Dann braucht man keine "kreativen" Künstler mehr.




quote:
Originally posted by Cembalo
@ dEEkAy

Das Gefühl, daß die Vergangenheit besser als die Gegenwart war/ist, kannten schon die Alten Griechen. In Abrede stellen kann man das nicht. Für den einen trifft dies zu, für den anderen dagegen nicht.

...

Zeiten, in denen gute Musik geschaffen wurde, betrachte ich als abgeschlossen.

...


Tempora mutantur - et nos cum illis.

Vielleicht bleibt einfach jeder mal stehen? Wie die Schlager Fans, die in den sechzigern stehen geblieben sind und das bis heute hören? Ich kenne viele Leute, die nur "das alte Zeug" hören und das neue rundherum ablehnen mit dem "früher war alles besser" Argument. In der Trance Szene gibt es da übrigens schon 2 "Generationen". Die Leute, für die nur das Zeug aus Mitte der 90er gut ist und die Leute, die sagen, alles ausser 99-2001 sei Scheiße.

Das "früher war alles besser" Argument stimmt aus meiner Sicht nicht. Es ist nicht schlechter, sondern anders und vielleicht passt das alte einfach besser zu einem, weil man sich nicht mehr auf etwas neues einlässt oder einlassen will? Das ist an sich nichts verwerfliches. Stören tut es mich erst dann, wenn daraus eine Schlussfolgerung gezogen wird, die darauf hinausläuft, dass heute alles schlechter ist, nur weil es nicht mehr zu einem passt. Das "Problem" ist eigentlich nie die andersartige Musik, sondern meistens man selber.


Mal wieder viel zu viel Text geschrieben...


Posted by Inyrie on Oct-04-2006 20:01:

quote:
Für mich war der große Unterschied von Trance / Techno zu "normaler" Musik immer, dass die Musik Gefühle auslöst, indem sie direkt vom Ohr ins Gehirn geht und dort ein Gefühl auslöst, wohingegen normale Musik (textbeladen) immer erstmal durch eine Assoziationsstufe hindurchlaufen muss, also übersetzt werden muss


...dann hast du abseits der Charts-Musik, in denen das Gefühl nur in immer wiederkehrenden Phrasen steckt (übertrieben gesagt), weil die breite Masse es anders nicht mehr spürt, noch nicht wirklich viel an "nicht-elektronischer" Musik gehört (wag ich mal zu behaupten)... Ich weiß schon, warum ich vom Progressive Rock bei Trance gelandet bin.
Ich hab festgestellt, dass überall dort, wo die Musik abseits von Massenkompatibilität wandert, nicht nur die Länge der Stücke zunimmt ( ), sondern auch die Notwendigkeit, Gefühle nur durch Gesang auszudrücken, abnimmt. Und das ist nicht nur bei "Trance" so.

Ich halte sowieso nichts davon, Künste wie Musik, Malerei oder Literatur nach nüchternen analytischen Gesichtspunkten zu werten. Es steckt vielleicht eine geniale Struktur hinter manchem Werk, aber nicht, weil der Künstler will, dass die Leute das Werk betrachtet und sagen "Aha, der Pinselstrich / diese Tempowechsel / diese Metrik ist meisterhaft", sondern weil er bewegen will.

Wenn uns heute die Musik, die wir einst geliebt haben, nicht mehr bewegt, dann sicher nicht, weil sie gleichförmiger geworden ist, sondern weil wir einfach übersättigt sind. Von zuviel Schokolade wird einem schließlich auch schlecht

@Cembalo: Ansonsten muss ich sagen, dass ichs erfrischend fand, dass sich hier mal tatsächlich wieder jemand die Mühe gemacht hat, sich mit etwas gründlicher auseinander zu setzen - und das sogar abseits von Bloodys Weisheits-Ergüssen im Solo-Thread


Posted by Frank-HH on Oct-04-2006 20:04:

quote:
Originally posted by Sir. Lunchalot
Das "früher war alles besser" Argument stimmt aus meiner Sicht nicht. Es ist nicht schlechter, sondern anders und vielleicht passt das alte einfach besser zu einem, weil man sich nicht mehr auf etwas neues einlässt oder einlassen will? Das ist an sich nichts verwerfliches. Stören tut es mich erst dann, wenn daraus eine Schlussfolgerung gezogen wird, die darauf hinausläuft, dass heute alles schlechter ist, nur weil es nicht mehr zu einem passt. Das "Problem" ist eigentlich nie die andersartige Musik, sondern meistens man selber.


