Become a part of the TranceAddict community!Frequently Asked Questions - Please read this if you haven'tSearch the forums
TranceAddict Forums > Local Scene Info / Discussion / EDM Event Listings > Europe > Europe - Germany > Ausgetrickst ihr Penner!!
Pages (4): [1] 2 3 4 »   Last Thread   Next Thread
Share
Author
Thread    Post A Reply
TranceGiant
randomly disappoints



Registered: Jun 2001
Location: (Strudel)-City that never sleeps
Jester Ausgetrickst ihr Penner!!

Wetten dass dies der erste thread wird der nicht offtopic wird?
Wieso?
Nun, auf der Prämisse(!?) basierend dass der Threadersteller das Topic vorgibt dreh ich mal den spieß um und ernenne jegliches "off-topic" gequatsche als topic des threads. Damit wird offtopic zu ontopic. Objektives ontopic wärse also wie gesagt NUR offtopic zu posten, um echtes ontopic zu posten müsstet ihr deswegen offtopic zu offtopic posten, der mathematik nach also ontopic, was im umkehrschluss offtopic, sprich ontopic, hieße.Und damit ist die aufgabe in DIESEM thread offtopic zu werden unmöglich!


___________________
"Those are my principles, if you don't like them... well, I have others.”

Old Post Jan-09-2003 18:14  United States
Click Here to See the Profile for TranceGiant Click here to Send TranceGiant a Private Message Visit TranceGiant's homepage! Add TranceGiant to your buddy list Report this Post Reply w/Quote Edit/Delete Message
Tiesto
Supreme tranceaddict



Registered: Apr 2001
Location: Nrw, Germany

Menschen gestehen lieber ein schlechtes Gedächtnis ein, als eine mindere Intelligenz, obgleich beide eng zusammengehören, wie die meisten Intelligenztests belegen. Diese Fehlbeurteilung des Gedächtnisses mag damit zusammenhängen, dass es zu den schwierigsten Themen der Psychologie gehört und bis heute den Forschern Rätsel aufgibt. Zumindest ist klar, dass das Gedächtnis auf keinen festen Ort im Gehirn allein beschränkt ist. Das Gedächtnis ist ein Abstraktum, ein Ergebnis anderer psychischer Prozesse, die über den Augenblick hinausreichen. Aber auch das ist zweifelhaft, seit man drei Stufen hervorhebt, das Ultrakurzzeit-, das Kurzzeit- und das Langzeitgedächtnis.



Funktionen des Gedächtnisses

In funktioneller Hinsicht, das heißt, nach der Arbeitsweise des Gedächtnisses, werden vier Gedächtnisleistungen unterschieden: Sortieren der Reizinformation (sensorische Auslese, Rezeption), Einprägen (Enkodierung), Behalten (Retention) und Abruf (Ekphorie). Die Auslese zwischen den Sinneskanälen und innerhalb der einzelnen Eingänge von Sinnesreizen erfolgt nur zum kleinen Teil willkürlich, in der Regel jedoch nach frühen Bevorzugungen, lebenslangen Gewohnheiten, zeitbedingten Begünstigungen und Variationen weiterer psychologischer und soziologischer Merkmale.

Informationen filtern und einprägen

Auf den Menschen strömen eine Unmenge von Informationen ein: 109 bis 1010 bit pro Sekunde, die bei der Weiterverarbeitung im Gehirn auf 25 bit/s bis 100 bit/s schrumpfen und auf der Handlungsebene (Verhalten) sich wiederum zu 103 bis 107 pro Sekunde vervielfältigen. Mit anderen Worten: Wir leben in einer Umwelt (der Biologe Jakob von Uexkll bezeichnete sie als Merkwelt) mit einer astronomischen Reizsituation, die wir innerlich vereinfachen, um sie wiederum hochkompliziert zu beantworten (die Wirkwelt). Merk- und Wirkwelt bilden nach von Uexkll einen Funktionskreis, in dem sich Anfang und Ende treffen und in der gemeinsamen Funktion aufheben. Wenn beispielsweise jemand gewohnt ist, bei einem Waldspaziergang auf die Geräusche zu achten, wird er wie von selbst zahlreiche Vogelarten an ihren Stimmen unterscheiden. Für einen Unerfahrenen sind sie nur Hintergrundlärm. Ersterer ent-sinnt die Geräusche, das heißt, er unterscheidet sie durch seine persönliche Aufnahmebereitschaft. Diese Bereitschaft kann sich zeitweise verändern: Bei Erschöpfung, im Halbschlaf oder im Fieber hat schon jeder einen Abbau der Aufnahmefähigkeit erlebt. Ferner ist das Gedächtnis von der Zufallssituation, der Motivierung und der Stimmung abhängig.

Wissenschaftler unterscheiden aufgrund von Untersuchungen an Patienten mit Gedächtnisverlusten vier verschiedene Gedächtnisgruppen. Die wichtigste ist die Gedächtnisbündelung (die assoziative Aktivierung oder Priming). Sie basiert auf der seit Aristoteles bekannten Tatsache, dass nicht Einzeldinge erinnert werden, sondern gleichzeitig ähnliches “vorgewärmt” wird. Priming liegt vor, wenn ein Ereignis A die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses B vergrößert, das mit A assoziiert ist. Im Sinne der vorher behandelten Bedeutungstheorie ist Priming die unterschwellige Aktivierung eines ganzen Systems von Assoziationen. Dies erleichtert das Wiedererkennen schon einmal erlebter Situationen. Ferner unterscheidet die Gedächtnispsychologie qualitativ zwischen einem episodischen und einem prozeduralen Gedächtnis. Ersteres verbessert die chronologische Ordnung persönlicher Erlebnisse, wobei stark emotionalisierte Ereignisse bevorzugt erinnert werden. Das prozedurale Gedächtnis automatisiert unsere Handlungs- und Bewusstseinsabläufe. Eine weitere qualitative Gedächtnisgruppe ist das enzyklopädische Gedächtnis, das die gewaltige Menge des (mehr oder weniger) gefühlsneutralen Wissens von den Telefonnummern bis zum Schatz wissenschaftlicher Kenntnisse umfasst.

Die beteiligten Gehirnstrukturen für die Speicherung der verschiedenen Ereignisse sind für die vier Gedächtnisgruppen nicht dieselben. So werden Informationen für das episodische Gedächtnis und das enzyklopädische Gedächtnis zunächst zur Einprägung in den Hippocampus (zu deutsch Seepferdchen) und die Amygdala (den Mandelkernkomplex) im limbischen System geleitet, wo vielgestaltige Bedingungen bestimmen, was in die Großhirnrinde gelangt und so dauerhaft der Erinnerung erhalten bleibt. Diese Merkfunktion ist zeitabhängig. Inhalte für das prozedurale Gedächtnis werden offenbar vor allem in den Basalganglien, großen im Endhirn gelegenen Kernstrukturen, und eventuell im Kleinhirn verarbeitet und abgelagert. Beim Priming geschieht beides in der Großhirnrinde nahe der sensorischen Areale.

In früheren Jahrhunderten wurden höhere oder zumindest andere Gedächtnisleistungen gefordert als heute bei Verwendung von Computern als Gedächtnisersatz. Beispielsweise sind die Fähigkeiten zum Kopfrechnen dramatisch gesunken, stattdessen sind eine größere Menge und Vielfalt an Informationen und an Lernstoff zu bewältigen. Die Felder für die Einspeicherung von Daten und ihre Rückführung zur Großhirnrinde sind demnach unterschiedlich übbar. Die Erleichterung, sich Dinge durch Gedächtnisstützen einzuprägen, vergrößert unseren Gedächtnisschatz, der wiederum unsere geistige Leistungsfähigkeit verbessert. Das heute kaum noch gebräuchliche Auswendiglernen von Gedichten oder Erzählungen, wie es zum Teil im Orient noch ausgeübt wird, hat früher die Gedächtniskultur mitbestimmt.

Informationen behalten und abrufen

Alle im Gedächtnis behaltenen Fakten und Gegebenheiten legen wir wie Besitztümer ab und bauen eine innere Bibliothek auf. Die Bücher sind darin allerdings nicht ungelesen abgestellt, bis man sie herausnimmt und in ihnen blättert. Der Vorgang des Behaltens ist ein von Mensch zu Mensch verschiedenes ständiges Vergleichen der bisher gesammelten Gedächtnisinhalte. Der amerikanische Hirnforscher Michael Gazzaniga schrieb über diese Funktion: Ein wichtiges Postulat der früheren Psychologie war, dass die Elemente unserer Denkprozesse im Bewusstsein seriell (also nebeneinander) verarbeitet werden, bevor sie schließlich zu Erkenntnissen (Kognitionen) werden. Ich halte diese Vorstellung für völlig verfehlt. Im Gegensatz dazu möchte ich behaupten, dass das menschliche Gehirn modular organisiert ist. Unter Modularität verstehe ich, dass das Gehirn aus voneinander relativ unabhängigen Funktionseinheiten besteht, die parallel arbeiten. Der Geist ist kein unteilbares Ganzes, das mittels eines einzigen Verfahrens sämtliche Probleme löst. Die riesige und komplexe Informationsmenge, die auf unseren Geist trifft, wird in Teilmengen unterteilt und dann von vielen Systemen gleichzeitig verarbeitet. ... Wenn wir verstehen, dass unser Geist modular organisiert ist, wird auch klar, dass wir einen Teil unseres Verhaltens als eigensinnig akzeptieren müssen und dass ein bestimmtes Verhalten nicht unbedingt eine Folge bewusster Denkvorgänge sein muss.

Die Verarbeitung von Wissen, Erinnerung und Betrachtung, insgesamt also das Interpretieren von geistigen Inhalten, ist ständig im Fluss. William James sprach vom Bewusstseinsstrom. Das innere Leben setzt sich sogar im Traum fort, wobei allerdings die Module für das Wachbewusstsein inaktiv sind. Entscheidend für das Erinnerungsvermögen ist, dass wir kein statisches, sondern ein dynamisches Gedächtnis besitzen, in dem Veränderungen der Speicherinhalte die Regel und nicht die Ausnahme sind.

Holen wir durch einen Abruf gezielt Gedächtnisinhalte aus der Bibliothek unseres Kopfes hervor, beispielsweise in Prüfungen, sind andere Teile des Gehirns beteiligt als beim Einspeichern der Informationen. Beim Abruf sind es vor allem das Stirnhirn und der vordere Schläfenlappen im Großhirn, die durch einen starken Nervenfaserstrang miteinander verbunden sind. Eine wichtige Rolle - insbesondere bei autobiographischen Informationen - scheinen auch Regionen in der Amygdala und im Thalamus zu spielen. Die genannten Regionen des Gehirns sind zu einem Netzwerk verflochten, in dem in einem komplizierten Zusammenspiel die bewussten Gedächtnisinhalte entstehen. Für den Abruf der verschiedenen Gedächtnisinhalte scheinen die Großhirnhemispähren unterschiedlich aktiv zu sein. Beim Abruf von autobiographischen Inhalten aus dem episodischen Gedächtnis sind das Stirnhirn und der Schläfenlappen der rechten Hirnhemispähre aktiv, beim Abruf von Fakten sind es dagegen die gleichen Strukturen in der linken Großhirnhemisphäre.



Zeitliche Stufen des Gedächtnisses

So wie man Wasser und Wellen nicht trennen kann, gehört das Gedächtnis untrennbar zum Gesamtpsychischen. Im Laufe der Lebensjahre fallen im Allgemeinen bei alten Menschen nach und nach Einzelbereiche an Gedächtnisleistungen aus. Zuerst werden die kurz zurückliegenden Ereignisse vergessen, Kindheitserinnerungen dagegen bleiben noch lange im Gedächtnis. Diese und andere Erfahrungen mit dem Gedächtnisaufbau führten zur Annahme eines zeitlich gestaffelten Aufbaus des Gedächtnisses. Informationen werden zunächst wenige Augenblicke im Ultrakurzzeitgedächtnis behalten, dann eine variable Zeitspanne im Kurzzeitgedächtnis mit begrenzter Speicherkapazität und -dauer als unmittelbares Behalten aufbewahrt und zuletzt eventuell im Langzeitgedächtnis zum Teil lebenslang niedergelegt. Auch bei der Untersuchung der zeitlichen Abläufe im Gedächtnis wurde deutlich, dass dieses nicht ohne komplexe Zusammenschaltungen vieler Hirnareale funktionsfähig ist.

Das Ultrakurzzeit-, das Kurzzeit- und das Langzeitgedächtnis

Im Ultrakurzzeitgedächtnis oder sensorischen Register kann ein Reiz eine ganz kurze Zeit nachwirken, nachdem er selbst bereits wieder verschwunden ist. Dieser Effekt lässt sich bei visuellen Reizen mit einem fotografischen Gedächtnis vergleichen. Jeglicher zugängliche Reiz wird in jedem Augenblick, so wie er ist, registriert, noch bevor eine Verarbeitung einsetzt und der Reiz während eines Prozesses der Wiedererkennung von Mustern einer Kategorie zugeordnet wird. In ungezählten Fällen kann man solche Erscheinungen verfolgen, etwa beim schnellen Bewegen eines Bleistifts, beim Nachzählen von Glockenschlägen oder bei den so genannten Gedächtnisfarben: Im Periskop sieht man Gegenstände beim seitlichen Wegziehen immer noch farbig, obwohl dort keine Farbwahrnehmung möglich ist. Auch die Bewegung der Kinobilder beruht auf dem Effekt der Nachbilder. Das Ultrakurzzeitgedächtnis spielt auch beim Lesen eine Rolle. Das Auge bewegt sich nicht laufend über die Zeilen hinweg, sondern ruckt von Unterbrechung zu Unterbrechung, wobei der Leser je nach Lesebung mehr oder weniger Wörter verarbeitet, ehe er nach einem weiteren Augenruck eine nächste Wortgruppe erfasst.

Im Unterschied zum Ultrakurzzeitgedächtnis, das in seinen vielen Sinnesbereichen kaum über eine Sekunde hinausreicht, speichert das Kurzzeitgedächtnis etwa 12 bis 20 Sekunden lang ein begrenztes Bündel von etwa sieben Einzelheiten als Kapazitätsmaximum. Typisch ist die Situation beim Einprägen einer eben gelesenen Telefonnummer. Man muss sie ziemlich schnell in einem Zug wählen, um sie nicht zu vergessen. Wird man gestört, ist die Gesamtzahl verloren. Abweichungen von der mittleren Dauer des Kurzzeitgedächtnisses ergeben sich durch die erwähnten situativen Bedingungen, wie großen Lärm, Desinteresse, Krankheit und Sorgen. Eine höhere Kapazität haben die so genannten Eidetiker, also Menschen (besonders Kinder), die ein Bild so speichern können, dass es nach dem Verschwinden vor dem inneren Auge bildhaft erscheint. Aber auch der Nichteidetiker kann sich durch assoziative Hilfen Informationen leichter einprägen und so sein Kurzzeitgedächtnis stärken. So half früher ein Knoten im Taschentuch, um etwas assoziativ in Erinnerung zu behalten.

Das Langzeitgedächtnis gilt im Alltag als das eigentliche Gedächtnis. Seinen tatsächlichen Umfang im Einzelfall kennt niemand. Beispielsweise umfasst allein das Wortgedächtnis der meisten Menschen einige Tausend Wörter; dazu kommt der umfangreichere passive (zwar verstandene, aber nicht verwendete) Wortschatz. Rechnen wir dazu unsere erinnerten Vorstellungen, das Gedächtnis für unvergessliche Erlebnisse, das Zahlen- und Datengedächtnis, das Wissen darum, wie man bestimmte Dinge verrichtet oder unser Spezialwissen hinzu, so ergibt das eine ungeheure Menge an Gedchtnisinhalten. Man nimmt für das so genannte Protokollgedächtnis, das heißt vergangene Informationen, über die Aussagen gemacht werden können, eine Speicherkapazitt von 108 bis 1010 bit an. Außerdem gibt es nachweislich ein Gedächtnis, das nur in außerordentlichen Situationen, zum Beispiel unter Todesgefahr, abrufbar ist. Die tiefenpsychologischen Schulen gehen überdies von einem (persönlichen, familiären, kollektiven) unbewussten Gedächtnis aus, das einen schwer zugänglichen Bodensatz unseres Erinnerns ausmacht. Neben dem Protokollgedächtnis werden ferner unbemerkte Wiedererkennungen (Rekognitionen) in großer Zahl vermutet. Sie enthalten einen Schatz an Ordnungsmerkmalen, welche zur geistigen Orientierung in der Welt nötig sind. Schon eine so einfache Differenzierung, ab wann ein abgeschriebener Bleistift kurz ist, hängt von kognitiven Entscheidungsprozessen ab. (Abbildung)

Gedächtnistheorien

Wie diese drei Gedchtnisse arbeiten, versuchen drei Theoriengruppen, die Filtertheorien, die Assoziationstheorien und die Speichertheorien, zu verdeutlichen.

