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-- Cosmic Baby interview


Posted by ahp2002 on Dec-08-2006 14:02:

Cosmic Baby interview

Hello there German trancers,

i recently had an interview with Harald Bluechel aka Cosmic Baby. Might be an interesting read, although it's in English

Click here to read

i thought it might be appropriate to post it in the German section

well, hope you enjoy!


Posted by Sir. Lunchalot on Dec-08-2006 15:16:

Thanks for psoting - we just had an interesting discussion about him and how his attitude towards the scene changed some weeks ago in this thread:

http://www.tranceaddict.com/forums/...ght=Cosmic+Baby

The interview you posted is a different one.


Posted by STRANDJUNGE on Dec-08-2006 20:19:

am 01.12. erschien �brigens das neue cosmic baby - album "industrie & melodie" auf time out, erh�ltlich im online-handel.


Posted by ahp2002 on Dec-08-2006 23:52:

quote:
Originally posted by Sir. Lunchalot
Thanks for psoting - we just had an interesting discussion about him and how his attitude towards the scene changed some weeks ago in this thread:

http://www.tranceaddict.com/forums/...ght=Cosmic+Baby

The interview you posted is a different one.


hi there, i had read that other interview, and it was interesting indeed. I think Harald is an interesting guy and has alot to say, wether u agree or not.

nice discussion!


Posted by Cembalo on Dec-10-2006 22:42:

Die drei bisherigen Interviews zusammen sind hier:

www.danceclassix.com (Englisch, Nov/2006)

www.tranceunited.com (Deutsch, Okt/2006)
Harald Bl�chel aka Cosmic Baby - das Musik Genie (Part I.)

-> �hnlich wie auf sueddeutsche.de; aber mehr Informationen zu Ausbildung und Werdegang, insgesamt ausf�hrlicher, zwei Teile

Die "Toteninsel" von Harald Bl�chel (Part II.)

www.sueddeutsche.de (Deutsch, Sep/2006)


Studiogast ist Harald Bl�chel bei Olaf Zimmermanns "Elektro
Beats" bei Radioeins rbb (analog terrestisch/digital/Internet, Frequenzen siehe dort) am 13.12.2006 zwischen 23.00 und 1.00 Uhr.

drei Interview-Links und Radioank�ndigung von:
www.harald-bluechel.com


Harald Bl�chel gibt in dem tranceunited-Interview eine Antwort auf meine Frage, ob "unbegrenzte" klangliche M�glichkeiten seiner Ausr�stung beim Komponieren eher von Vorteil oder eher hinderlich sind. Diese Frage stellte ich bereits in der Diskussion zum Interview aus der S�ddeutschen Zeitung:


tranceUNITED:
Welches Studio Equipment benutzt du?
Harald Bl�chel:

Ich schalte in den seltensten F�llen das Equipment an und spiele so lange an irgendeinem Ger�t herum, bis sich dann so etwas wie eine Idee daraus entwickelt.
Bei mir entsteht erst die Vorstellung im Kopf, die ich musikalisch ausdr�cken m�chte. Ich besch�ftige mich rein gedanklich mit dem Stoff, gehe spazieren, mache mir Notizen, schreibe Noten auf. Ist dieser Prozess konkret geworden, w�hle ich von vorneherein eine begrenzte Zahl von �Handwerkszeug� aus, mit dem ich die Komposition realisieren m�chte. Denn nichts h�lt mich mehr auf, als eine �unbegrenzte� Zahl von M�glichkeiten, durch eine unbegrenzte Zahl von Instrumenten und �Tools�, die mich von der konzentrierten Arbeit eher ablenken w�rden. Au�erdem entgehe ich durch drastische Beschr�nkung in der Auswahl der Mittel der Gefahr, eine Idee, bei der ich Schwierigkeiten habe, sie so musikalisch umzusetzen, wie ich sie im Kopf habe, dadurch glatt zu b�geln, in dem ich stupide Sound f�r Sound durch immer neue Sounds ersetzte, um so zu einem (ertr�glichen) Ergebnis zu kommen. Probleme zuzukleistern r�cht sich, denn sowohl der Produzent, als auch sp�ter der interessierte H�rer kommt diesen Tatsachen schnell auf die Spur ...


Meine Meinung, da� weniger und einfacher mehr ist sowie, da� (digitale) Elektronik die Wirklichkeit nur simulieren kann und damit der nat�rlichen individuellen Klangerzeugung immer unterlegen sein wird, wird durch seine sicher kontroverse Antwort auf folgende Frage best�tigt.