100% genau meine meinung! aber soooo was von!!!!


Posted by Cosmique on Oct-04-2006 20:11:

quote:
Originally posted by Sir. Lunchalot
Das "früher war alles besser" Argument stimmt aus meiner Sicht nicht. Es ist nicht schlechter, sondern anders und vielleicht passt das alte einfach besser zu einem, weil man sich nicht mehr auf etwas neues einlässt oder einlassen will? Das ist an sich nichts verwerfliches. Stören tut es mich erst dann, wenn daraus eine Schlussfolgerung gezogen wird, die darauf hinausläuft, dass heute alles schlechter ist, nur weil es nicht mehr zu einem passt. Das "Problem" ist eigentlich nie die andersartige Musik, sondern meistens man selber.


RICHTIG !!! - aber sowas von - !!!


Posted by Sir. Lunchalot on Oct-04-2006 20:26:

quote:
Originally posted by Inyrie

@Cembalo: Ansonsten muss ich sagen, dass ichs erfrischend fand, dass sich hier mal tatsächlich wieder jemand die Mühe gemacht hat, sich mit etwas gründlicher auseinander zu setzen


+1 - auch wenn mein Post etwas "zerpflückend" rüber kommt.


Posted by TomTom on Oct-05-2006 19:35:

Ich kann seine Meinung durchaus verstehen, sie ist halt nicht meine aber an seinem Standpunkt gibt es ja wohl wenig zu rütteln, wenn er die Dinge nun mal so (radikal) sieht. Das sowas alleine schon manchmal zum Verbrechen hochstilisiert wird, werde ich allerdings nie verstehen. Die Welt ist voller Meinungen anderer und wer sich von so etwas angegriffen fühlt, sollte sich fragen warum. Das ist für mich dasselbe wie das Diskreditieren von anderen Genres, nur weil sie einem nicht zusagen. Wenn man hinter dem steht, was man mag, was juckt einen da die Meinung anderer?

Schade finde ich, dass Harald Blüchel resigniert hat, denn solche Aussagen macht man nur, wenn man sich nicht mehr in der EDM-Szene auskennt. Ich kenne keine Zeit in der ich nicht genug gute Musik gehört habe. Die Kunst ist nur, am Ball zu bleiben und die Perlen aus der Grütze herauszupicken. Es gab zu jeder Zeit genug innovative releases und nur weil er sie nicht mehr kennt, heisst es nicht, dass es sie nicht gibt. Mich würde interessieren, wie er die klassichen Elemente heutzutage mit elektronischen Elementen vermischen würde aber das wird es wohl nicht geben. Wobei hier interessant ist und es für mich auch offenbar wird, dass er resigniert bzw. einfach das Interesse verloren hat, ist das er ja nicht mal selbst was Neues in Richtung EDM machen will. Was juckt es denn einen Künstler wenn seiner Meinung nach alle anderen nur Konventionsrotz herausbringen? Das ist für interessierte Künstler doch nur mehr Ansporn es besser zu machen.


Posted by HHBLACKSTAR on Oct-05-2006 19:44:

Ich bin nicht der Meinug ,das ALLES früher besser war - ich bin seit 1990 dabei -habe den Anfang ,den Höhepunkt ,die Kommerzionalisierung und auch den Rückzug in vernünftige Grenzen miterlebt ( was ich auch ganz gut finde-ich brauche keine Trance-Track in den Hitparaden).

Wenn ich teilweise die Musik von früher höre -schüttel ich nur den Kopf und frage mich -was ich daran mal gut fand !
Allein schon der Bass ...

Cosmic Baby oder auch Kid Paul sind damals früh ausgestiegen und ich hatte auch nie das Gefühl ,das sie so vile Herzblut wie z.B. Westbam in diese Musik legten....


Posted by Cembalo on Oct-05-2006 22:19:

@ Cosmique

quote:

Originally posted by Cosmique
das ist totaler unfug !!!!

Mal eine Frage: wie viele interviews von Cosmic Baby (bzw. ex ...) hast du schon gehoert / gelesen?

Ich kann mich erinnern, er war ab und an mal gast bei Marcos Lopez im Soundgarden bei Fritz. Und da lief es genauso.