Donald Broadbent übermittelte Versuchspersonen über Kopfhörer Zahlen, über das linke Ohr zum Beispiel 945, über das rechte zum Beispiel 723. Die Versuchspersonen gaben die Zahlen entweder als 945 723 oder 723 945 wieder, dagegen niemals als 974 235 oder ähnliches. Aus vielen solchen Versuchen entwickelte Broadbent eine Filtertheorie. Das Gedächtnis ist demnach durch eine Gruppenauswahl organisiert. Nur durch Auslese (Selektion) mit einem (oder mehreren) Filter(n) kann die auf uns einströmende Datenflut bewältigt werden. Zum Beispiel löst beim Sprachverständnis ein gegebenes Anfangswort leicht eine Gruppe von Wörtern mit gleichen Anfängen aus.

Die ältesten Versuche, die Arbeitsweise des Gedächtnisses zu erklären, sind die Assoziationstheorien, die auf Aristoteles zurückgehen. Sie nehmen an, dass bestimmte Bedingungen die Merkfähigkeit und den leichteren Abruf fördern: Ähnlichkeit (Similanz), Gegenteiligkeit (Kontrast), Berührung in Zeit und Raum (Kontiguität) und Sinnzusammenhang (Kohärenz) zu früher Erlebtem erleichtern das Behalten von neuen Eindrücken. Nach diesen Theorien besteht für das Gedächtnis eine Art Verkettungszwang. Spätere Theorien fügten den klassischen Assoziationsregeln weitere begünstigende Bedingungen für die Bildung von Assoziationen hinzu, zum Beispiel Lebhaftigkeit, Neuheit oder häufige Wiederholung. (Abbildung)

Laut den Speichertheorien ist dagegen das Gedächtnis kein einförmiger Prozess, sondern ein Mehr-Speicher-Phänomen. Diese Theoriegruppe vereinigt sowohl die drei vorher beschriebenen zeitlichen Stufen des Gedächtnisses als auch die Filter- und die Assoziationstheorien. Gedächtnis ist danach ein verketteter Prozess aufgenommener Sinnesreize, die nach einem sensorischen Speicher (Ultrakurzzeitgedächtnis) einen Filter durchlaufen, in einem Primärgedächtnis (Kurzzeitgedächtnis) kurzfristig aufbewahrt werden und danach entweder verblassen oder über eine Art Sammellinse (Assoziation) zum Sekundrgedächtnis (Langzeitgedächtnis) weitergeleitet werden, in dem sie nicht nur aufbewahrt, sondern auch reflektiert werden. Das Gedächtnis ist nach den Speichertheorien immer auch zur Verarbeitung ausersehene Vergangenheit.

Die Anteile des Gedächtnisses sind wie die Hirnleistungen sowohl auf besondere Verrichtungen wie auf gemeinsame Wirkungen ausgerichtet. Gedächtnis verwahrt Gewesenes, bereitet es für das Erinnern in der Gegenwart auf und ordnet es für das Weiterleben in der Zukunft. Es ist also weit mehr als eine Vergangenheitsregistratur. Es ist auch ein Instrument der Lebenshilfe; negativ ausgedrückt: Das Gedächtnis ist nicht sehr zuverlässig.



Gedächtnistraining

Schon Cicero schrieb: Das Gedächtnis nimmt ab, wenn man es nicht übt. Daraus folgt: Die Gedächtnisleistung ist wandelbar und kann nicht nur vernachlässigt, sondern durch eine gezielte Einprägung oder durch einen verbesserten Abruf auch gemehrt und verfeinert werden.



Menschen können sich Dinge unterschiedlich gut einprägen

Warum merkt sich der eine viel und der andere wenig? Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Es liegt wohl, außer an zumeist unbekannten physiologischen Ursachen, an seinem Interesse und seiner Methodik, wenn jemand weniger behält als der Durchschnitt der Menschen. Das Interesse ist der Motor für das Behalten. Der Wissbegierige hat im Gegensatz zum Interesselosen eine Suchhaltung. Der Interesselose nimmt nur das auf, was sich nicht ignorieren lässt. Jeder kann sein Wissen vermehren, wenn er versucht, gezielt Lücken im bereits Gewussten auszufüllen. Solche Fundstücke werden fast nie wieder vergessen. Wer gewohnt ist, sein erinnertes Wissen zu ordnen und abzurunden, erzieht sich zu höheren Gedächtnisleistungen.

Die Ansätze, wie man Informationen am besten behalten kann, sind nicht für alle Menschen gleich. Deshalb gilt es, bei den im Folgenden genannten fünf wichtigsten Unterschieden der individuellen Gedächtniseigenschaften für sich selbst die individuellen Präferenzen herauszufinden und die hierbei gewonnenen Erkenntnisse, wenn möglich, einzusetzen.

Den wichtigsten Gegensatz bildet die Neigung zum Wiederholen und zum produktiven Behalten. Ersteres stützt sich auf das fast mechanische Wiederholen, bis es sitzt; Letzteres nannte der frühe französische Intelligenzforscher Alfred Binet ideativ, das heißt, das Festigen neuer Inhalte im Gedächtnis durch verstehendes Begreifen, Vergleichen und überdecken mit anderen Merkinhalten. Ein mit jenem Gegensatz zusammenhängender Unterschied bezieht sich auf die Kanalpräferenz: über welchen Sinneskanal kann sich jemand etwas besser einprgen? Zum Beispiel durch lautes Lesen (akustischer Kanal), durch Betrachten von Bildern parallel zum Text (optischer Kanal) oder durch Abschreiben (motorischer Kanal).

Drittens gibt es Menschen mit bevorzugten induktiven oder deduktiven Einprägungen, also solche, die schneller vom Einzelnen zum Allgemeinen fortschreitend beziehungsweise umgekehrt einspeichern. Weiterhin können eingeprägte Informationen bei einzelnen Personen im Gedächtnis nivelliert oder präzisiert werden. Das muss man entweder durch vergleichende Beispiele oder zunehmend differenziertere Wiederholungen berücksichtigen. Schließlich unterscheidet die neuere Gedächtnisforschung zwischen Menschen mit vorherrschend episodischem oder semantischem Einprägen, das heißt solchen, die sich besser den äußeren Ablauf von Geschehnissen merken und solche, die besser durch Worterklärungen behalten. Sobald man solche Unterschiede für die eigenen Gedächtnisneigungen oder Behaltenseigenschaften kennt, sollte man sie möglichst berücksichtigen und versuchen, sich den Gedächtnisstoff in der passenden Art einzuprägen.

Die Festigung eingeprägter Gedächtnisinhalte

Sich etwas einzuprägen, ist eine der Ursprungsleistungen höher entwickelter Tiere. Der Mensch als unspezifisch angepasstes Lebewesen muss sich im Gegensatz zu reinen Instinktwesen mehrheitlich auf das Artgedächtnis, den Erfahrungsschatz seiner Artgenossen, stützen, um überleben zu können. Der Mensch lernt unvergleichlich mehr aus den Erfahrungen seiner Vorfahren als durch eigene Erfahrung. Schon in der Frühzeit des Menschen halfen weltanschauliche Regeln das Leben körperlich und geistig zu bewältigen. Dieses Artgedächtnis reicht bis in die ritualisierten Strategien der Lebensgestaltung (zum Beispiel Gruß, Höflichkeitsformen oder religiöse Riten). Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass schon in den Höhlen der Cro-Magnon-Menschen Zeichen für rituelle Opfer von Fingergliedern gefunden wurden, die bei bestimmten Schicksalsschlägen ihre Götter gnädig stimmen sollten. Auch der Aberglaube gehört also zum gespeicherten Gemeinschaftsgedächtnis, nicht nur handwerkliches Wissen und gesellschaftliche Erinnerungen.

Um sich Sachverhalte besser einzuprägen, bieten sich verschiedene Gedächtnistechniken an. So wie in der Literatur ein Symbol dazu dient, eine Idee wieder zu erkennen (zum Beispiel bei Henrik Ibsen die Wildente als Symbol für die Freiheit), kann man auch im Alltag Gegenstände oder Sachverhalte als Träger einer symbolischen Unterstützung nutzen, um sie sich besser einzuprägen. So unsinnig es scheint, das Lehrbuch beim Schlaf unter das Kopfkissen zu stecken: als Verfahren, um sich selbst zu beeinflussen, hat es manchmal seine Wirkung. Besser fördert man das Gelernte, wenn man es zeitweilig ruhen lässt, um es von Zeit zu Zeit, wenn das Wissen verblasst, wieder aufzufrischen. Es gibt zahlreiche andere Hilfstechniken, beispielsweise beim Einprägen von Telefonzahlen handliche Zahlengruppen zu bilden oder sich die Anzahl der Monatstage mithilfe der Knöchelerhebungen der Faust für die langen Monate und der Täler dazwischen für die kurzen Monate zu merken.

Die elaborierte Einprägung kannte man schon im Altertum als Eselsbrücke: Man nimmt einen gut bekannten Ort, zum Beispiel das eigene Zimmer, und hängt gedanklich an den Gegenständen darin abstrakte Merkverläufe auf, um den Überblick zu konkretisieren. Bei einer reduktiven Einprägung geht man umgekehrt vor. Durch die Wegnahme der unbersichtlichen Vielfalt werden einige wenige Hauptmerkmale herausgefiltert, die sich leichter einprägen und im Einzelnen anwenden lassen. Um die Baustile von Gotik, Renaissance und Barock zu unterscheiden, vergleicht man allein die Fensterform: Sie variiert vom Spitzbogen über den klaren Bogen bis zum durchbrochenen Bogen. Fast alle Tabellen, Bilderschriften und Auflistungen nutzen dieses Prinzip der reduktiven Ordnung.



Wie ruft man Gedächtnisinhalte besser ab?

Wenn wir alle Gedächtnisinhalte ständig parat hätten, bliebe kein Raum im Gedächtnis für gegenwärtige Erlebnisse oder neue Erfahrungen. Deshalb vergisst das Gedächtnis manches und stellt Vergangenes nur zur Verfügung, wenn man sich bewusst daran erinnern möchte. Nachteilig ist das zum Beispiel in einer Prüfung, wenn es nicht gelingt, gespeicherte Informationen hervorzuholen. Kann jemand Wissen schnell abrufen, gilt das häufig als Zeichen für ein sicheres Beherrschen des Gelernten. Auch wenn das oft nicht stimmt, sollte man doch das schnelle Abrufen von Gedächtnisinhalten üben. Weniger Geübte werfen sich sonst nach einer Prüfung vor: Das hätte ich auch noch sagen können.

Eine mögliche Methode, um sein Wissen schnell parat zu haben, ist der Faktenabruf. Bei ihm ignoriert man die Fülle der mitgelernten Dinge, das heißt den Ort, die Umstände oder den Lehrenden, an die man sich bei dem Gemerkten miterinnern kann. Das verhindert, ins Nebensächliche abzuschweifen und nützt der prompten Wiedergabe des gespeicherten Wissens. Der Suchabruf dagegen dient nicht dazu, bestimmte Gedächtniseinheiten hervorzuholen, sondern mehr oder weniger festgelegte Sondierungsinhalte, auf die es häufig bei kreativeren Leistungen ankommt. Der Suchabruf spricht nicht punktuell auf Erwartungen an. Bei ihm erfolgt der Abruf systemisch, das heißt sowohl komplex zusammenhängend wie zielgerecht nach vorgegebenen Strukturen, die für den Einzelfall eines erinnerten Faktums individuell bestimmt sind.

Der verlangsamte Abruf nutzt den vielfltigen Abruf von mehreren Suchgegenständen, um die Abschöpfquote des Gedächtnisses zu erhöhen. Bei schwierigen Prüfungsaufgaben nützen solche Verzögerungen, um ein breites Wissen hervorzuholen. Der produktive Abruf erweitert den verlangsamten durch die Einbeziehung verwandter Themen. Selbst knappe Stichwörter können so einen massierten Abruf auslösen. In guten Prüfungen erlebt sich der Prüfling als Wissender, weil der produktive Abruf zu neuen Erkenntnissen führen kann. Eine solche anregende (statt der gewöhnlich ängstigenden) Prüfungssituation ist ein Beispiel für die oft unterschätzte Gedächtnispflege. Eine gesteigerte Gedächtnisarbeit verbindet Inhalte und verknüpft sie zu höheren Einheiten, deren Zusammenhang uns vorher noch nicht aufgegangen war. Das Gedächtnis erweist sich hier als eine höhere Verarbeitungsstufe und nicht nur als passiver Besitz an Wissen und Erfahrung aus vergangenen Zeiten.



Das Entfallen und Vergessen

In der griechischen Mythologie trinken die Seelen der Verstorbenen aus dem Fluss Lethe der Unterwelt das Vergessen. Nach dieser Vorstellung können verlorene Erinnerungen so bedrückend sein, dass das Vergessen dieses Verlustes seelisch entlastet. Das Vergessen bewegt sich daher zwischen den Polen des positiven und negativen Gedächtnisverlusts. Die verschiedenen Prozesse des Vergessens erklären, wieso wir eine bestimmte Information aus dem Gedächtnis verlieren können.

Wenn man Erinnerungen lange Zeit nicht abruft, verkümmern sie wie ein ungebrauchter Muskel. Sigmund Freud nannte dieses Verschwinden Usur, analog zur Bezeichnung für Knochen- oder Knorpelschwund. Um zu verhindern, dass Erinnerungen durch Verzicht auf das Zurückschauen verkümmern, müssen sie immer wieder aufgefrischt werden. Bei den meisten Erinnerungen geschieht das nicht; sie werden dünner, besitzen weniger Einzelheiten und rücken in die Ferne, bis sie schließlich ganz dem Gedächtnis entfallen. Diesem spontanen Verfall unterliegen grundsätzlich alle Erlebnisse. Bei den unvergesslichen Erlebnissen verhindern ihre oft bis zur Gegenwart reichenden Konsequenzen den Spontanverfall. Er bleibt aus, wenn die Bedingungen für das Erinnern erfüllt sind, von denen die vier wichtigsten hier noch einmal zusammengefasst sind: Priming (sensorisches Wiedererkennen), prozeduales Gedächtnis (Automatisierung von Handlungen, Bewegungen und Reaktionsfolgen), episodisches Gedächtnis (bezogen auf Ereignisse mit starkem emotionalen Gehalt) und enzyklopädisches Wissen (Fakten, die sich gegenseitig zu einem Wissenssystem ergänzen).

Formen des Vergessens

Eine ganz andere Form des Vergessens ist die Falscherinnerung. Anstelle der tatschlich vergessenen Erinnerung schiebt sich ein Ersatz, der den ursprnglich eingespeicherten Erlebnissen bestenfalls ähnlich sieht. Ein Ereignis, zum Beispiel eine Auseinandersetzung mit jemanden, kann so auf eine andere Person projiziert werden. Ein anderes Beispiel ist die Lese-Rechtschreib-Schwäche (Legasthenie), bei der eine Reihe von Fehlern durch falsches Erinnern entstehen und so die Schreibfähigkeit behindern. Wir können auch etwas vergessen, weil wir zu sehr mit einer anderen Sache beschäftigt sind. Man nennt diesen Vorgang aktive Hemmung und unterteilt ihn in drei Unterformen: Lernt man zum Beispiel eine Liste von Wörtern und soll sie am nächsten Tag wiedergeben, können sich früher erworbene Lerninhalte ungünstig auf die Gedächtnisleistung auswirken (proaktive Hemmung). Auch unmittelbar vor dem Gedächtnistest Gelerntes kann die Wiedergabe der ursprünglichen Wortliste beeinträchtigen (retroaktive Hemmung). ähnlich kann die Übertragung von in einer Aufgabe erworbenen Fähigkeiten oder Lerninhalten auf eine andere Aufgabe deren Erledigung behindern. Bei Unfällen, in Paniksituationen und bei ähnlichen ungewöhnlichen Ereignissen können Gedächtnisinhalte verloren gehen. Je konzentrierter man bei einer Sache ist, desto nebensächlicher und vergessenswürdiger wird anderes. Dadurch kann der Hochkonzentrierte, wie der sprichwörtliche vergessliche Professor, leicht konfus wirken. In seiner Verwirrung kann er seine Brille suchen, die er sich nur auf die Stirn geschoben hat.