Nat�rlich oder analog lassen sich ungleich mehr Nuancen (Intensit�ten, Frequenzen, Spektren) ausdr�cken als sich je durch das digitale Prinzip in Schritten bzw. Stufen aufl�sen lassen. Analoge elektronische Musik rangiert aus diesem Grunde der Ausdrucksm�glichkeiten f�r mich dicht hinter der "analogen" mechanisch erzeugten Musik. Die Digitaltechnik hat einen ganz anderen Ansatz, der im Endergebnis exakte Reproduzierbarkeit erlaubt. Ob das positiv oder negativ ist, kommt wie immer auf den Anwendungsfall an:


tranceUNITED:
Auf welches Ger�t kannst du nicht verzichten in deinem Studio?
Harald Bl�chel:

Zu meinem Hauptinstrument ist seit letztem Jahr wieder der Fl�gel geworden, an dem ich jeden Tag 2-4 Stunden beim Studium der klassischen Musik verbrachte. Letztes Jahr begann ich � nach etwa 20 Jahren Unterbrechung � wieder mit dem �ben und Spielen von klassischer Klavierliteratur. �berhaupt hat sich mein Interesse wieder mehr zu den echten Instrumenten hin verschoben, weil ihre Ausdrucksform den elektronischen Ger�ten gegen�ber weitaus vielschichtiger und differenzierter ist. Jeder Digitalklang ist kopierbar. Der spezielle Anschlag eines Fl�gels nicht! Je mehr dieses st�ndige Updating-Downloading-Manuallesen und Soundsuchen zugenommen hat, umso weniger �Musiker� bin ich geworden. Es hat mich irgendwann sehr abgeturnt, wie ein B�roarbeiter nur noch vor Maus und Bildschirm zu sitzen und meine Musik an die Technologie anzupassen. Zugegebenerma�en kann die Technologie heute sehr viel, doch nutze ich sie nur noch bei der Bearbeitung und Manipulation von Kl�ngen und beim Aufnehmen und Mischen, nicht mehr als origin�rer Klangerzeuger.
Wenn ich mit elektronischen Ger�ten heute noch Musik mache, dann mit den Legenden: einem echten Minimoog, einem Moog Prodigy, einem Roland Jupiter 8, einer Roland TR 808 & 909 Rhythmusmachine ... das sind f�r mich schon eher �klassische� Instrumente, als �Maschinen� ...


(Anm. zum Moog-Synthesizer: Auf dem hat Wendy/Walter Carlos Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre St�cke von Bach, H�ndel, Scarlatti und anderen gespielt, nachdem sie die Noten auf den damals neuen Moog-Synthesizer �bertragen hatte. Frage: Hat jemand die inzwischen leider nicht mehr erh�ltlichen CDs "Switched-on Bach II" und "The Well-Tempered Synthesizer", die ca. 2001 in kleiner Auflage als Kopie der fr�heren LPs bei ihr erschienen sind?)


Eine weitere Antwort zu meiner im Oktober hier gestellten Frage zum sehr h�ufigen Wiederholen von Melodien und Klangstrukturen:

"... �Popmusik� muss auf Grund ihrer Komprimiertheit inhaltlich und stilistisch selbstredend eher eindimensional sein, sie lebt von dem Prinzip der Wiederholung (ein-)ge�bter H�rgewohnheiten. Noch in den neunziger Jahren wollte ich Musik entwickeln, die vielschichtigere Strukturen zu transportieren vermag; Musik, die sich nicht per se m�glichst m�helos und sofort in die Ohren der H�rerinnen und H�rer hineinschmeicheln und �Marktchancen� haben muss. ..."


Aus dem danceclassix-Interview:

"... Working with electronic equipment means the opportunity to create complex acoustic ideas with a relatively small effort. Interesting results can be accomplished without skilled musical abilities. On the other hand, I can hardly imagine a consequent musical development without serious and ongoing education."

Diese seine Aussage, der ich zustimme, hatten wir bereits im Oktober diskutiert, als er sich in der SZ �hnlich �u�erte.


"... rock-music gave me no real impulse."

Sch�ne Formulierung. Mal was anderes als "ist nicht mein Geschmack" oder "gef�llt mir nicht".