Jede Frage die Marcos ihm stellte endete in einer geschichte von 'damals' mit der endgueltigen aussage 'frueher war alles besser'. Und genau so ist es in diesem Interview hier. Lies es dir doch mal in ruhe durch, es hat null informationswert und geht einfach nur darum wie toll damals alles war und jetzt nicht mehr (was aus meiner sicht im uebrigen volliger an den haaren herbeigezogener mist ist).


Es geht mir um den Stil, wie miteinander umgegangen wird auch mit denen, die sich nicht äußern können. Die Worte, die Du verwendest, beschreiben unmittelbar Deine Verfassung - im Guten wie im Schlechten. Schmähworte bringen rein gar nichts - außer Ärger. Eine feindselige Haltung macht auf Dauer krank.

Wenn Du Dich verständlich machen willst, mußt Du Dir schon die Mühe machen und erklären, warum das Interview für Dich keinen Informationswert hat. Deine Gedanken und Ansichten überzeugen am Ehesten, wenn Du sie mit eigenen Worten erläuterst und vertrittst. Erst dann kann ich Dir erwidern. Wenn ich etwas selbst lese, bilde ich mir meine eigene Meinung. Erst der konstruktive Austausch untereinander (kann) zum Überprüfen der eigenen Position sowie zum Umdenken führen. Von sachlichen Auseinandersetzungen kann jeder für sich profitieren.


Warum darf Harald Blüchel das, was er in der Vergangenheit erlebt und erfahren hatte, nicht "toll finden", so wie Du es ausdrückst? Denn bei Dir ist es doch, so wie ich es bei Dir lese, gerade umgekehrt: "Damals war alles nicht toll, aber dafür jetzt". Sollte ich jetzt Schmähworte verwenden, wenn ich es anders sehe?

Was ist "toll", Deiner Meinung nach? Warum wird Deiner Meinung nach elektronische Musik immer besser, gibt es mehr und mehr Einzigartiges und Herausragendes (also weniger "Kopien von Kopien von Kopien")? Das Interview sollte Dir genügend Anhaltspunkte geben, um Deine Sicht begründet und nachvollziehbar dagegenzustellen. Ich bin daran interessiert.


allgemein:
Mich interessiert nicht, wer etwas sagt, sondern was jemand sagt. Wenn die "falsche" Person etwas Richtiges sagt, wird das Richtige dadurch nicht falsch.


@ Sir. Lunchalot

quote:

Schwingungserzeugende Elektronik ... mechanisch erzeugte Klänge


Ich schrieb eingangs von der technischen Quelle der Musik. D. h. nichts anderes, als daß es ohne Instrumente keine Musik gibt (Gesang ausgenommen). Das ist trivial und darüber sollte eigentlich Einigkeit bestehen. Der inspirierteste Geist ist ohne Instrumente hilflos (Er kann vielleicht noch mit einem Bleistift die Noten notieren oder singen.). Meine Grundfrage war doch, ob ein Instrument, das sehr sehr viele Möglichkeiten bietet, phantasieanregend oder eher -hemmend ist. Das hat mit der Beurteilung des Endergebnisses nach instrumentalen Kriterien nichts zu tun. Nocheinmal: Bringt ein Überfluß an Möglichkeiten ("ich kann aus dem Vollen schöpfen") eine größere Bandbreite, ein größeres Spektrum an Ideen hervor?

Die gleiche Musik wirkt auf jeden anders, weil jeder anders ist (Erfahrungen, Erziehung, Kultur, Umwelt, Empfindungen & Gefühlswelt, Gene ...). Zu dieser trivialen Feststellung sollte es ebenfalls keinen Dissens geben.

Was schön ist und was nicht, darüber gibt es erstaunlicherweise einen breiten Konsens. Man hat Versuchspersonen verschiedene Gesichter vorgelegt, aus denen sich dann ein Schönheitsideal herausdestillieren ließ. Ebenfalls tendiert das Ohr eher zu harmonisch aufeinander abgestimmten Tönen und Klangspektren. Das schließt nicht aus, daß jemand Disharmonien schön findet, wie sie z. B. in der modernen klassischen Musik zu hören sind.