Wir können Dinge auch vergessen, indem wir versuchen, das Gedächtnis bewusst auszuschalten. Eine öffentliche Blamage, einen Misserfolg oder ein peinliches Verhalten, besonders eine unterlassene Hilfeleistung verriegeln wir im Gedächtnis so fest, als ob wir den Schlüssel zu seinem Zugang verloren hätten. Wahrscheinlich besitzt jeder Mensch ein solches Un-Gedächtnis, eine Reihe verborgene Erinnerungen, die man absichtlich für den Rückruf sperrt. Die Psychoanalyse fasst unter dem Begriff Verdrängung eine Reihe von Abwehrmechanismen zusammen, die sich gegen uneingestandene Schuldgefühle wenden. Zu ihnen gehören vor allem die Projektion, die eigene unbewusste Regungen anderen zur Last legt, die Regression als Rückfall in kindliche Verhaltensformen, die Sublimierung als Umorientierung unterdrückter Regungen auf kulturell anerkannte Objekte oder die Ersatzbildung, die anstelle der unerwünschten Erinnerung eine genehmere setzt.

Vorgänge des Vergessens können schließlich auch durch äußere, körperliche Einflüsse ausgelöst werden. So können Boxer, die schwere Schläge an den Kopf einstecken mussten, Hirnschäden davontragen. Gedächtnisausflle (Blackouts) treten zunächst verdeckt auf, einzelne Ereignisse können nicht mehr erinnert werden und der vom Gedächtnis abhängige Sprachschatz schrumpft. Bei traumatischen seelischen oder körperlichen Erschütterungen gibt es Ausfälle von Gedächtnisinhalten, die eher den jüngeren Zeitraum betreffen, wogegen intensive, besonders erfreuliche Erlebnisse aus der guten alten Zeit erhalten bleiben.

Außer diesen Formen von Gedächtniseinbußen gibt es Abweichungen vom Normalgedächtnis, beispielsweise das unsichere Traumgedächtnis, die pathologische Konfabulation, bei der Erinnerungslücken mit den erstbesten Einfällen ausgefüllt werden oder die Gedächtnisblockade bei Trunkenheit, auch als Filmriss bekannt. Sie alle zeigen, wie komplex das Gedächtnis organisiert ist.



Erkrankungen des Gedächtnisses

Im Unterschied zu den Gedächtnisstörungen sind Gedächtniserkrankungen unumkehrbare, chronische Prozesse, bei denen die Erinnerungsfähigkeit zunehmend geschädigt wird. Es gibt drei wichtige Gruppen: das Korsakoff-Syndrom, die Amnesien und die Demenzen.

Bei Patienten mit dem Korsakoff-Syndrom (benannt nach dem Moskauer Psychiater Sergej Korsakoff) bleibt zwar die Intelligenz erhalten, ihre Merkfähigkeit ist jedoch herabgesetzt und der Persönlichkeitshorizont ist verengt, was zu Interesselosigkeit und Konzentrationsschwäche führt. Korsakoff beschrieb einen Patienten: Anfangs im Gespräch ist das Vorhandensein einer Geistesstörung beim Kranken schwer zu bemerken: Er macht den Eindruck eines Menschen, welcher seiner Geisteskräfte vollständig Herr ist. Er spricht mit voller Überlegung, zieht aus den gegebenen Prämissen die richtigen Schlüsse, spielt Schach, kurz - er benimmt sich wie ein geistig gesunder Mensch. Nur nach längerer Unterhaltung kann man bemerken, dass der Kranke von Zeit zu Zeit die Begebenheiten durcheinander mengt, nichts von dem, was um ihn herum vorgeht, im Gedächtnis behält: Er erinnert sich nicht, ob er gespeist hat, ob er aus dem Bett aufgestanden ist. Manchmal vergisst der Kranke sofort wieder, was mit ihm geschehen ist. Derartige Kranke können mitunter stundenlang ein und dieselbe Seite lesen, weil sie das Gelesene absolut nicht im Gedächtnis behalten. Sie können 20-mal der Reihe nach ein und dieselben Dinge reden, ohne sich auch nur im Mindesten der beständigen Wiederholung ihrer stereotypen Reden bewusst zu sein. An die Personen, mit denen der Kranke ausschließlich zur Zeit der Krankheit in Berührung kam, zum Beispiel der behandelnde Arzt, der Wörter, kann er sich oft nicht erinnern, wiewohl er sie beständig sieht; und jedes Mal, wenn er sie erblickt, versichert er, sie zum ersten Mal zu sehen.

Neben dem Korsakoff-Syndrom gibt es einige Gedächtniserkrankungen, die durch Hirnschläge, Gewebewucherungen und entzündliche Prozesse entstehen. Betroffen ist in der Regel das Großhirn. Am auffälligsten unter ihnen sind die retrograden und anterograden Amnesien mit einer zeitlich begrenzten Erinnerungsunfähigkeit. Bei einer retrograden Amnesie liegen die Gedächtnisverluste vor der körperlichen oder seelischen Schädigung (Trauma). Bei anterograden Amnesien betreffen die Gedächtnisstörungen Ereignisse nach dem Trauma. Zur Gruppe der Amnesien gehört auch die Fugue genannte Flucht mit Gedächtnisverlust. Beschrieben wurde der Fall eines ungefähr 25-jährigen Mannes, der durch die Polizei ins Krankenhaus gebracht wurde, nachdem er offenbar ziellos durch London geirrt war. Alles, woran er sich erinnern konnte, war vor seinem Polizeigewahrsam ein lateinischer Spruch und ein sehr ernst dreinschauender Mann mit Schnauzbart. Er konnte aber nicht angeben, wo er aufgewachsen war, noch sonst irgendetwas bis zum Zeitpunkt, als er aufgegriffen wurde. Durch fortwährendes Überreden und Beschwichtigen gelang es, Ansätze von Erinnerungen herauszuholen, wie er nach London gekommen war. Nach einigen Tagen tauchte plötzlich alles wieder in seinem Gedächtnis auf, was vorher vergessen war. Es zeigte sich, dass er aus einer anderen Stadt stammte, dass er mit seinem Vater im Streit lag, und dass er kurz vor der Fahrt seine Verlobte besucht hatte. Ursprünglich wollte er mit dem Zug fahren, hatte aber im Bahnhof gemerkt, dass er nicht genügend Geld dabei hatte. Er fühlte sich plötzlich verwirrt, konnte nicht mehr klar denken und nicht einmal mehr seinen Namen nennen. Es folgte der Gedächtnisverlust, der Fugue. Der streng aussehende Mann war sein Vater und der lateinische Spruch war der seiner Heimatuniversität. Der Mann konnte nach einigen Tagen der Entspannung als geheilt entlassen werden.

Die dritte große Gruppe der Gedächtniskrankheiten sind die Demenzen. Hier handelt es sich um großflchige Hirnschäden mit einem Verlust an geistigen Leistungen. Am dramatischsten tritt der Abbau der bisher gefestigten Persönlichkeit mit massiven Zerstörungen des Gedächtnisses bei der Alzheimer-Krankheit auf. Die Tabelle beschreibt den bisher kaum beeinflussbaren Krankheitsverlauf.

Weitere Demenzformen sind die Pick-Krankheit, mit einem ähnlichen, jedoch früheren und flacheren Verlauf als die Alzheimer-Krankheit, die multiple Sklerose, eine herdförmige Nervenerkrankung mit Störungen des Gedächtnisses und der Motorik, die Encephalien, vielförmige Gedächtnisverwirrungen, die oft durch Viren hervorgerufen werden und das Down-Syndrom (früher Mongolismus genannt), das aufgrund einer dritten Kopie des Chromosoms 21 unter anderem zu geringer Gedächtnis- und Konzentrationsleistung führt. Gedächtnisabbau tritt auch bei anderen Erkrankungen wie Aids auf.


___________________

Old Post Jan-09-2003 18:43 
Click Here to See the Profile for Tiesto Click here to Send Tiesto a Private Message Add Tiesto to your buddy list Report this Post Reply w/Quote Edit/Delete Message
jp
Retired tranceaddict



Registered: Apr 2001
Location: Holland

Warum sind Bananen so gesund?

Bananen sind gesund, schmecken gut und stehen auf der Obsthitliste der meisten Deutschen ganz oben. 12 Kilo verspeist jeder Bundesbürger und damit mehr als jeder andere Europäer.

Bundeskanzler Konrad Adenauer aß Bananen sicher besonders gerne. Sonst hätte er sich nicht so stark gemacht für den billigen Import der krummen Früchte. Zitrusfrüchte waren teuer, aber Bananen gab es in den 60er Jahren im westlichen Deutschland schon zu erschwinglichen Preisen. Dabei begann die Karriere der Früche zerkleinert als Beigabe zum Babybrei.

Aus der Kleinkindernahrung ist der Energiespender für Spitzensportler geworden. Schon eine einzige Banane liefert ein Sechstel des Tagesbedarfs an Magnesium. Dieser Mineralstoff ist wichtig, um beim Sport Muskelkrämpfen vorzubeugen. Mit dem Schweiß geht viel Magnesium verloren, aber auch Kalium. Der Mineralstoff Kalium ist nicht nur wichtig für die Muskeln, sondern auch fürs Herz. Es gibt also mehrere Gründe für Freizeit- und Leistungssportler Bananen zu essen.

Unter der dicken, gelben Schale sitzen außerdem eine Menge verschiedener Zuckerarten: Traubenzucker, der schnell ins Blut geht und das Gehirn belebt. Außerdem enthalten Bananen Serotonin. Serotonin ist ein Botenstoff im Gehirn, der die Stimmung verbessern kann.

Bananen sind auch gute Ballaststofflieferanten. Sie enthalten die so genannten Pektine. Die quellen im Darm auf, binden Schadstoffe und sorgen für eine gute Verdauung. Mit 90 Kilokalorien pro 100 Gramm liefern die tropische Früchte zwar mehr Energie als Äpfel oder Birnen. Eine Banane am Vormittag gegessen, macht satt und hält bis zum Mittagessen vor.

Bananen schmecken am besten, wenn sie richtig reif sind, das heißt, wenn sie lange genug in den sogenannten Bananenreifereien gelagert wurden. Denn egal ob von den kanarischen Inseln oder aus Lateinamerika: Sie werden nie goldgelb, sondern grasgrün geerntet, per Schiff nach Deutschland transportiert und dann in einer der 140 Bananenreifereien bei plus 18 Grad auf die richtige Süße gebracht. Grüne Bananen reifen gut nach, am besten im Obstkorb zusammen mit Äpfeln. Denn die Äpfel geben das Gas Äthylen ab, das macht die Früchte reif.

Bei all den Vorzügen - einen Nachteil haben Bananen im Vergleich zu vielen einheimischen Äpfeln oder Birnen: Auf den Schalen sitzen häufig Schadstoffe. Denn in den Bananenplantagen wird eine Menge Gift versprüht, um bei dem feucht-warmen Klima Pilzkrankheiten vorzubeugen und Insekten fernzuhalten. Wenn auch die dicke Schale das Innere der Frucht schützt - den Giften sind die Plantagenarbeiter ausgesetzt, die täglich damit umgehen müssen.

Old Post Jan-09-2003 18:51  Netherlands
Click Here to See the Profile for jp Click here to Send jp a Private Message Add jp to your buddy list Report this Post Reply w/Quote Edit/Delete Message
TranceGiant
randomly disappoints



Registered: Jun 2001
Location: (Strudel)-City that never sleeps

Hmm....





Interessant! !!


___________________
"Those are my principles, if you don't like them... well, I have others.”

Old Post Jan-09-2003 18:52  United States
Click Here to See the Profile for TranceGiant Click here to Send TranceGiant a Private Message Visit TranceGiant's homepage! Add TranceGiant to your buddy list Report this Post Reply w/Quote Edit/Delete Message
Tiesto
Supreme tranceaddict



Registered: Apr 2001
Location: Nrw, Germany

Der vorliegende Aufsatz folgt einem Vortrag, den ich an einem für mich (wie wohl auch für die Leserschaft) recht exotischen Ort hielt, nämlich an der Schule für Verfassungsschutz. Ich will kurz erzählen, wie es dazu kam:

Im März oder April 2001 klingelte morgens das Telefon. Als ich den Hörer abhob, meldete sich auf der anderen Seite eine sonore Stimme, die das Gespräch auf eigentümliche Weise eröffnete: „Bitte erschrecken Sie nicht, hier ist der Verfassungsschutz!“ „Aha!“, sagte ich. Im ersten Moment dachte ich natürlich, dass es sich um einen Scherz handelte, aber das sollte sich als Irrtum erweisen. Mein Gesprächspartner führte aus, dass sich die Schule für Verfassungsschutz, an dem die Verfassungsschützer des Landes ihre Ausbildung absolvieren, dem lange vernachlässigtem Thema „Musik und Politik“ widmen wolle. Man habe festgestellt, dass Musik vor allem innerhalb der rechten Szene große Bedeutung habe. Um nicht nur im eigenen Saft zu schmoren, wolle man das Experiment wagen, Experten „von außen“ zu einem entsprechenden Weiterbildungsseminar einzuladen. Auf der Suche nach geeigneten Referenten sei man auf mich gestoßen. Ob ich, der ich ja vor allem in freigeistigen Kreisen wirke, interessiert sei, meine Ansichten vor Verfassungsschützern vorzutragen?

Ich überlegte nicht lange und sagte spontan zu – nicht wegen des verabredeten Honorars, das sich in durchaus überschaubaren Grenzen hielt, sondern weil es mich reizte, eine Institution näher kennen zu lernen, die ich als libertär denkender „Linker“ verständlicherweise mit Skepsis verfolgte und von der ich annehmen konnte, dass sie auch mich in der Vergangenheit wohl eher kritisch beäugt hatte.

Zugegeben, das vorgegebene Vortragsthema klang recht abstrakt und hölzern: „Musik als Transportmittel für Ideologien sowie als Auslöser (extrem) politischer Kommunikation, Agitation und Rekrutierung von Außenstehenden“. Aber das Thema hatte es in sich: Innerhalb von vier Stunden sollte ich das Verhältnis von Musik und Politik in allgemeiner Form darstellen, die Bedeutung der Musik für jugendliche Subkulturen umreißen und mögliche Reaktionsweisen des Staates skizzieren. Nachdem ich das Referat konzipiert und die entsprechenden Musik- und Videobeispiele ausgesucht hatte, beschlich mich die leise Befürchtung, dass der Vortrag möglicherweise in einem Eklat enden könnte.

Zu meiner Verwunderung jedoch entwickelte sich die Veranstaltung anders, als ich es erwartet hatte. Die Verfassungsschützer stimmten mit meinen Ausführungen größtenteils überein und es entwickelte sich eine freundliche, offene und durchaus fruchtbare Diskussion. Von Eklat konnte keine Rede sein. Im Gegenteil: Die Reaktionen waren so positiv, dass ich ein zweites und ein drittes Mal zum gleichen Thema eingeladen wurde.

Es ist – wie ich finde – eine höchst amüsante Angelegenheit, dass dieser Vortrag, der ursprünglich für ein Organ des Verfassungsschutzes konzipiert wurde, nun in einem anarchistischen Verlag erscheint. (Das so etwas überhaupt möglich ist, sollte uns verdeutlichen, dass die Welt doch ein wenig komplexer und facettenreicher ist, als sich das Schwarz-Weiß-Fanatiker und Verschwörungstheoretiker rechter wie linker Couleur ausmalen können.)

Für den Abdruck wurde der Vortrag formell leicht überarbeitet (die direkte Anrede wurde gestrichen und leider können hier auch die verschiedenen Hör- und Videobeispiele nicht wiedergegeben werden), ansonsten aber stimmt der Aufsatz mit dem Vortrag bei den Verfassungsschützern überein. So kann der kritische Leser/die kritische Leserin all die Argumente nachvollziehen, die in der Schule für Verfassungsschutz zu Gehör gebracht und in gewisser Weise auch goutiert wurden.

Zum Aufbau des Textes: Der Aufsatz ist in vier Teile untergliedert. Der erste Teil (Platon, Goebbels und der Große Diktator: Über das Verhältnis von Musik und Politik) geht den Zusammenhang von Musik und Politik in einer sehr allgemeinen Form an und stellt dabei vor allem die „Tiefenpolitische Dimension“ der Musik in den Vordergrund. Teil 2 (Kann Musik die Welt verändern? Die Musik der alten und neuen Linken) veranschaulicht dieses Konzept am Beispiel der sogenannten „linken“ Musik und verdeutlicht die nivellierende Macht des Marktes, die so manchem subversiven Musiker zum Verhängnis wurde. Im dritten Teil (Sag mir, was du hörst und ich sage dir, wer du bist: Musik als Bindemittel jugendlicher Subkulturen) wird untersucht, welche Rolle die Musik in jugendlichen Subkulturen spielt, wobei vor allem die Unterschiede zwischen der linksautonomen und der Skinhead-Szene berücksichtigt werden. Im vierten, abschließenden Teil (Musik, Politik, Verfassungsschutz: Zensur in der offenen Gesellschaft?) wird auf der Basis der vorangegangenen Argumentation dargelegt, wie sich der Staat heute dem Problem der musikalischen Agitation stellen sollte.