Das ist neu f�r mich:

"... And we shouldn`t forget to mention, that electronic music was at a significant point of departure for an original German musical identity, which hadn`t really existed between 1933 and 1970 ... . Bands like Can, Cluster, Neu! opened the way to a new �popular avantgarde� � music, which was continued and populized by bands like �Der Plan�, �DAF�, �The Residents�, �Tuxedo Moon�, �Yello� , �Heaven17� and �Soul Sonic Force�. It was my dream in these times, to take part in this movement."


Ein paar von mir ausgew�hlte Zitate:

"... leaving the major labels in 1995 was an uncompromising decision and resolute reaction on the already predictable commercialisation of techno-trance-music, ... Three years later, I couldn`t believe my ears when the Oakenfords, Sashas and Paul van Dyks of this world started to climb the peak of their popularity and success, with slightly remodelled music from years ago ... should I have simply repeating me, to take part in this phalanx?"


" ... my willing to return to �chamber music�, away from the situations of euphoric mass meetings towards still moments (not chill moments!), towards intimacy, the question of identity (in contrast to posing/staging). Quieter, less puffed up, and more different, more differentiated, more skeptical, more multi-dimensional, thus, more polarizing: no longer �wanting to please� at all costs ... Breaking down the grand gesture into its more complicated components. If possible, without losing the �light in my eyes� (which happened more often than I wanted). The big wish, to come at some time to that point where the composition of the separate components represent a more complex whole, not too cerebral, but certainly without any simplification / stylization / tailoring (and thus down-grading) of the result. All in all, I turned my mind back to classical music, in order to find new formal concepts for my future work. ..."


"Between 1991 and 1999 I gave roughly two hundredandfifty concerts. I could write volumes about this. In short, without these tours the music would never become what it is. To get to know foreign landscapes, other cultures and new people � for me it was a dream come true: I experience the trips keeping all my senses as open to the new impressions as I possibly can ... .
My current agenda has still other priorities to fulfil: keeping building up my own structures of communication and distribution, continuing my studies on classical composition and playing-technique on piano and finally composing music, with the intention to come closer to my personal idea of possible forms of contemporary music. Live Performances? Perhaps, you should ask me again in two years ..."


"Today I see the pieces of the �red square' originating between November 1997 and January 1999 as an extension and development of �14 Pieces - Selected Works� since they came to me in the same playful atmosphere of inspired ease. Where �14 pieces� is characterized by a very open stylistic thread holding it together, the point of �Square� was to concentrate on a single sound idea. These pieces are now being released in December 2006 under the title of �industry & melody� with a (negligible) delay of seven years. In exactly the same mix as back then."


"... The biggest enemy to defend is the own vanity. ... the advantage of once making a fault is, that you have the good chance to learn out of it, and make it better, the next time ... . All in all the entire life can be seen as a permanent learning process."


Nach diesem seinem Schlu�satz zu Lebensweisheiten im danceclassix-Interview kann ich an seiner grundlegenden Haltung in allen drei Interviews keinen Unterschied erkennen. Das tranceunited-Interview (deutsch) und das danceclassix-Interview (englisch; zus�tzlich Aussagen zu Politik, etwas ausf�hrlicher) sind im Wesentlichen identisch. Teilweise sind gleiche Formulierungen vorhanden.

Die Interviewer sind sich aber �ber einige seiner Lebensdaten uneins:
Geburtsjahr: 1963 (tranceunited) oder 1966 (danceclassix)?
erstes Klavierspiel mit vier (tranceunited) oder mit drei Jahren (danceclassix)?


Meine Beobachtung: Harald Bl�chel ist, so wie man es bei vielen kunstsinnigen Menschen antreffen kann, ein ruhiger und nachdenklicher "Kopfmensch" wahrscheinlich mit einer Tendenz zu Melancholie, vielleicht auch depressiver Stimmung. F�r eher fr�hliche Menschen, die sich keinen "gro�en Kopf" um alles und jeden machen sondern lieber gleich loslegen, mag dieser zu ihnen kontr�r liegende Charakter als d�sterer "Miesmacher" erscheinen. Im Umkehrschlu� erscheint der Extrovertierte f�r den Ruhigen, Nachdenklichen als oberfl�chlich. Beide Charaktere haben es schwer miteinander, dabei k�nnte der eine vom anderen lernen.

Obwohl ich Harald Bl�chel als ruhigen, nachdenklichen Menschen einsch�tze, verwundert mich die Prise Arroganz, die an wenigen Stellen in den Interviews durchschimmert. Das ist f�r mich dann der Fall, wenn er K�nstlerkollegen als "flachgeistig" (low spirit) deklassiert. So etwas h�tte er nicht n�tig.



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