Ich denke, sich über diese Zusammenhänge im Klaren zu sein, kann nicht schaden. Beim ersten unmittelbaren Hören treten diese Dinge bei mir in den Hintergrund. Da wirkt Musik zuvorderst auf meine Gefühlswelt ein. Da entscheidet sich recht schnell, ob mir ein Stück gefällt oder nicht. Wird das Stück nun bald lanweilig oder weckt es bei jedem Hören aufs neue mein Interesse? Wie auch sonst im Leben denke ich, daß man nach dem Abklingen der ersten Hochgefühle die Angelegenheit nüchterner sieht. Eine monoton wiederholte Melodie - sei sie zunächst auch noch so schön - nutzt sich da in meinen Ohren schnell ab. Spannungsreiche Abwechslung, in der man bei jedem Hören etwas neues entdeckt (mein Technobeispiel "Flying Saucer"), läßt meine Neugierde, mein Interesse an dem Stück, ja meine Gefühle für das Stück länger anhalten. Ein feines Gehör erfreut sich an den Nuancen eines Musikstückes.

Jeder höre nach der Art Musik, die er im Laufe der Zeit für sich als gut herausgefunden hat, ohne den anderen missionieren zu wollen. Wie oben schon angedeutet, können Erfahrungsberichte und Gedanken anderer für einen selbst evt. nützlich sein.


Zum Gesang, den Du auch ansprichst: In der Abneigung gegen Gesang sind wir uns im Prinzip einig. Einzelnen Gesangsstimmen (wie z. B. Kate Bush) oder bestimmter Chormusik kann ich durchaus etwas abgewinnen. Über das "Warum" möchte ich aber einige Fragezeichen setzen ("Assoziationsstufe durchlaufen"). Die menschliche Stimme als das erste Instrument des Menschen sollte eigentlich ohne Übersetzung direkt auf die Gefühle einwirken: anbrüllen, schreien, sanft säuseln, monoton reden, lachen, feixen, weinen, flüstern usw. lösen beim Gegenüber in der Regel bestimmte Reaktionen und/oder Gefühle aus. Der gesprochene/gesungene Text ist da vor der Stimme (und vor Mimik und Gestik) zweitrangig, weil die "Ursprache" allgemein verständlich ist.


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Originally posted by Sir. Lunchalot
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Originally posted by Cembalo
Um zu Harald Blüchel zurückzukehren: Ich lese auch aus seiner Kritik heraus, daß Melodien, die jemandem mal eingefallen sind, zuverlässig (evt. mit veränderter Tonlage) wiederholt werden. Eine Fortentwicklung findet nicht statt. Muß (Hard-)Trance per Definition monoton einschläfernd sein (Trance = schlafähnlicher Zustand)? Warum kleben Technokomponisten bloß so oft und gerne an ihren simplen Viertonmelodien fest? Untereinander werden die Stücke dadurch gleicher, uniformer, un-unterscheidbarer und beliebiger, um es mit Harald Blüchels Worten zu sagen.


Ich hielte es für etwas sehr vermessen (und auch nicht mit der Aussage der "uendlichen Möglichkeiten im elektronischen Klangspektrum" vereinbar), wenn man sagen würde, dass nur noch wiederholt würde, weil alle guten Melodien schon mal jemandem eingefallen sein.


Du hast mich hier mißverstanden. Ich meinte nicht, daß gute Melodien von anderen kopiert werden (, was ebenfalls nur einfallslos ist), sondern daß nur eine oder einige wenige Melodien in einem Stück anzutreffen sind (-> Stichwort Interesse an dem Stück oder Gefühle für das Stück erhalten). Ob das nun gut oder schlecht ist, möge jeder für sich beantworten. Eine Melodie in einer Endlosschleife (evt. mit veränderter Tonlage) wirkt auf mich nach mehrmaligem Hören penetrant. Ich stellte oben ja schon die Frage, ob das bei dieser Musikrichtung vielleicht sogar beabsichtigt ist: Trance = schlafähnlicher Zustand. Gleichsam wie ein Schamane versetzt ein Technokomponist über den DJ durch endlose Wiederholungen gleicher Klangfolgen sein Auditorium in Trance. Im Club oder der Diskothek werde ich davon u. U. bei schnellem Rythmus mitgenommen (im Sinne von "abheben"). Zu Hause möchte ich aber Nuancen in einem Stück entdecken, über deren Wiedererkennen beim Hören in der Diskothek ich mich durchaus auch freue. Das sind meine zwei verschiedenen Ansprüche an gute Technomusik.