1.Teil
Platon, Goebbels und der Große Diktator:
Was hat Musik mit Politik zu tun?


Musik und Politik - eine historische Skizze

Die Geschichte der Musik ist - auch wenn dies lange übersehen wurde - eine politische Geschichte. Herrscher aller Zeiten haben sich der Musik bedient, haben gefällige Komponisten und Musikstile gefördert, ungefällige zensiert. Gebildete Herrscher beriefen sich dabei gerne auf den alten Platon, der in seinem berühmten Werk „res publica“, zu deutsch: „der Staat“, folgenden Dialog niederschrieb:


„Vor Neuerungen der Musik muss man sich in Acht nehmen; denn dadurch kommt alles in Gefahr [...] Nirgends wird an den Gesetzen der Musik gerüttelt, ohne dass auch die höchsten Gesetze des Staates ins Wanken geraten. [...] Dort müssen also die Wächter ihr Wachhaus bauen: in die Nähe der Musik. - Ja, Gesetzlosigkeit dringt leicht in die Musik ein, ohne dass man es gewahr wird. - Freilich, sie scheint dort bloß Spiel zu sein und ohne üble Wirkung zu bleiben. - Sie hat ja auch keine andere Wirkung [...] als dass sie sich allmählich festsetzt und heimlich auf den Charakter und die Fähigkeit überträgt, dann weiter und offener um sich greift und das bürgerliche Leben vergiftet, dann mit großer Frechheit die Gesetze und die Verfassung angreift, bis sie schließlich alles zerstört, das ganze Leben des einzelnen sowohl wie der Gesamtheit.“(1)


Für Platon und seine Nachfolger hatte Musik eine wichtige Funktion innerhalb des Gemeinwesens: Sie diente der Etablierung bzw. der Festigung der Sittlichkeit, also erwünschter staatsbürgerlicher Tugenden. Gleichzeitig stellte sie aber auch eine große Gefahr dar, die es zu kontrollieren, reglementieren galt. Nicht erst die großen Diktaturen des letzten Jahrhunderts betrachteten das musikalische Geschehen daher mit Argusaugen. Die Unterscheidung von artiger und entarteter Kunst erfreute sich bereits einige Jahrhunderte vor dem Nationalsozialismus eifriger Beliebtheit. Man denke nur an die Kirchenkonzile, die festgelegten, auf welche Weise man Gott und die Kirche tönend zu preisen habe (2).


Zweifellos aber wurde Platons Ratschlag, das Wachhaus der staatlichen Wächter in der Nähe der Musik zu erbauen, niemals so offensichtlich verfolgt wie in den kommunistischen und faschistischen Regimen des 20. Jahrhunderts. Im „real existierenden Sozialismus“ avancierte der sogenannte „sozialistische Realismus“ zur unbedingten ästhetischen Doktrin. Komponisten, die sich diesen Maßgaben nicht anpassten, wurden als „Verräter der Revolution“, als „bürgerliche Revisionisten“ diskreditiert. (3) Als besonders wichtig galt, musikalische Intellektualismen zu vermeiden. Stalin wollte - wie jeder Diktator - eine einfache, eingängige, dem vermeintlich „gesunden Volksempfinden“ entsprechende Musik.


Was Stalin und seinen Funktionären recht war, war Hitler nur billig. Auch im deutschen Reich wurde musikalischer Intellektualismus gerügt und Volksmusik zur Basis des musikalischen Schaffens erkoren. Wahre Musik sei immer im Volkstum verwurzelt, wusste Propagandaminister Goebbels zu berichten. (4) Am deutschen Wesen - auch am musikalischen - sollte die Welt genesen.


Hunderte von Kompositionen waren dem Führer gewidmet. Ähnlich verhielt es sich im real existierenden Sozialismus. Selbst etablierte, international geachtete Komponisten erlagen der Versuchung, dem jeweiligen Regime zu dienen. Die markantesten Beispiele in Nazideutschland waren Werner Egk und Richard Strauss. In der DDR konnten sich Eisler und Dessau manch peinliche Regimehuldigungskantate nicht verkneifen. Paul Dessau ließ sich sogar zu der Plattitüde hinreißen, in seine Komposition „An die Mütter und an die Lehrer“ die Kürzel der Partei, die immer Recht hatte, melodisch (durch die Tonfolge ES-E-D) einzuarbeiten.


Werfen wir aber nun einen Blick auf den Zusammenhang von Musik und Politik in der Bundesrepublik Deutschland. Auch hier wurde - vor allem in den vierziger bis sechziger Jahren - die musikalische Entwicklung argwöhnisch beobachtet und - insbesondere in den christlichen Volksparteien - die Bedeutung einer gesunden, im Volkstum verwurzelten Musik in den Vordergrund gerückt. So verkündete der ehemalige Bundespräsident Dr. h.c. Heinrich Lübke 1962 anlässlich der Jahrhundertfeier des Deutschen Sängerbundes: „Keine Musikkultur wird auf Dauer gesund bleiben, wenn sie nicht aus den ursprünglichen Quellen des Volkstums gespeist wird.“ (5) Was Lübke damit meinte, verrät eine weitere Passage seiner Rede: „Es scheint mir bezeichnend für die innere Verfassung unseres Volkes zu sein, dass es bei uns noch nicht wieder zu einem neuen vaterländischen Singen gekommen ist.“(6)


Die verräterische Sequenz dieser Aussage - hierauf hat bereits Fred Prieberg in seinem ausgezeichneten Buch „Musik und Macht“ hingewiesen - lautet „noch nicht wieder“. Drückt sich hier nicht das Bedauern aus, dass die naiv vaterländische, nationalsozialistische Musikkultur nach dem Ende des Krieges zerstört wurde? Dies ist kaum von der Hand zu weisen. Zudem sollten wir nicht vergessen: Auf zünftigen Wahlkampfveranstaltungen ertönt noch immer die gleiche volkstümelnde Blasmusik, die dereinst Nazischergen in Bierlaune versetzte. Im vom Bundesverteidigungsministerium herausgegebenen Liederbuch der Bundeswehr „Hell klingen unsere Lieder“ wurden bis in die sechziger Jahre hinein NS-Kriegslieder abgedruckt. Und wie groß ist auch heute noch die konservative Klage über den vermeintlich verderblichen Einfluss von Pop- und Rockmusik auf die Jugendlichen. Der (anthroposophisch geprägte) Musikwissenschaftler Prof. Dr. Friedrich Oberkogler z.B. sieht im Aufkommen der Pop-Musik gar ein sicheres Anzeichen für den bevorstehenden Untergang der Menschheit. Ich zitiere aus seiner Schrift „Pop-Musik. Faszination der Jugend“: „Seien wir uns an dieser Jahrtausendwende bewußt: die apokalyptischen Tiere haben sich aus dem Abgrund erhoben und beginnen ihre Herrschaft auszubauen, um Menschheit und Erde aus der Bahn ihrer wesenseigenen Entwicklung zu werfen. [...] Die Pop-Musik ist für diese Mächte eine Waffe, die in der Seelensphäre dem physischen Zerstörungswerk der Wasserstoffbombe in nichts nachsteht. [...] Nicht nur die ‘Höhen’, auch der Abgrund hat seine Musik. Der ‘Underground’ des Pop ist in seiner Namensgebung symbolträchtiger, als er selbst es ahnt.“ (7)


Zweifellos aber ist solche Rede in unseren Zeiten selten geworden. Die postmodern-pluralistische Kultur des Spätkapitalismus verlangt eine grandiose Vielfalt nicht nur der Goudasorten, sondern auch der Musikarten. Pop-Musik ist etabliert. Sie stellt keine Bedrohung mehr da. Warum auch? Sie gehorcht in der Regel sklavisch den Gesetzen des Marktes, die immer mehr auch unser politisches System bestimmen. Insofern ist das politische System gegenüber musikalischen Innovationen aufgeschlossen wie noch nie zuvor. Neue Musikstile - hier unterscheiden wir uns von Platon - werden das gegenwärtige Polit-System der Vermarktung kaum erschüttern. Im Gegenteil. Sie sind höchst willkommene Phänomene, versprechen sie doch stete Umsatzsteigerung in der Musikindustrie.


Freilich: Die These eines Zusammenhangs von Musik und Politik wird dadurch nicht in Frage gestellt. Allein eine Musik, die das gängige Marktprinzip in Frage stellen würde, könnte dem gegenwärtigen System gefährlich werden. Doch um überhaupt gehört zu werden, müsste solch marktkritische Musik selbst erst einmal vermarktet werden. Ein Paradoxon, an dem so mancher subversiv denkende Musiker verzweifelte.



Der große Diktator und die tiefenpolitische Dimension der Musik

Bisher habe ich ausgeführt, dass Musik stets in einem politischen Kontext produziert, rezipiert und von Herrschern kontrolliert wurde und wird. Nicht gefragt wurde bislang nach dem eigentlichen Kern, dem Wesen der Musik. Hat Musik wirklich politische Dimensionen, wie Platon behauptete? Wenn ja: Was macht dann das Politische in der Musik aus? Konkret: War bzw. ist z.B. Wagners Musik wirklich reaktionär, wie oft behauptet wird? Sind Beethovens Sinfonien wirklich „Oden an die Freiheit“ und wenn ja: Warum krönten die Nationalsozialisten ihre Propagandaveranstaltungen ausgerechnet mit Beethovens Neunter?


Brennende Fragen, auf die ich erstmals eine befriedigende Antwort fand, als ich mir den Chaplin-Film „Der große Diktator“ unter dieser Perspektive ansah, denn in diesem Film demonstriert Chaplin – wie ich meine - in virtuoser Weise die politische Mehr- und Eindeutigkeit der Musik.


Ich gehe davon aus, dass die meisten Leser die wohl berühmteste Szene des Films kennen werden, nämlich die Szene, in der Chaplin symbolisch die Welteroberungsphantasien des Diktators Anton Hynkel darstellt. Zu den sphärischen Klängen aus Wagners Lohengrin-Vorspiel tanzt Hynkel mit dem Globus, bis dieser am Ende zerplatzt. Wagners Musik illustriert hier auf eindrucksvolle Weise die faschistischen Allmachtsphantasien des Diktators.


Nun spielt Chaplin in seiner Hitler-Parodie bekanntlich nicht nur den Diktator Anton Hynkel, sondern auch einen kleinen, bescheidenen Friseur aus dem jüdischen Ghetto. Nachdem der Friseur aus dem Konzentrationslager geflüchtet ist, kommt es aufgrund der äußerlichen Ähnlichkeit der beiden Figuren zu einer verhängnisvollen Verwechslung: Der Diktator landet im Lager, während sich der Friseur am Rednerpult wiederfindet. Die braunen Massen erwarten den Marschbefehl, doch der als Hynkel verkleidete Friseur will niemanden erobern, ausbeuten, ermorden. Stattdessen hält er eine fulminante Rede über Demokratie, Freiheit, Gleichberechtigung, er ruft rührend wie pathetisch zum Aufbau einer besseren, gerechteren Welt auf.


Auch an dieser Stelle verwendet Chaplin Wagners Lohengrin-Vorspiel. Wie kann das sein?, fragen wir uns. Ist Musik tatsächlich so beliebig, dass sie sowohl faschistische Allmachtsphantasien als auch flammende Aufrufe zu Demokratie illustrieren kann? Es scheint so.


Allerdings darf man nicht übersehen, dass hinter der offensichtlichen Gegensätzlichkeit doch eine große Gemeinsamkeit steckt: Hynkels Eroberungsphantasien und die flammende humanistische Rede des Friseurs haben eine ähnliche tiefenpolitische Struktur. Beide sind Ausdruck des sehnsüchtigen Verlangens nach Überwindung der als defizitär empfundenen Wirklichkeit. Beide wollen radikale Veränderung, streben nach „Erlösung“, wollen die Grenzen der gegenwärtigen Situation utopisch überschreiten. Allein deshalb eignet sich Wagners Musik in beiden Fällen. Mit Mozarts „Kleiner Nachtmusik“ oder Dieter Bohlens „You’re my heart, you’re my soul“ hätte Chaplin die beiden Szenen sicherlich nicht untermalen können.


Das heißt: Musik kann tiefenpolitisch eindeutig, realpolitisch hingegen vieldeutig sein. Erst in Kombination mit Wort und/oder Bild lässt sich die politische Tiefenstruktur der Musik in ein realpolitisches Gewand pressen. Dies ist der Grund dafür, dass die Musik der politischen Rechten und der politischen Linken oftmals austauschbar waren und sind. Bei aller oberflächlichen Unterschiedlichkeit ihrer Programme basierten sie doch auf einer ähnlichen Tiefenstruktur, auf einer ganz bestimmten affektiven Positionierung hin zur Welt.



Erstes Fazit

Ich habe bisher versucht darzulegen, dass Musik weit mehr ist als bloße „Organisation von Klangmustern in Raum und Zeit“. Musik ist niemals reine Form. Sie ist stets Ausdruck existentieller tiefenpolitischer Inhalte, die alles andere als beliebig sind.


Die Frage ist nun: Hatte Platon recht? Ist Musik politisch und kann sie tatsächlich die Welt verändern? In gewissem Sinne muss man diese Frage wohl mit „ja“ beantworten. Musik verändert die Welt, indem sie unser Verhältnis zur Welt verändert. Und sie macht dies auf eine geheimnisvolle, sprachlich kaum fassbare, eine die Tiefenschichten unseres Ichs beeinflussende Weise.


Allerdings - und dies scheint Platon dann doch übersehen zu haben: Eine neue Musik, die potentiell in der Lage ist, die Welt zu verändern, fällt selbst nicht vom Himmel. Vielmehr ist sie das Produkt bereits veränderter Umweltbedingungen. Insofern muss man festhalten, dass die Musik nur dann die Welt verändern kann, wenn sich die Welt anschickt, die Musik und die sie produzierenden Musiker zu verändern. Ein interessantes dialektisches Verhältnis, auf das ich im nun folgenden 2. Teil näher eingehen werde.




2. Teil
Kann Musik die Welt verändern?
Die Musik der alten und neuen Linken


Brüder zur Sonne, zur Freiheit...

Wie ich anfangs ausgeführt habe, wurde seit Platon das Verhältnis von Musik und Politik immer wieder problematisiert. Politische Herrscher verwandten viel Zeit darauf, Musik zu kontrollieren, unterstellte man doch, dass Musik unten Umständen in der Lage sei, die Verhältnisse zum Tanzen zu bringen. Eine Vorstellung, die ihnen aus verständlichen Gründen nicht behagen konnte.


Nun, wie so oft: Des einen Befürchtung, ist des anderen Hoffnung. Innerhalb der linken Widerstandsbewegung setzte man große Erwartungen in die vermeintlich revolutionäre Kraft der Musik. Dies änderte sich erst, als die ersten Funktionäre, die sich selber Linke nannten, an die Macht kamen und sogleich damit begannen, unliebsame Neuerungen in der Musik zu unterbinden. Dazu später mehr.


Konzentrieren wir uns zunächst auf die subversiven, die widerständigen Phasen linker Musikproduktion. In Deutschland erblühte in den zwanziger Jahren dank des Engagements von Dirigenten wie Hermann Scherchen, Jascha Horenstein und Karl Rankl eine starke Arbeitermusikbewegung. Musikalisch lehnten sich viele Stücke dieser Bewegung an Volksmusiktraditionen an.


Sieht man einmal von den kunstvoll-experimentellen Versuchen im Umfeld von Brecht, Weil und Eisler ab, muss man festhalten, dass sich die Musik der Linken in der damaligen Zeit wenig von der Musik der Rechten unterscheidet. Blendet man die Texte aus, kann man in vielen Fällen kaum entscheiden, ob man es mit linkem oder rechtem Musikgut zu tun hat. Zu sehr entsprechen sich die Kompositionen in Melodik, Harmonik, Rhythmik, Interpretation.(8)


Wie kann man sich die Ähnlichkeiten der musikalischen Kulturen der politisch verfeindeten Lager erklären?


In diesem Zusammenhang ist es sinnvoll, an eine sozialspychologische Untersuchung zu erinnern, die Erich Fromm Ende der Zwanziger Jahre im Auftrag des Frankfurter Instituts für Sozialforschung in Deutschland durchführte.(9) In dieser mittlerweile berühmten Untersuchung über die Charaktereigenschaften der „Arbeiter und Angestellten am Vorabend des dritten Reichs“ kamen Fromm und seine Mitarbeiter zu politisch hoch brisanten Ergebnissen. Man fand heraus, dass sich der Anhänger der Kommunistischen und Sozialdemokratischen Partei in ihren Tiefenstrukturen bzw. Charaktereigenschaften kaum von den Anhängern der NSDAP unterschieden. Autoritäre Lebensorientierungen - gerade auch im kulturellen Bereich - herrschten diesseits wie jenseits der politischen Barrieren vor. Fromm folgerte daraus, dass der Erfolg einer wahrhaft linken - das hieß für Fromm vor allem: antiautoritären - politischen Bewegung in Deutschland nahezu ausgeschlossen sei, schlimmer noch: dass bei einer möglichen Machtübernahme der Nationalsozialisten ein Großteil der Arbeiter das Hammer-und-Sichel-Emblem sorglos gegen das Hakenkreuz eintauschen würde. Eine düstere Prognose, die - wie wir heute wissen - schrecklich wahr wurde.


Für unsere Überlegungen ist die Frommsche Studie höchst aufschlussreich, denn sie hilft, die im ersten Moment überraschende tiefenpolitische Identität linker und rechter Musik zu verstehen: Wenn autoritäre Charakterorientierungen diesseits und jenseits der politischen Fronten auftraten, so ist es kein Wunder, dass dies auch die musikalischen Formen bestimmte, schließlich wurde die Musik dieser Jahre ja vornehmlich von diesem Charaktertyp konsumiert und produziert.



Marx goes Rock´n Roll

Ein wirklich entscheidender Bruch mit der autoritären Musiktradition fand erst in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts statt. Mit dem Aufkommen der antiautoritären Bewegung und ihrer Musik, der Rockmusik, entwickelte sich eine „neue Ästhetik des Widerstands“. Es entstanden neue Fronten, die interessanterweise nicht nur zwischen autoritär rechter und antiautoritär linker Musik verliefen, sondern auch zwischen der antiautoritär linken Musik des Westen und der autoritär linken Musik des Ostens. Den sozialistischen Machthabern war die neue rebellische Musik der Jugend schnell ein Dorn im Auge. Zwar glaubte man zunächst, gegen die Beatwelle nicht wirklich einschreiten zu müssen. (In einem entsprechenden Dokument aus den frühen sechziger Jahren heißt es sogar scheinbar liberal: „Wir betrachten den Tanz als einen legitimen Ausdruck von Lebensfreude und Lebenslust. [...] Niemandem fällt ein, der Jugend vorzuschreiben, sie solle ihre Gefühle und Stimmungen beim Tanz nur im Walzer- oder Tangorhythmus ausdrücken. Welchen Takt die Jugend wählt, ist ihr überlassen: Hauptsache, sie bleibt taktvoll!“(10))


Bald aber wendete sich das Blatt. Nur kurze Zeit später erklärte der Genosse Erich Honecker, „daß es im Zentralrat der Freien Deutschen Jugend eine fehlerhafte Beurteilung der Beat-Musik gab. Sie wurde als musikalischer Ausdruck des Zeitalters der technischen Revolution 'entdeckt'. Dabei wurde übersehen, daß der Gegner diese Art Musik ausnutzt, um durch die Übersteigerung der Beat-Rhythmen Jugendliche zu Exzessen aufzuputschen. Der schädliche Einfluß solcher Musik auf das Denken und Handeln Jugendlicher wurde grob unterschätzt.“(11)


Konsequenz dieser Neubesinnung: Die Partei versuchte nun mit allen Mitteln, die entsprechenden Kommunikationskanäle zu schließen und die DDR-Jugendlichen vor dem Eindringen des gemeinen Rockvirus zu beschützen. Ein Versuch, der - wie wir wissen - gründlich mißlang. Als man in der Staatsführung merkte, dass der Konsum westlicher Rock- und Beatmusik auch durch Boykott und Einfuhrverbote nicht zu verhindern war, versuchte man es mit einer neuen Strategie. Staatlich ausgebildete Musikerkollektive erhielten den Auftrag, sich um den Aufbau einer „neuen schmissigen Jugendtanzmusik“ zu bemühen. Freilich: Meist (Ausnahmen bestätigen die Regel!) handelte es sich dabei nur um fade Kopien westlicher Rockmusik, die niemandem wehtaten, aber gerade dadurch auch niemanden so richtig mitrissen.

Wie anders verlief damals die Entwicklung im Westen. Die neu aufkommende Pop- und Rockmusik schrieb einen fulminanten Soundtrack zu den großen Studentenunruhen der Sechziger Jahre. Pop-Poeten und umherschweifende Haschischrebellen gaben den ehemals arg steifen politischen Diskursen der Linken eine völlig neue Note. Es formierte sich eine neue, antiautoritäre, hedonistische Linke, eine Linke, die mit dem bitteren Ernst kommunistischer Parteiprogramme nichts mehr anzufangen wusste.(12)


Selbst ein ansonsten eher unpolitischer Kopf wie Mick Jagger ließ sich damals zu politischen Statements hinreißen. Er trat an die Öffentlichkeit mit markanten Sprüchen, wie dem berühmten Satz, dass das Problem mit John Lennon sei, dass dieser nie Marx gelesen habe. (13) Außerdem schuf er gemeinsam mit Keith Richards zahlreiche Songs, die den aufrührerischen Geist der späten Sechziger adäquat ihn Töne umsetzten. Ein hervorragendes Beispiel hierfür ist der Song „Street fighting man“ von 1968:



Überall höre ich den Klang marschierender Schritte, Junge
Denn der Sommer ist hier und die Zeit ist da, um in der Straße zu kämpfen, Junge
Aber was kann ein armer Junge tun, außer in einer Rock´n Roll Band zu singen?
Denn im verschlafenen London gibt es keinen Platz für einen Straßenkämpfer! Nein!
Hey, ich denke, die Zeit ist gekommen für eine Palastrevolution
Aber dort, wo ich lebe, heißt das Spiel, das man spielen muss, Kompromisslösung
Nun, was kann ein armer Junge tun, außer in einer Rock´n Roll Band zu singen?
Im verschlafenen London gibt es keinen Platz für einen Straßenkämpfer! Nein! (14)




In Deutschland sorgte vor allem die Band Ton, Steine, Scherben mit programmatischen Titeln wie „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ und „Keine Macht für niemand“ für zeitgeistkonforme, kritische Töne.


Allerdings: Auch wenn sich Ton, Steine, Scherben und vor allem ihr Leadsänger Rio Reiser längere Zeit auf dem Markt behaupten konnten, die wilden Zeiten der Revolte waren bald vorbei. Die revolutionären Blütenträume einer ganzen Musikergeneration zerschellten an der ganz und gar nicht revolutionär anmutenden Realität. Zahlreiche Musiker zogen sich aus der politischen Sphäre gänzlich zurück und produzierten nun an eine Musik, die keinen anderen mehr Anspruch hatte, als „gute Musik“ zu sein. Es war die große Zeit des „Artrock“. So genannte „Supergroups“ wie Yes, Emerson, Lake & Palmer und Genesis verknüpften Rock- und Jazzelemente mehr oder weniger geschickt mit Partikeln klassischer Bildungsmusik. Ihre Musik wurde immer komplexer und polyphoner. Bands wie Gentle Giant gingen sogar dazu über, mehrstimmige Fugen zu schreiben (15), was zwar erfahrene Musikliebhaber erfreuen konnte, aber mit der Realität der Jugendlichen auf der Straße kaum noch etwas zu tun hatte.


Die Revolte gegen diese Form von „Bildungsrock“ war vorprogrammiert und sie erschien in Gestalt des Punks, der das Niveau der Musik wieder auf ein Minimum reduzierte, der statt kunstvollen Metaphern einfache rebellische Botschaften in den Vordergrund stellte. (16) Freilich: Auch die subversive Kraft des Punk war zeitlich sehr begrenzt. Es dauerte nicht lange und auch der Punk verkam zu einer bloßen, hohlen Modeattitüde.(17)


Ungefähr zu dieser Zeit wurde immer mehr Musikern und Musikjournalisten bewusst, dass Popmusik kaum die Kraft hatte, die Verhältnisse wirklich zum Tanzen zu bringen. Im Gegenteil. Man mußte anerkennen, dass die Musik nach der Vorgabe der Verhältnisse tanzte. Ja, selbst die schärfste politische Aussage geriet unter den Maßstäben der Musikindustrie zur leicht konsumierbaren Ware, wurde - wie mancher Rockintellektuelle im resignativen, Adornoschen Sprachduktus feststellte - zu einer „fetischisierten, affirmativen Stütze der etablierten Ordnung“.




Welcome to the Machine: Die Musikindustrie und die nivellierende Macht des Marktes

Der überwiegenden Zahl der Musiker war es freilich ziemlich egal, dass der wahre Charakter ihrer musikalischen Produktion zunehmend als Waren-Charakter begriffen werden musste. Für sie war Musik ohnehin nicht viel mehr als eine Kombination von Fun und Geschäft. Doch es gab auch Künstler, die ihre Musik als Botschaft verstanden, die sich mit der kommerziellen Entschärfung und Verdinglichung ihrer künstlerischen Projekte nicht abfinden wollten. Hierzu gehörten nicht nur Independent-Künstler, die gewissermaßen aus ihrer Not (also der fehlenden Vermarktungsmöglichkeiten ihrer Produkte) eine Tugend machten, sondern mitunter echte Megastars wie der ehemalige Kopf der Supergroup Pink Floyd, Roger Waters.


Waters, der für einige der meist verkauften Alben der Musikgeschichte verantwortlich zeichnet (u.a. „Dark Side of the Moon“, „Wish you were here“ und „The Wall“), wurde wohl recht früh bewusst, dass die sozialistisch-humanistischen Botschaften seiner Songs im Kontext des industriellen Rockbusiness radikal entschärft werden mussten. Bereits das Album „Wish you were here“ war von seinem Konzept her eine bitterböse Abrechnung mit der Musikindustrie, die Waters zufolge nicht weiter war als eine kalte seelenlose Maschine, in der unfähige Manager danach strebten, noch den letzten Funken Geist aus der Musik zu verbannen.(18)


Im Laufe der Jahre steigerte sich Waters’ Aversion gegen das Business ins Unermessliche. Als „The Wall“ auf die Konzertbühnen der Welt kam, scheute sich Waters nicht, die für ihn beklemmende Barriere zwischen Künstler und Publikum auf drastische Weise zu verdeutlichen. Während die Musiker ihre Songs spielten, errichteten die Bühnenarbeiter eine riesige Mauer zwischen Band und Fans. Nach der Hälfte des Programms war von der berühmten Band nichts mehr zu sehen. Ein gewagtes Konzept, doch die Rechnung ging auf. „The Wall“ wurde innerhalb kürzester Zeit zu einem der meist verkauften Doppelalben aller Zeiten, alle Shows der Tour waren restlos ausverkauft, der wenig später abgedrehte Film von Alan Parker gehört bis heute zu den größten Verkaufsschlagern auf dem Videomarkt.


Trotz dieses immensen Erfolgs war Waters nicht zufrieden. Denn „The Wall“ wurde - trotz seiner magenbitteren Botschaft - auf gleiche Weise konsumiert wie jedes andere Popprodukt. Jugendliche tanzten gutgelaunt in den Diskotheken zu „Another Brick in the Wall“, ohne sich groß Gedanken darüber zu machen, was der Autor des Songs damit eigentlich mitteilen wollte.


Waters zog aus dieser Erfahrung wiederum radikale ästhetische Konsequenzen und spitzte seine musikalische Formsprache noch weiter zu. „The Final Cut“, das letzte Album, das Waters mit Pink Floyd aufnehmen sollte, zählt in dieser Hinsicht zu den kompromißlosesten Werken der Rockmusik. Man kann dem Album vieles unterstellen, leicht konsumierbar ist es sicherlich nicht. Untertitelt mit der programmatischen Zeile „a requiem for the post war dream by roger waters“, stellt „the final cut“ in zwölf düsteren Songs die letzten Gedanken eines imaginären Ichs dar, das in seinem Auto fahrend vom Anblick zweier Sonnen überrascht wird: den letzten Strahlen der untergehenden Sonne im Westen sowie dem Lichtblitz einer Atombombe im Osten.


Mit diesem Szenario reagierte Waters auf Maggie Thatchers Falkland-Krieg. Die bittere Schärfe seines Angriffs und der beißende Pessimismus seiner Texte ist kaum zu überbieten. Ein hervorragendes Beispiel hierfür ist der Song „The Fletcher (19) Memorial Home“:



The Fletcher Memorial Home



Nehmt all eure übermächtigen Kindsköpfe zur Seite
Und baut ihnen ein Haus, einen kleinen Ort nur für sie allein
Das Fletcher Gedächtnis Haus für unheilbare Tyrannen und Könige


Und sie können sich selbst betrachten - jeden Tag
Auf den Bildschirmen eines allein ihnen zugänglichen Fernsehkanals
Sie brauchen das, um sich ihrer eigenen Existenz sicher zu sein
Es ist die einzige Verbindung, die sie fühlen


„Meine Damen und Herren, begrüßen Sie bitte Reagan und Haig, Herrn Begin mit Freund, Frau Thatcher und Paisley, Herrn Breschnew und Partei, den Geist von McCarthy, Erinnerungen an Nixon, und nun - um etwas Farbe hinzuzufügen - eine Gruppe anonymer lateinamerikanischer High-Society-Schlampen...“


Haben sie etwa erwartet, dass wir sie auch nur mit dem kleinsten Funken Respekt behandeln?
Sie können ihre Medaillen polieren und ihr Lächeln schärfen
Und sich selbst eine Zeit lang mit kleinen Spielchen amüsieren:
Bumm-bumm, bäng-bäng, leg dich hin, du bist tot!

Sicher verwahrt unter der permanenten Kontrolle eines kalten Glasauges
Und versorgt mit ihren liebsten Spielzeugen
Werden sie gute Jungen und Mädchen sein
Im Fletcher Gedächtnis Haus für koloniale Verschwender des menschlichen Lebens

Ist jeder drinnen?
Hattet Ihr eine gute Zeit?
Dann können wir jetzt mit der Endlösung beginnen.(20)



Ziemlich starker Tobak – zumindest für ein millionenfach verkauftes Pop-Album, immerhin wird hier nicht anderes erträumt als die Ausrottung beinahe der gesamten politischen Führungsriege der Welt!


Wie gesagt: The Final Cut war das letzte Album, das Waters unter dem Label Pink Floyd aufnahm. Er produzierte danach noch einige Soloalben, aber diese erlangten nie die Popularität der früheren Pink Floyd-Werke. Seine Mitmusiker waren kommerziell gewitzter. Sie fanden sich Mitte der Achtziger wieder unter dem Markenzeichen „Pink Floyd“ zusammen und plünderten den Schatz des Waters´schen Vermächtnisses hemmungslos aus. Zum großen Entsetzen von Waters ließen sie es sogar so weit kommen, dass Volkswagen ein Sondermodell „Golf Pink Floyd“ auf den Markt brachte. Auf der Präsentation des neuen Golf-Modells verkündete einer der führenden Volkswagen-Manager, Waters’ berühmte Kampfansage an das Geldsystem, der Song „Money“ von „Dark Side of the Moon“ sei seit jeher (wahrscheinlich wegen der klingelnden Kassen zu Beginn) einer seiner Lieblingssongs gewesen. Ein vernichtenderes Kompliment hätte der VW-Manager dem libertären Sozialisten Waters kaum machen können...(21)


Meines Ermessens zeigt das Beispiel „Waters“ wie kaum ein anderes die Macht und Ohnmacht neulinker Musikproduktion. Sicherlich wird niemand bestreiten können, dass Waters’ Songs das Denken und Empfinden vieler Menschen beeinflusste. (In Südafrika z.B. wurde der Song „Another Brick in the Wall“ zur offiziellen Hymne des landesweiten Schulboykotts, der sich gegen das damalige Apartheitsregime richtete.) Anderseits aber muss herausgestellt werden, dass auch Waters sich den ausgeklügelten Verwertungs- und Verdinglichungsmechanismen der Musikindustrie nicht entziehen konnte. Seine Songs wurden - solange sie sich verkaufen ließen - mit immensem Aufwand als Popprodukte vermarktet und auch als eben solche konsumiert. Nur die allerwenigsten Hörer verstanden, was Waters mit seinen Hörwerken eigentlich bezweckte. Die meisten genossen - völlig inhaltsfrei - die Attitüde seiner Kompositionen, solange das irgendwie modisch war, also den tiefenpolitischen Trends der Zeit entsprach. Als sich der Zeitgeist in den Achtzigern wandelte, tauschten sie - ohne mit der Wimper zu zucken - die düsteren Floyd-Alben gegen die poppig hochgestylten Plastikprodukte von Duran-Duran oder Wham ein. Der einstige Megastar Roger Waters war plötzlich ein Mann von gestern. Mit dem Niedergang der Verkäufe sank sein Stern am Pophimmel. Denn im Musikbusiness zählt weder Qualität noch Anspruch, sondern allein der Verkauf. Wer im Kampf um die Konsumentennachfrage unterliegt, hat nichts mehr zu melden. Wer „out“ ist, ist erledigt. (22)



Zweites Fazit

Wie gesagt: Wir müssen davon ausgehen, dass Musik nur dann die Welt verändern kann, wenn sich die Welt anschickt, die Musik bzw. die sie produzierenden Musiker zu verändern. Das heißt: Die Stones, Ton Steine Scherben und Pink Floyd, sie alle haben die Welt eine Zeit lang durchaus im neulinken Sinne verändert - und zwar, weil es ihnen gelang, den Geist ihrer Zeit in musikalische Formen zu fassen. Durch ihre Musik erreichte der Geist der Rebellion auch die Herzen jener Menschen, die in der tiefsten Provinz lebten - fernab von den politischen Auseinandersetzungen dieser Tage. So konnte sich auch der Seppl aus Niederbayern oder der Hans-Otto aus Ostfriesland ein paar Wochen lang als Straßenkämpfer fühlen. Und vielleicht verhalf es ihnen sogar dazu, einige der überkommenen Traditionen ihrer Eltern leichter über Bord zu werfen. Allerdings: Das Motivierungspotential neulinker Musikproduktion war nur solange vorhanden, solange es vom Zeitgeist getragen wurde. Als sich die Zeiten änderten, änderte sich auch die Musik. In den Achtziger Jahren war der politische Motivierungsaspekt aus dem musikalischen Mainstream fast vollständig verschwunden.