Posted by Cembalo on Oct-05-2006 22:22:

weiter:

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Originally posted by Sir. Lunchalot
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Originally posted by Cembalo
@ Sir. Lunchalot
Analytisches Herangehen an Dinge, die überwiegend von Gefühlen bestimmt werden, halte ich in den meisten Fällen auch nicht für sinnvoll, da sich Gefühle nicht (immer) begründen lassen. Andererseits lassen sich in Harmonien Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten finden - im Gegensatz zum chaotisch auftretenden Geräusch. Neben dem reinen Gefühl für die Musik sollte ein Komponist - so wie Blüchel einer ist - meiner Meinung nach schon eine Vorstellung von dem entwickeln, was er vorhat, wenn es nachspielbar sein soll. Improvisationen und spontan entstandene Musik ist für den Augenblick.


Nach dieser Definition könnte man elektronsiche Musik vom Computer erfinden lassen, wenn es nur auf Gesetzmäßigkeiten ankommt. Dann braucht man keine "kreativen" Künstler mehr.


Das schreibe ich nicht. Zum Anfertigen eines Kunstwerkes hat jeder Künstler seine eigenen (erprobten) Methoden. Der eine macht sich einen Plan, wie er vorgehen will, was er schaffen will, was er ausdrücken will. Der andere legt spontan los und läßt sich nur von seinen Inspirationen treiben. Womit nicht gesagt ist, daß der Planvolle uninspiriert ist. Diese zwei extrem gezeichneten Typen gibt es in Reinform wohl eher selten, während sich die meisten dazwischen ansiedeln. Der Auftragskünstler muß zudem sicher mehr überlegen, wie er sein Ziel erreichen will, als daß er es dem Zufall überläßt. Das fertige Kunstwerk kann sowohl Ergebnis reiner Berechnung sein (Beispiele: positiv: nach mathematischen Gesichtspunkten komponierte Sinfonie neuerer Musik, deren Komponist mir jetzt nicht einfällt; chin. Ornamente, die ich mal gesehen hatte. negativ: am Reißbrett auf hohe Marktakzeptanz hin getrimmte charttaugliche 'Musik'; Kunst, um des Skandals willen) als auch rein einer Eingebung entspringen (Beispiele: ... Das weiß nur der Künstler selbst.).

Ob ein Kunstwerk anspricht und bewegt, hat in der Regel nicht mit seiner Herstellung und seinem Werdegang zu tun, um Inyries Gedanken an dieser Stelle zustimmend zusammenzufassen. Ausnahmen lassen sich allerdings auch finden: Holocaust-Mahnmahl? Neubebauung auf Ground Zero? ...

Ob ein Kunstwerk nun billiger Schrott oder hohe Kunst ist, entscheidet das Publikum. Der Künstler weiß es insgeheim. Kreative Computer gibt es nicht und wird es wohl auch in naher Zukunft nicht geben. Es gibt Kunst vom Computer. Allerdings benötigt der Computer dazu den Menschen für kreative Eingaben (setzen von Anfangsbedingungen; auch Apfelmännchenbilder brauchen Anfangszahlen).
Spontan ohne Noten erklingende Musik läßt sich nicht mehr wiederholen - es sei denn sie wurde aufgezeichnet, um meinen obigen letzten Zitatsatz zu erklären.


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Originally posted by Sir. Lunchalot
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Originally posted by Cembalo
@ dEEkAy
...
Zeiten, in denen gute Musik geschaffen wurde, betrachte ich als abgeschlossen.
...

...
Vielleicht bleibt einfach jeder mal stehen?


Abgeschlossene zeitliche Epochen bedeuten in der Regel nicht, daß der Einzelne sich nicht mehr weiterentwickelt. Persönliche abgeschlossenen Zeiträume sind z. B. die Schulzeit, sportliche Kaderzugehörigkeit, Lehre, Studium etc.. Gesellschaftlich abgeschlossene Zeiten sind z. B. I. und II. Weltkrieg, kalter Krieg, Wiedervereinigung, ...; Einführung von neuen Techniken (Elektrizität und alles, was damit zusammenhängt); alte Theorien in Forschung und Wissenschaft; verschiedene Kunstformen ... . Vieles hinterläßt Spuren in der Gegenwart, die ohne die Vergangenheit nicht möglich ist. Es hat nichts mit Rückwärtsgewandtheit zu tun, sich dessen zu besinnen, woher alles kommt. Aufbau und Fortschritt ist nur möglich, wenn das Bestehende hinterfragt wird. Fehler und Richtiges der Vergangenheit leuchten einem den Weg.