3. Teil
Sag mir, was du hörst, und ich sage dir, wer du bist:
Musik als Bindemittel jugendlicher Subkulturen


Bisher habe ich mich weitgehend mit Musik als politischem Massenkommunikationsmittel beschäftigt. Interessanter ist aber in unserem Zusammenhang ihre Funktion innerhalb spezifischer Subkulturen.


Der Begriff „Subkultur“ kennzeichnet die Lebensform eines Personenkreises mit bestimmten Auffassungen, Werten, Normen, sozialen Strukturen und Verhaltensweisen (Lebensstil), die von jenen der jeweiligen Mehrheitskultur deutlich mitunter sogar in konfliktträchtiger Weise abweichen. Die Subkultur verleiht dem Einzelnen ein höheres Maß an Identifikationsmöglichkeiten als die Gesamtkultur, weil sie die spezifischen Lebensprobleme und sozialen Daseinsbedingungen des jeweiligen Personenkreises in den Vordergrund stellt. Anders formuliert: Die Subkultur ist eine Insel der Orientierung im Meer der Unübersichtlichkeit.


Musik hat in der Entwicklung und Etablierung von Subkulturen stets eine große Rolle gehabt. Dies gilt für die Hippies wie für die Punks, für die Waver, die Rocker, die Technokids, die HipHopper, wie auch für die Skinheads. Jede dieser Gruppen hatte ihre eigene Musik, eigene Drogen, eigene Modestile, Werte und Normen.


Unter Subkulturforschern ist allerdings seit einiger Zeit strittig, ob Subkulturen heute noch als solche existieren. (23) Gegenüber früheren Zeiten nämlich, in denen sich die verschiedenen Szenen scharf voneinander abgrenzten, ist heute eine starke Stildurchmischung innerhalb der Jugendkulturen festzustellen. (24) Heutige Jugendliche konsumieren gleichzeitig Musik- und Modestile unterschiedlichster Richtungen. Es wird heute nicht mehr als Widerspruch empfunden, wenn jemand gleichzeitig HipHop, Hard-Rock, Punk, Techno, Klassik und Brit-Pop hört. Die scharfen jugendkulturellen Auseinandersetzungen, z.B. zwischen Mods und Teds, Punkern und Poppern gehören - wie es scheint - der Vergangenheit an.


Eine Ausnahme bilden hier selbstverständlich die politischen Subkulturen. Der Kampf der Skinheads mit linken „Zecken“, bzw. der „Antifas“ mit „Glatzen“ hat - wie wir wissen - eher an Bedeutung gewonnen. Musiksoziologisch betrachtet können allerdings nur die Skinheads als eine wirkliche Subkultur aufgefasst werden, denn Skinheads konsumieren in der Tat eine Musik, die im musikalischen Mainstream nicht zu finden ist. Linke Autonome hingegen bedienen sich unterschiedlichster Musikstile, von HipHop bis Punk, von Heavy Metal über Ethno-Pop bis Techno. Zwar gibt es bestimmte Bands, die sich aufgrund linker politischer Correctness besonders gut in ihren Kreisen verkaufen lassen (beispielsweise Rage against the machine, Chamba Wamba oder New Model Army), allerdings sind diese Bands zum einen stilistisch sehr unterschiedlich, zum anderen werden sie nicht nur von der linken Subkultur, sondern auch von der breiten, politisch indifferenten Masse konsumiert.


Eben deshalb kann Musik im linken Spektrum auch zu keiner Bindung an eine bestimmte Subkultur führen. Selbst wenn sich Bands wie Rage against the machine politisch eindeutig positionieren (mit Che-Guevara-T-Shirts und Freikonzerten in der autonomen Hafenstraßen-Szene) - mit ihren millionenfach verkauften Alben haben sie nicht nur den autonomen Steinewerfer aus Berlin-Kreuzberg erreicht, sondern auch den Jungbanker aus Frankfurt und den Junge Union-Anhänger aus Stuttgart. Die lautstark vorgetragene radikale, anarchistische Botschaft wird von der überwiegenden Mehrzahl der Konsumenten überhört. Nur so konnte eine Nummer wie beispielsweise „Bombtrack“ zu einem viel gespielten Hit in den Diskotheken dieses Landes werden. Der Song erzählt von den militanten Gedanken des Verfassers, der sich vorstellt, die Mächtigen und ihre Güter mit dem hitzigem Beat seines Liedes anzünden zu können. Der Refrain lautet: „Gutsherren und Machthuren, die ihr meine Leute immer wieder angegriffen habt... Brennen, brennen, ja brennen werdet ihr!“(25)


Die politische Botschaft dieses millionenfach aufgelegten Songs wurde von kaum jemand bewusst wahrgenommen. Deshalb konnte der Erfolg von Rage against the machine - trotz der klaren Aussage zur Legitimation linker Gegengewalt - auch nicht zu einer Anbindung an die linke Szene führen. Diese besaß schlicht und ergreifend nicht die Exklusivrechte für den Konsum dieser Musik, sie konnte sie somit auch nicht als internes Binde- bzw. externes Distinktionsmittel verwenden.


In der rechten Szene verhält sich die Sache nun vollkommen anders. Die Skinheadszene verfügt in der Tat über eine exklusive, eigenständige Musikkultur. Diese knüpft zwar an Musiktraditionen außerhalb der Szene an (z.B. an den Punk), kann aber aufgrund der nationalistischen und rassistischen Textinhalte nur innerhalb des rechten Milieus konsumiert werden. Dies führt dazu, dass Musik innerhalb der Skinheadszene sehr wirksam als Bindemittel nach innen und Abgrenzungsmittel nach außen wirken kann. Skinhead-Bands transportieren die gruppeninternen Werte und Normen für viele „rechte Kameraden“ klarer und vor allem unterhaltsamer als jeder national gesinnte Politiker. Durch ihren aggressiven Sound können sie in Einzelfällen durchaus auch die Gewaltbereitschaft ankurbeln. Allerdings darf man sich diesen Zusammenhang nicht als einfaches Ursachen-Wirkungs-Verhältnis vorstellen. Damit ein Skin wirklich zuschlägt, bedarf es mehr als ein paar hingerotzter Gitarrenakkorde und national gesinnter Gesangsversuche.


Dennoch sollte die Bedeutung der Musik für die Skinheadsszene nicht unterschätzt werden. Sie ist unwidersprochen eines der zentralen Kommunikationsmittel innerhalb der Szene. Ihre Bedeutung allerdings schöpft sie weniger aus sich selbst heraus, als aus dem geheimnisvollen Aroma des Verbotenen, das sie umgibt. Während die Musikkultur der Linken den harten Vermarktungsprinzipien der Musikindustrie unterworfen ist, wird die Musik der Skins vor der Marktnivellierung gewissermaßen durch Verbot geschützt. Das mag paradox klingen, trifft aber den Punkt: Das Verbot bzw. die damit einhergehende, insbesondere für Jugendliche reizvolle „Lust am Verbotenen“ steigert die Nachfrage nach rechter Musik. Eine Indizierung durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften feiert so mancher subkulturelle Musiker wie eine Nominierung zum Oscar bzw. zum musikalischen Äquivalent, dem Grammy.


Die durch gesellschaftliche und staatliche Ächtung errungene Sonderstellung der Skinhead- Musik ist dabei Stärke und Schwäche sogleich: Stärke, insofern die Musik tatsächlich als subkulturelles Rekrutierungs- und Kommunikationsmittel benutzt werden kann, Schwäche, insofern diese Musik nur wenige Interessenten erreichen und damit die Gruppe der politisch Gleichgesinnten nicht wirklich erweitern kann.


Möglicherweise wird diese fundamentale Schwäche auch innerhalb der Szene zunehmend erkannt, und so bemühen sich rechtsextreme Musikproduzenten in jüngster Zeit vermehrt, das Spektrum des rechten musikalischen Ausdrucks zu erweitern. (Zu nennen sind hier zum einen die Produktionen des rechtsextremen Liedermachers Frank Renniger, zum anderen die zuweilen ironisch sich gebenden Umdichtungen von altbekannten Stimmungsliedern durch die Skinheadband „Zillertaler Türkenjäger“.(26))


Eine weitergehende Kommerzialisierung rechten Musikguts würde aber mit Sicherheit eine empfindliche Schwächung der Bindekraft der Musik innerhalb der rechten Subkultur zur Folge haben. Die notwendige subkulturelle Exklusivität wäre nicht mehr gewährleistet. Außerdem muss man berücksichtigen, dass politische Inhalte nicht in beliebige musikalische Formen gepackt werden können. Es wäre beispielsweise unsinnig, den „stolzen weißen Widerstand“ in einem marktgängigen Tenniepop-Sound zu verkünden. Eine arisch-militante Take That- oder No Angels-Variante wird es also nicht geben. Die realpolitische Dimension des Textes und die tiefenpolitische Botschaft der Musik wären schlichtweg nicht kompatibel. Je kommerzieller ein musikalisches Konzept wird, desto weiter muss es sich von nationalen Inhalten und entsprechenden tiefenpolitischen Konnotationen befreien. Eine Band wie die Böhsen Onkelz bietet daher der rechten Szene ähnlich geringe Rekrutierungspotentiale wie Rage against the machine für die linke.


___________________

Old Post Jan-09-2003 19:06 
Click Here to See the Profile for Tiesto Click here to Send Tiesto a Private Message Add Tiesto to your buddy list Report this Post Reply w/Quote Edit/Delete Message
MeGAmiNd
vinyladdict



Registered: Jun 2002
Location: Oberfranken - GTA #30

Durchfall (Diarrhoe)

Dr. med Beate Eigler, Fachärztin für Innere Medizin

Was ist Durchfall?

Durchfall ist keine Krankheit, sondern ein Symptom. Man spricht von Durchfall, wenn die Stuhlentleerung häufiger als dreimal täglich stattfindet, wenn sich die Stuhlbeschaffenheit (Konsistenz) verändert, sodass der Stuhl flüssig ist, und/oder wenn die Stuhlmenge vermehrt ist (mehr als 250 g täglich).

Dauert der Durchfall bis zu zwei Wochen, spricht der Arzt von akuter Diarrhoe. Bei Durchfällen, die länger als zwei Wochen dauern, spricht man von chronischer Diarrhoe.

Bei gesunden Erwachsenen sind Durchfälle, die nur wenige Tage dauern, meist harmlos.



Wie entsteht Durchfall?

Durchfall kann durch viele unterschiedliche Krankheiten verursacht sein. Sie alle wirken auf den Dünn- oder Dickdarm. Zwei grundlegende Mechanismen können Durchfall erzeugen:



Durch eine gesteigerte Beweglichkeit des Darmes beschleunigt sich die Darmpassage.


Es befindet sich mehr Flüssigkeit im Darm.


Die häufigsten Ursachen eines akuten Durchfalles sind:


Lebensmittelvergiftung: Bakterien (besonders Staphylokokken oder Salmonellen) in verunreinigten Lebensmitteln bilden Giftstoffe, die den Magen-Darm-Trakt angreifen. Die Giftstoffe zeigen ihre Wirkung bereits wenige Stunden nach der Aufnahme.


"Darmgrippe": ihr liegen Infektionen mit Viren oder Bakterien zugrunde.


"Reisedurchfall": Infektionen mit Bakterien (80 Prozent) meist Escherichia-coli-Stämme, seltener Viren oder Parasiten führen zu Durchfall. Jeder zweite bis fünfte Reisende ist betroffen.


Durchfall durch Medikamente: Manche Menschen leiden während der Einnahme von Medikamenten, besonders Antibiotika, unter Durchfall. Durch das Antibiotikum wird die Darmflora angegriffen oder zerstört. Sobald die Behandlung mit dem Medikament abgeschlossen ist, klingt in der Regel auch der Durchfall ab. Da die Behandlung eines bakteriellen Infekts mit Antibiotika als wichtiger eingeschätzt wird, nimmt man diese Nebenwirkung meistens in Kauf.


Nahrungsmittelunverträglichkeit: Etwa zehn Prozent der europäischen Bevölkerung leidet an einer Laktose-Intoleranz. Diesen Menschen fehlt das Enzym Lactamase, das hilft, Milchprodukte zu verdauen. Die unverdauten Milchbestandteile verursachen akuten Durchfall.


Die wichtigsten Ursachen für chronische Durchfälle sind:


Reizdarm-Syndrom, also eine ungefährliche Irritation des Darms


Chronische Darmentzündung (Colitis ulcerosa und Morbus Crohn)


Chronische Darminfektionen (durch Amöben, Lamblien, Clostridium difficile)


Missbrauch von Abführmitteln


In sehr seltenen Fällen sind Stoffwechselstörungen wie Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), bösartige Tumoren wie Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom) oder Darmoperationen die Ursache für Durchfälle.



Welche Anzeichen verspürt man bei Durchfall?

Die Durchfälle können wässrig, breiig, fettig (grau, stinkend, ölig) oder blutig sein. Zusätzlich treten häufig Blähungen, kolikartige Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen auf.



Welche Untersuchungen werden zur Diagnose benötigt?

Bei einem akuten Durchfall genügt in der Regel die Krankengeschichte und eine körperliche Untersuchung. Dauert der Durchfall länger als drei bis fünf Tage oder tritt zusätzlich Fieber auf, veranlasst der Arzt in manchen Fällen:



Eine Untersuchung des Stuhles auf Krankheitskeime oder Blut.


Eine Laboruntersuchung des Bluts auf Entzündungszeichen oder Krankheitskeime.


Bei Patienten, die in den Tropen waren, werden zusätzliche Untersuchungen notwendig, um Infektionskrankheiten wie Typhus, Cholera, Amöbenruhr, Lambliasis oder Schistosomiasis auszuschließen.


Um die Ursache eines chronischen Durchfalles zu finden, sind von Fall zu Fall spezielle Untersuchungen erforderlich


Darmspiegelung (Koloskopie) mit Entnahme von Gewebeproben (Biopsien)


Ultraschall des Bauches (Abdomen-Sonographie)


Spiegelung des Magens (Gastroskopie) und des Dünndarms (Gastroduodenoskopie) mit Entnahme von Gewebeproben (Biopsie)


Computer-Tomographie des Bauches



Welche therapeutischen Möglichkeiten bestehen und werden angewandt?

Bei akutem Durchfall:



Die häufigste Ursache für akuten Durchfall sind Bakterien oder Viren. Da Durchfall meistens nach ein paar Tagen ohne nennenswerte Komplikationen vorübergeht, behandelt man zunächst nur die Beschwerden.


Die wichtigste Maßnahme ist die ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit und Salzen (Elektrolyte). Bei leichten bis mittleren Beschwerden kann man den Flüssigkeitsverlust auch mit Hausmitteln behandeln. Für Kinder, Schwangere und ältere Menschen sind starke Flüssigkeitsverluste gefährlich. In diesen Fällen setzt man statt Hausmitteln spezielle Elektrolyt-Pulver ein oder verabreicht Infusionen.


Medikamente, die akuten Durchfall stoppen, sind nur sinnvoll, um gefährlichen Wasserverlust zu bremsen oder kurzfristig eingesetzt - wenn man z.B. im Urlaub eine Busfahrt überstehen muss. Sonst bleibt der Erreger weiter im Darm und schädigt die Schleimhaut.


Präparate zum Aufbau der Darmflora sind als Alternative zu Durchfallstoppern auch für Kinder geeignet. Sie sollen die geschädigte Darmflora wieder ins Gleichgewicht bringen. Ihre Wirksamkeit ist aber nicht eindeutig erwiesen.


Krampflösende Medikamente helfen bei kolikartigen Bauchschmerzen.


Medikamente, die schädliche Stoffe binden, wie Kohletabletten sind bei Durchfall nicht geeignet. Quellstoffe, wie Pektin, das auch in geriebenen Äpfeln enthalten ist, nehmen das Wasser im Darm auf und sorgt für festeren Stuhl.


Eine Antibiotika-Therapie wird in der Regel nur dann eingesetzt, wenn gefährliche Bakterien, die der Körper nicht alleine bekämpfen kann, die Ursache des Durchfalls sind.


Wer unter einer Unverträglichkeit von Milchprodukten leidet, sollte diese Lebensmittel meiden. Es gibt Tabletten, die das Enzym Lactamase enthalten und die Beschwerden lindern sollen. Für diese Wirkung gibt allerdings keine überzeugenden Beweise.


Bei chronischem Durchfall muss die Ursache, das heißt die zugrunde liegende Krankheit, behandelt werden.



Was können Sie selbst tun?

Bei akutem Durchfall mit leichten bis mittleren Beschwerden:

Am wichtigsten ist es, viel Flüssigkeit (drei bis vier Liter täglich) zu sich zu nehmen. Die Getränke müssen Zucker, Salz und Kalium in bestimmten Mengen enthalten, sonst kann der Körper das Wasser nicht speichern. Deshalb ist das alte Rezept "Cola und Salzstangen" ungeeignet und kann akuten Durchfall sogar verschlimmern.

Folgende Nahrungsmittel sind daher empfehlenswert:



Eine selbstgemachte komplette Elektrolytlösung wird folgendermaßen hergestellt: Je halben Liter abgekochten Wassers einen halben Teelöffel Salz und fünf Teelöffel Traubenzucker auflösen und mit Orangensaft abschmecken.


Limonaden und Fruchtsäfte sind zuckerhaltig, Fruchtsäfte enthalten auch Kalium. Beide müssen pro Glas mit der gleichen Menge Wasser verdünnt werden.


Salz kann man in Form von Salzstangen oder gesalzenen klaren Suppen zu sich nehmen.


Bananen und Aprikosen sind kaliumreich.


Nehmen Sie in den ersten Tagen nach einem akuten Durchfall wenig milchhaltige Nahrungsmittel zu sich.


Ernähren Sie sich wieder normal, wenn Sie wieder Appetit bekommen haben.


Beachten Sie bitte: Bei starken Beschwerden müssen Sie immer einen Arzt aufsuchen!



Welche Warnsignale sollte man beachten?

Wenn eines der folgenden Symptome auftritt, sollen Sie sich mit einem Arzt in Verbindung setzten:



Mangelndes Vermögen, Flüssigkeit zu sich zu nehmen


Austrocknung (Dehydration), macht sich durch dunklen spärlichen Urin, Abgeschlagenheit und trockene Schleimhäute bemerkbar


Fieber


Durchfall mit Blutauflagerungen, fettiger Stuhl


Wenn der Durchfall während oder kurz nach einem Auslandsaufenthalt auftritt


Wenn der Durchfall länger als ein bis zwei Wochen anhält


Wenn nach Absetzen der Antibiotika, die als Ursache angesehen wurden, der Durchfall weiter anhält.



Wie können Sie Durchfall vorbeugen?

Die häufigste Ursache von Durchfällen sind Infektionen mit Bakterien oder Viren. Daher sind hygienische Maßnahmen besonders wichtig:



Bewahren Sie Lebensmittel, die Salmonellen enthalten können (Geflügel, Wild, Fisch, Krusten-, Schalen- und Weichtiere), bei Temperaturen unter 10 Grad Celsius und getrennt von anderen Lebensmittel auf; bereiten Sie sie separat zu.


Braten Sie Geflügel, Fleisch und Fisch gut durch; Hackfleisch sollten Sie am Tag der Herstellung verbrauchen.


Verbrauchen Sie Speisen sofort, die rohes Ei enthalten.


Für Reisegebiete beachten Sie bitte folgende Vorsichtsmaßnahmen:


Wenn Sie in ein Gebiet fahren, in denen Durchfallerreger wie Typhus häufig vorkommen, lassen Sie eine Schutzimpfung durchführen.


Waschen Sie sich gründlich vor jedem Essen die Hände.


Obst und Gemüse sollte geschält werden. Halten Sie die Vorschriften zur Trinkwasserbehandlung ein: Kochen Sie es vor dem Trinken ab oder desinfizieren Sie es auf andere Weise. Im englischen Sprachraum gibt es dafür den knappen Merksatz: "Cook it, peel it or leave it" ("Koch es, schäl es oder lass es liegen!").



Wie ist die Prognose und welche allgemeinen Komplikationen können auftreten?

In den meisten Fällen geht akuter Durchfall innerhalb einer Woche von selbst vorüber. Die schnelle Heilung ist aber abhängig von der Abwehrlage des Erkrankten, der Ursache des Durchfalls und möglichen Komplikationen.

Die Krankheit ist stark davon abhängig, welche Erkrankung ihr zugrunde liegt.

Ein massiver oder länger anhaltender Durchfall mit starkem Flüssigkeitsverlust kann zu Kreislaufkollaps mit nachfolgendem Nierenversagen führen. Besonders gefährdet sind Kleinkinder, ältere, abwehrgeschwächte und unterernährte Personen.


___________________
I wanna party with your body!

Old Post Jan-09-2003 19:07  Germany
Click Here to See the Profile for MeGAmiNd Click here to Send MeGAmiNd a Private Message Add MeGAmiNd to your buddy list Report this Post Reply w/Quote Edit/Delete Message
NetX
frühclubber



Registered: Feb 2002
Location: Hamburg

ich hab ja schon manchmal den eindruck, daß manche hier nicht "ganz alleine" sind - tja, die hinweise mehren sich

Old Post Jan-09-2003 19:14  Germany
Click Here to See the Profile for NetX Click here to Send NetX a Private Message Add NetX to your buddy list Report this Post Reply w/Quote Edit/Delete Message
Survion
polarisiert



Registered: Apr 2001
Location: MS-Germany | GTA#28

hm, ok ich fass mich hier mal kurz, anstatt hier meine Doktorarbeit zu präsentieren

Wir sind zur Zeit bei 666 Threads in diesem Forum!!

Das muss eigentlich gefeiert werden!


___________________

_ plus / minus _

Old Post Jan-09-2003 19:24  Germany
Click Here to See the Profile for Survion Click here to Send Survion a Private Message Visit Survion's homepage! Add Survion to your buddy list Report this Post Reply w/Quote Edit/Delete Message
TranceGiant
randomly disappoints



Registered: Jun 2001
Location: (Strudel)-City that never sleeps
Dunno

666 and CÆSAR NERO

Some will suggest that the book of Revelation was written only for those living at the time, and that 666 most probably applies to Cæsar Nero, who ruled Rome from 54 to 68 A.D., rather than someone from latter centuries. This point of view, which suggests Revelation had an immediate application to the first century, rather than being prophetic, is known as preterism, and is commonly held by the Catholic Church. So, just how is Nero linked to 666?

The preterist takes a relatively uncommon form of Nero's name, Nero Cæsar or Cæsar Nero, and adds an "n", resulting in Neron Cæsar. Next the Latin is transliterated into Aramaic, resulting in nrwn qsr, which when using the numeric equivalent of the letters, then adds up to 666 as follows:

Nun = 50
Resh = 200
Waw = 6
Nun = 50

Qoph = 100
Samech = 60
Resh = 200

An example of this spelling has apparently been recently discovered in one of the Dead Sea scrolls. (If you use the same process, but without the added "n" the result is 616. Interestingly, some early manuscripts of the Bible have 616 rather than 666, but even scholars such as Irenæus attribute the 616 to only a copyist error.)

There is a problem though with the above calculation. According to the rules of Jewish numerology, known as gematria, when the letter Nun appears a second time in a word, it is known as a "Final", and takes the value of 700.* So to be precise, NRWN QSR actually adds up to 1316 and not 666.

*Source: Behind Numerology, by Shirley Blackwell Lawrence, copyright 1989, published by Newcastle Publishing Co., Inc., North Hollywood, California, ISBN 0-87877-145-X, page 41.

So the preterist calculation which attributes 666 to Nero, however, is nothing more than a rather desperate attempt to find some likely candidate for the AntiChrist other than the Papacy.


THE WORD ANTI-

Look up in Strong's Concordance word 473 in the Greek dictionary. You will find the the word anti is often used to denote substitution-

473. anti, an-tee'; a prim. particle; opposite, i.e. instead or because of (rarely in addition to):--for, in the room of. Often used in composition to denote contrast, requital, *substitution*, correspondence, etc.

An example of how anti is used this way can be found in the words type and antitype, which are used with respect to Bible prophecy. The "type" is the pattern or symbol, and the antitype is the fulfillment. The Jewish Passover was a "type" and the crucifixion of Jesus is the "antitype" or fulfillment of the example of the type. You substitute the antitype into the symbolism of the type to arrive at the complete meaning.

The Catholic Church has essentially confirmed this usage of the word anti. In the 1994 Catholic Almanac on page 158 there is "the list of men who claimed or exercised the papal office in an uncanonical manner." So these men tried to substitute themselves for the true Pope, and usurp that office, so to speak. The Catholic church denies the papal authority of the men on that list because they attempted a substitute (false) claim on the Papacy. That list is a list of ANTI-POPES! So the word anti can clearly mean a substitute for something.

THE WORD ANTICHRIST

Antichrist (word 500 in Strong's Greek dictionary) can be correctly interpreted then, as someone who substitutes himself for Jesus Christ, the Son of God, just as an antipope substituted himself into the office of the Papacy.

The Vicar of Christ (Vicarius Christi)

"Vicar of Christ . . . Title used almost exclusively of the Bishop of Rome as successor of Peter and, therefore, the one in the Church who particularly takes the place of Christ; but used also of bishops in general and even of priests. First used by the Roman Synod of A.D. 495 to refer to Pope Gelasius; more commonly in Roman curial usage to refer to the Bishop of Rome during the pontificate of Pope Eugene III (1145-1153). Pope Innocent III (1198-1216) asserted explicitly that the Pope is the Vicar of Christ; further defined at the Council of Florence in the Decree for the Greeks (1439) and Vatican Council I in Pastor Aerternus (1870). The Second Vatican Council, in Lumen Gentium , n.27, calls bishops in general "vicars and legates of Christ." All bishops are vicars of Christ for their local churches in their ministerial functions as priest, prophet, and king, as the Pope is for the universal church; the title further denotes they exercise their authority in the Church not by delegation from any other person, but from Christ Himself."

Source: Catholic Dictionary, Peter M.J. Stravinskas, Editor, published by Our Sunday Visitor, Inc., Huntington, 1993, pp. 484-485.

THE WORDS VICARIOUS AND VICAR

Now look up the word vicarious in almost any common dictionary. Here is what you would find in the Webster Handy College Dictionary: "substituting for or, feeling in place of another."

Also in the Webster's II New Riverside Desk Dictionary for the definition of Vicar-

1. A parish priest in the Church of England.
2. A cleric in the Episcopal Church in charge of a chapel.
3. One who serves as a *substitute* for another.

A Vicar General is defined in the 1994 Catholic Almanac on page 330 as "a priest or bishop appointed by the bishop of a diocese to serve as his deputy, with ordinary executive power, in the administration of the diocese." So a vicar serves in the place of (substituting for) the bishop, and assumes his power of office for certain duties.

So the Papal title of VICAR OF CHRIST which in Latin is VICARIUS CHRISTI, means a SUBSTITUTE FOR CHRIST, which is synonymous with AntiChrist, i.e., assuming the power of God on earth! This blasphemous claim is made repeatedly by various Popes and is the very foundation of Roman Catholicism and it's Papacy.

Some Catholics may protest that the Pope represents, but does not substitute for Jesus Christ, to avoid the association.

Now, from the Webster Hand College Dictionary, the definition of the word represent:

1. portray; depict; describe.
2. play the role of; impersonate.
3. denote; symbolize; stand for.
4. speak and act for; *be a substitute for*.
5. set forth; assert.
6. be composed of; consist in.

Clearly then, Vicar of Christ (Vicarius Christi) and AntiChrist mean exactly the same. The Pope substitutes himself in place of God on earth, and that is *exactly* the meaning of AntiChrist.


--------------------------------------------------------------------------------

VICAR OF THE SON OF GOD


--------------------------------------------------------------------------------

Some Catholics will claim that the title VICARIUS FILII DEI is an anti-catholic fabrication, a complete fake, never used by the Catholic church. One example of this is online at the Catholic Envoy Magazine in the article titled Pope Fiction by Patrick Madrid (See Fiction 5). The following evidence is offered to prove that VICARIUS FILII DEI is indeed genuine.

Vicarius Filii Dei translated in English is Vicar of the Son of God, a phrase that has been used by Catholics:

[pg. 140]

... there are Catholics who talk against the temporal power of the Pope, either because they have been stunned by the clamours of a Protestant people, or because they are white-hearted, and have not courage to stand in the face of popular falsehood for an unpopular truth. The spirit of Protestant Englandits lawlessness, its pride, its contempt, and its enmity to the Church of Godhas made Catholics too to be cold-hearted, even when the Vicar of Jesus Christ is insulted. We have need, then, to be upon our guard. It shall happen once more with some, as it did when the Son of God was in His Passionthey saw Him betrayed, bound, carried away, buffeted, blindfolded, and scourged; they saw Him carry His Cross to Calvary, then nailed upon it, and lifted up to the scorn of the world; and they said, "If he be the king of Israel, let him now come down from the cross, and we will believe him."* So in like manner they say now, "See this Catholic Church, this Church of God, feeble and weak, rejected even by the very nations called Catholic. There is Catholic France, and Catholic Germany, and Catholic Italy, giving up this exploded figment of the temporal power of the Vicar of Jesus Christ." And

* St. Matt. xxvii. 42.

[pg. 141]

so, because the Church seems weak, and the Vicar of the Son of God is renewing the Passion of his Master upon earth, therefore we are scandalized, therefore we turn our faces from him. Where, then, is our faith? But the Son of God foretold these things when He said, "And now I have told you, before it come to pass; that when it shall come to pass, you may believe."*

* St. John xiv. 29.

[pg. 230]

... Lastly, the only other point upon which I shall speak to is this. We have already seen how the powers and glories of the Holy See have been progressively unfolding; how the time of St. Gregory I. was a period of apostolic missions, converting the nations to the faith; how the time of St. Leo III. was a period

[pg. 231]

of creating the Christian world; how the time of St. Gregory VII. was a period of purifying the sanctuary of the Church; and how the time of Alexander III. was a period of royalty of government and of ecclesiastical order, when the divine power of the church directed, by a firm and sacred authority, the civil powers of the world within the sphere of the law of God and of obedience to the faith. Now I observe these powers of the Holy See have been always rising, always culminating. The temporal power in the hand of St. Gregory I. was a fatherly and patriarchal rule over nations not as yet reduced to civil order. In the hands of St. Leo III. it became a power of building empires. In the hands of St. Gregory VII. it was a scourge to chasten them. In the hands of Alexander III. it was a dynasty, ruling supremely, in the name of God, over the powers of the world. And now in these later times the temporal sovereignty has become a law of the conscience, an axiom of the reason. Through long contests and denials it has passed into consciences, intellects, and hearts of men. Like the great dogmas of the Church, through controversy it has reached its analysis and expression. It stands by the side of the Immaculate Conception a theological certainty, if not a definition. So that I may say there never was a time when the temporal power of the Vicar of the Son of God, though assailed as we see it, was more firmly rooted through-

[pg. 232]

out the whole unity of the Catholic Church in the hearts and convictions of its members; and that by a double process, not only by its own proper evidence, not only by the light of God's dealing with the world, but by contrast. For the nations of Europe have already seen that the society of the world, without the guidance and preservation of the Church of God, resolves itself into confusion. They have seen every form of political society, and the confederations of kingdoms and nations, dissolve and pass away. While all the floating societies of the world have drifted down the stream, the centre of obedience has become more stable. Men have learned from the history of modern Europe that the law which is called the law of nations—that is, the rule of justice which regulates the relations of people with people—has become weak and powerless. And why? Because the nations have broken the bonds which bound them to the centre of obedience, and have shaken off the noble submission to a tribunal higher than man, from which came forth, in other days, the judgments of equity and of justice. It was a dignified obedience to bow to the Vicar of the Son of God, and to remit the arbitration of their griefs to one whom all wills consented to obey.