Die sehr allgemein gehaltenen Gedanken lassen sich nun auch auf meinen persönlichen Umgang mit einer sehr speziellen Musik anwenden: Ich höre sehr gerne schnelle Technomusik bestimmter Jahrgänge, frage mich dann aber, warum diese oder jene Melodie bloß so oft wiederholt werden muß.

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Originally posted by Sir. Lunchalot
... Ich kenne viele Leute, die nur "das alte Zeug" hören und das neue rundherum ablehnen mit dem "früher war alles besser" Argument. ...


Ob eine Musik in meinen Ohren gut, mittelmäßig oder schlecht ist, entscheidet nicht der Jahrgang sondern mein rein subjektiver Höreindruck (Eigentlich erwarte ich an dieser Stelle keinen Widerspruch, da es eine triviale Aussage ist.).

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Originally posted by Sir. Lunchalot
... und vielleicht passt das alte einfach besser zu einem, weil man sich nicht mehr auf etwas neues einlässt oder einlassen will? Das ist an sich nichts verwerfliches. Stören tut es mich erst dann, wenn daraus eine Schlussfolgerung gezogen wird, die darauf hinausläuft, dass heute alles schlechter ist, nur weil es nicht mehr zu einem passt. Das "Problem" ist eigentlich nie die andersartige Musik, sondern meistens man selber.


"Offen für Neues sein", "sich auf Neues einlassen" ist eine Aufforderung, die neuesten Erkenntnissen nach (Link zum Artikel vergessen) altersspezifisch unterschiedlich beantwortet wird. Jüngere (bis ~ 35 Jahre) bejahen das. Sie gehen unbekümmerter (auch naiver) an neue Dinge heran. Mit wachsendem Alter und zunehmenden Erfahrungen wird immer weniger jeder Trend mitgemacht. Die permanente Jagd nach Neuem bedeutet auch Streß. Neues muß nicht besser sein, wie man mehr und mehr feststellt. Man ist glücklich mit dem, was man hat, so wie Du es oben nur anders formulierst. Ein Problem entsteht für einen erst dann, wenn man sich verbiegt oder verbiegen läßt.

Extreme sind wie so oft auch hier nicht gut: Dem flippigen jungen Menschen ohne festen Standpunkt und fester Haltung auf der einen Seite steht der verknöcherte sture Alte gegenüber.


@ TomTom

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Originally posted by TomTom
... Was juckt es denn einen Künstler wenn seiner Meinung nach alle anderen nur Konventionsrotz herausbringen? ...


Er wurde von der Süddeutschen anläßlich des Erscheinens seiner Album-Trilogie zu seinem Wandel von Techno zu klassischer Musik befragt. Er wurde nach dem Warum befragt, was er dann aus seiner Sicht beantwortet hat. Zu klären wäre, ob die Initiative zu dem Interview von ihm oder von der SZ ausging, um Deine Frage zu beantworten.

Natürlich muß man sich bemühen neue Stücke zu entdecken, wenn man noch Interesse an dieser Sparte hat. Ähnlich wie Harald Blüchel tendiere ich aber immer mehr zu einem bestimmten Bereich in der Klassik hin, weil ich schon zu oft von neuer Technomusik enttäuscht wurde. Eine spezielle Suche nach solchen Stücken werden ich aus diesem Grunde aber nicht veranstalten. Ich habe mich von dieser einen besonderen Spielart der elektronischen Musik nicht abgewandt, weil ich stets aufs neue wie elektrisiert bin, wenn mich das passende Stück trifft.


Posted by vandit_freak on Oct-06-2006 06:30:

Interessante Diskussion bis hierher. Aber mich wundert es ein wenig, dass es immer heisst, von Blüchel gäbe es EDM-mäßig nix neues. Dabei gibt es doch mit"Bi.Polar" und "Stella Maris" zwei wunderschöne Konzeptalben mit Christopher von Deylen (Schiler) und die sind ja nun auch noch nicht sooo alt (Bi.Polar 2004, Stella Maris 2005).



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