Source: The Temporal Power of the Vicar of Jesus Christ, by Henry Edward Manning, D.D. (appointed Archbishop of Westminster in 1865 and Cardinal in 1875), second edition with a preface, published in 1862 in London by Burns & Lambert, 17 &18 Portman Street, pages 140-141, 230-232.


--------------------------------------------------------------------------------

From "Crossing The Threshold of Hope", by Pope John Paul II:
First Chapter: "The Pope": A Scandal and a Mystery (bold emphasis is mine):

[pg. 3] The leader of the Catholic Church is defined by the faith as the Vicar of Jesus Christ (and is accepted as such by believers). The Pope is considered the man on earth who represents the Son of God, who "takes the place" of the Second Person of the omnipotent God of the Trinity.

[pg. 13] The Pope is not the only one who holds this title. With regard to the Church entrusted to him, each bishop is Vicarius Christi.

Note that on page three of the Pope's book, "represents the Son of God" is synonymous with "Vicar of Jesus Christ". A vicar clearly represents, substitutes for, or "takes the place" of another, as stated. Consequently "represents the Son of God" can be translated in Latin as Vicarius Filii Dei, which in Roman Numerals will add up to 666. The title Vicarius Christi, translated into English, means a substitute for Christ, i.e., AntiChrist, as demonstrated above, which is applied by the Pope to every bishop of the Catholic Church!


--------------------------------------------------------------------------------

VICARIUS FILII DEI
The Historical Proof.


--------------------------------------------------------------------------------

The Donation of Constantine is the most famous forgery in European history. Originally discovered in the Pseudo-Isidorian Decretals in the 9th century (c. 847-853), which are now also recognized to be forgeries, parts of the Donation of Constantine were later incorporated into most of the medieval collections of Catholic canon law (Anselm's, Cardinal Deusdedit's (c. 1087), and Gratian's Decretum (c. 1148) also known as Concordia Discordantium Canonum). So the Donation of Constantine was held to be genuine for centuries.

The Donation of Constantine is cited in writing by no less than 10 Popes as proof of their civil authority and sovereignty over Rome, and what came to be known as the Papal States, which included a large portion of Italy. It was eventually exposed as a pious fraud in 1440 by Laurentius Valla who proved it had to have been written several centuries after the death of Constantine (337 A.D.) The Vatican condemned Valla's scholarly work by listing it in the Index Librorum Prohibitorum, the Index of Prohibited Books of 1559. The donation reads in part as follows in Latin: (caps added for emphasis) -

Sicut B. Petrus in terris VICARIUS FILII DEI esse videtur constitutus, ita et Pontifices, qui ipsius principis apostolorum gerunt vices, principatus potestatem amplius quam terrena imperialis nostrae serenitatis mansuetudo habere videtur, conscessam a nobis nostroque imperio obtineant...

In English that is-

As the Blessed Peter is seen to have been constituted vicar of the Son of God on the earth, so the Pontiffs who are the representatives of that same chief of the apostles, should obtain from us and our empire the power of a supremacy greater than the clemency of our earthly imperial serenity is seen to have conceded to it,
(continuing beyond the Latin above)
choosing that same chief of the apostles and his vicars to be our constant intercessors with God. And to the extent of our earthly Imperial power, we have decreed that his holy Roman Church shall be honored with veneration, and that more than our empire and earthly throne the most sacred seat of the Blessed Peter shall be gloriously exalted, we giving to it power, and dignity of glory, and vigor, and honor imperial. And we ordain and decree that he shall have the supremacy as well over the four principal seats, Alexandria, Antioch, Jerusalem, and Constantinople, as also over all the churches of God in the whole earth. And the Pontiff, who at the time shall be at the head of the holy Roman church itself, shall be more exalted than, and chief over, all the priests of the whole world, and according to his judgment everything which is provided for the service of God and for the stability of the faith of Christians is to be administered.

Source: Donation of Constantine, quoted in Christopher B. Coleman's The Treatise of Lorenzo Valla on the Donation of Constantine, pp. 12,13 Copyright 1922 by Yale University Press, New Haven, Conn.

As one example of the Donation of Constantine being incorporated into Catholic canon, in Gratian's Decretals of the Canon Law of the Roman Catholic Church, published in Bologna about 1148, the following is found:

"Beatus Petrus in terris vicarius filii Dei videtur esse constitutus."


___________________
"Those are my principles, if you don't like them... well, I have others.”

Old Post Jan-09-2003 19:27  United States
Click Here to See the Profile for TranceGiant Click here to Send TranceGiant a Private Message Visit TranceGiant's homepage! Add TranceGiant to your buddy list Report this Post Reply w/Quote Edit/Delete Message
Sir. Lunchalot
Paradenliebhaber



Registered: Aug 2001
Location: GTA #2

LOL!

Wenn das jemals einer komplett durchlist kriegt er von mir einen Drink auf Stiff`s Party gemixed!

Hier also auch mein Beitrag. Habe mich für meinen ersten Versuchs eines Exposes für meine DA entschieden:

1. Produktentwicklung als differenzierender Faktor in der globalisierten Wirtschaft

Vor dem Hintergrund einer zunehmend globalisierten Wirtschaft und internationaler Arbeitsteilung und Konkurrenz ist jedes Unternehmen der Elektronik Industrie heute darauf angewiesen sich über die Technologie und die Qualität seiner Produkte am Markt zu differenzieren. Eine Differenzierung über den Preis ist insbesondere in westlichen Industrieländern aufgrund der hohen Lohnnebenkosten kaum mehr möglich. Verstärktes Outsourcing und hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung sind die Folge. Der differenzierende Faktor der nächsten Jahre wird also die Forschung und Entwicklung eines Unternehmens sein.

Entwicklungsabteilungen westlicher Industrieländer können heute aufgrund der immer noch sehr starken funktionalen Ausrichtung der Unternehmungen noch nicht den Beitrag zur Wertschöpfung eines Unternehmens bieten, den sie könnten. So lässt z.B. die strenge funktionale Trennung in Entwicklung und Einkauf keinen Spielraum für den Entwickler, die später anfallenden Produktkosten, die im wesentlichen während der Entwicklung festgelegt werden, positiv zu beeinflussen. Diese funktionale Ausrichtung ist also weniger als organisatorisches Problem, sondern als Verantwortungsproblem zu sehen. Bislang fehlen jedoch auch die Voraussetzung auf der Seite der Informationssysteme, um dem Entwickler nicht nur die Verantwortung für die technische Seite des Produkts, sondern auch bereits einen Teil der echte Kostenverantwortung des Produkts zu geben. Kostenverantwortung folgt heute nicht dem Verantwortungsprinzip, also dass derjenige, der für die Kostenfestlegung verantwortlich ist auch Einfluss auf die Kosten hat. Die Situation ist so, als würde das Budget für den Vertrieb vom Einkauf vorgegeben. Es wird eine wesentliche Aufgabe der nächsten Jahre die hier verborgenen Potentiale zu heben und der Entwicklung die Verantwortung für ihre eigenen Produkte zu geben.

Die Rationalisierungsbemühungen der letzten Jahre waren, neben dem reinen Produktionsprozess, sehr stark auf logistische Prozesse fokussiert. Die Potentiale dieser Rationalisierungsbemühungen sind jedoch bereits sehr stark ausgeschöpft, so dass Rationalisierungsbemühungen in diesen Bereichen keine großen weiteren Potentiale mehr bieten werden. Hier wurden die Potentiale durch konsequente Rationalisierung und Outsourcing von nicht wertschöpfenden Tätigkeiten bereits zum größten Teil erschöpft.

Forschungs- und Entwicklungsabteilungen waren hingegen noch nie im Fokus größerer Optimierungsmaßnahmen. Als Grund mag man hierfür vermuten, dass Entwicklungsprozesse als Kreativprozesse angesehen werden, die man nicht optimieren kann. Dies führt dazu, dass in Entwicklungsabteilungen ein hoher Administrativer Aufwand entstanden ist, der nicht wertschöpfend, also nicht direkt der Entwicklung des Produktes zuzuordnen ist. Für diese Aufgaben wurden spezielle Stabsstellen geschaffen, wie z.B. Bauelementestellen, die mit der Neuanlage und der Verwaltung der einzelnen Bauelemente, die in der Entwicklung benutzt werden, beschäftigt ist. Die hiermit verbundenen Prozesse sind die Prozesse des Bauteilemanagements.

Einen weiteren bedeutenden Faktor für die Situation in den Entwicklungsabteilungen sind die veränderten Umweltbedingungen auf den globalisierten Märkten. Der Hauptfaktor dieser veränderten Umwelt ist die extreme Verkürzung der Produktlebenszyklen. Als Beispiel hierfür diene die Handy Industrie, in der ein Handy oft nur einen Produktlebenszyklus von 2 Jahren hat. Ebenso verhält es sich mit Technologielebenszyklen (WAP -> GPRS -> UMTS). Diese veränderten Produkt- und Technologielebenszyklen stellen die Elektronikentwicklung vor die Herausforderungen immer kürzerer Entwicklungszeiten (Time to Market) bei gleichbleibend hoher oder steigender Qualität. Durch die Globalisierung steigt zudem der Kostendruck auf die Produkte allgemein.

Die Unternehmen der Elektronik Industrie steht also vor drei großen Herausforderungen:

1. Höhere Investitionen in Forschung und Entwicklung in einer globalisierten Umwelt, um konkurrenzfähig zu bleiben. (Technologie als Merkmal der Differenzierung).
2. Reduzierung der Entwicklungskosten bei steigenden Qualitätsansprüchen und steigendem Kostendruck.
3. Reduzierung der Time to Market aufgrund der verkürzten Produktlebens- und Technologiezyklen.

Es müssen nun Lösungen gesucht werden, mit denen die oben genannten Herausforderungen in den nächsten Jahren bewältigt werden können. Neben der bereits erwähnten nötigen Verbesserung der Informationssysteme müssen insbesondere diejenigen Prozesse in der Produktentwicklung optimiert werden, die einen Einfluss auf die Kosten der Produktentwicklung und die Time to Market von Produkte haben.

2. Das Bauteilemanagement als Erfolgsfaktor für die Produktentwicklung

Als ein großer Hebel für die Time to Market und die Kosten der Produktentwicklung ist das oben bereits erwähnte Bauteilemanagement zu sehen. Das Bauteilemanagement stellt einen Supportprozess der Produktentwicklung dar, dessen Aufgabe es ist, durch die Neuanlage und die Verwaltung von Bauelementen, den Entwickler bei der Auswahl von Bauelementen optimal zu unterstützen. Organisatorisch wird das Bauteilemanagement von den sogenannten Bauelementestellen umgesetzt.

Die Aufgaben des Bauteilemanagement sind es, den Entwickler in die Lage versetzen, das wirtschaftlich günstigste und technisch optimalste Bauteil für seine Entwicklung auszuwählen. So kann es möglich sein, dass für eine Entwicklung mehrere, technisch gleichwertige Bauelemente in Frage kommen. Das Bauteilemanagement muss den Entwickler nun in die Lage versetzen das Bauteil auszuwählen, welches, bedingt durch Mengeneffekte in anderen Produkten, den optimalsten Preis für das Produkt bietet. Zudem soll hiermit der Re-Use, also die Wiederverwendung von Bauelementen, gefördert werden. Das Bauteilemanagement hat einen großen Einfluss auf die Materialkosten des späteren Produkts.

Eine weitere Aufgabe des Bauteilemanagements ist es, im Rahmen der Verwaltung von Bauelementen, Bauteile auf ihren Status im Lebenszyklus hin zu überprüfen, also den Zeitpunkt zu bestimmen, ab dem das Bauelement nicht mehr bezogen werden kann. Verwendet der Entwickler ein Bauelement welches z.B. nur noch einen Rest-Lebenszyklus von zwei Jahren hat, das zu entwickelnde Produkt jedoch einen Produktlebenszyklus von drei Jahren hat, so muss sich nach zwei Jahren für eine Resteindeckung oder ein Re-Design des gesamten Produktes entschieden werden. Es kommt also zu einer Iteration in der Produktentwicklung. Wird ein solcher Fehler noch während der Produktentwicklung bemerkt, so erfolgt die Iteration bereits während der ursprünglichen Produktentwicklung und verlängert so die Zeit, bis das Produkt marktreif ist, also die Time to Market. Das Bauteilemanagement hat also einen großen Einfluss auf die Iterationszyklen in der Produktentwicklung und somit auf die Time to Market.

Das Bauteilemanagement hat also einen großen Einfluss auf die Kosten der Produktentwicklung, die Qualität der Produkte und die Time to Market. Deshalb soll das Bauteilemanagement der Untersuchungsgegenstand der vorgeschlagenen Diplomarbeit sein.

3. Prozessoptimierung unter Berücksichtigung des Informationsbedarfs

Das Ziel der Diplomarbeit soll es sein ausführlich die Bedeutung des Bauteilemanagements für die Produktentwicklung herauszuarbeiten und anhand eines konkreten Beispiels Verbesserungsvorschläge für die Prozesse des Bauteilemanagements zu erarbeiten. Zur Erarbeitung dieser Verbesserungsvorschläge sollen die bestehenden Ist Prozesse analysiert und auf Basis des „Flow Management“ Verständnisses von Prozessen nach Professor Klaus und dem Informationsbedarf innerhalb der Prozesse sogenannte Soll Prozesse erarbeitet werden. Aus dem Informationsbedarf soll zudem das zukünftig benötigte Informationsangebot eines Informationssystems im Bauteilemanagement ermittelt werden mit dem die Prozesse möglichst optimal unterstützt werden.

Die Ergebnisse dieser Untersuchung sollen dazu benutzt werden, um beim untersuchten Unternehmen die konkreten Potentiale dieser Verbesserungsvorschläge für die Time to Market, die Qualität der Produkte und die Kosten der Produktentwicklung zu ermitteln.


___________________

Old Post Jan-09-2003 19:44  Germany
Click Here to See the Profile for Sir. Lunchalot Click here to Send Sir. Lunchalot a Private Message Add Sir. Lunchalot to your buddy list Report this Post Reply w/Quote Edit/Delete Message
MYSTERO
Du bist LOVEPARADE



Registered: Nov 2001
Location: Dortmund, Germany

Referat AGGRESSIONSTHEORIEN

AGGRESSION ALS TRIEB
Die menschliche Aggression kann sich wohl ohne gewisse Grundlagen nicht entwickeln. Deshalb geht die Triebtheorie davon aus, daß im Organismus eine angeborene Quelle existiert, die von selbst und ununterbrochen aggressive Impulse erzeugt. Jedoch beschäftigen sich die Verhaltensforscher in erster Linie mit tierischem Verhalten, da sie darin zugleich einen Zugang zum Verständnis des Menschen sehen.
Nach Konrad LORENZ ist Aggression ein angeborener Instinkt, der arterhaltenden Sinn hat. Er legt allen aggressiven Verhaltensweisen von Tier und Mensch einen angeborenen Aggressionstrieb zugrunde. Daher ist das aggressive Verhalten unvermeidbar und entlädt sich spontan. Nach dieser Theorie gehören Aggression und Gewalttätigkeit zur genetischen Grundausstattung des Menschen.
In der Frühzeit der Menschheitsgeschichte war ein gewisses Maß an Aggression lebensnotwendig. Als dann die Menschen so weit waren, dass sie mit den von außen drohenden Gefahren des Verhungerns, Erfrierens, Gefressenwerdens von Großraubtieren einigermaßen umgehen konnten, trat ein Auslese treibender Faktor, nämlich der Krieg, ein, den die feindlichen benachbarten Menschenhorden gegeneinander führten. Das beweist wieder, dass der Mensch von der Natur mit einem Aggressionstrieb ausgestattet worden ist. Dieser ist dafür verantwortlich, dass im Organismus ständig aggressive Triebenergien gebildet werden und sich so lange aufstauen, bis sie durch einen Reiz ausgelöst werden. Es kommt zur sogenannten Abfuhr der Aggression. Nach diesem "Dampfkesselmodell" wird ein Mensch aggressiv, weil sich der spontane Trieb entladen musste. Danach kommt es zur Ruhe bis wieder ein gewisser Dampfdruck erreicht ist. In den meisten Situationen ist aggressives Verhalten jedoch nicht akzeptabel, daher muss die Entladung aufgeschoben werden. Je größer der Triebstau, desto kleiner ist der Anlass für einen aggressiven Ausbruch. Im schlimmsten Fall kann es zu einer Leerlaufreaktion kommen, bei der eine aggressive Abreaktion ohne äußeren Auslöser entsteht. Andernfalls können aggressive Impulse, die nicht zum Ausdruck kommen, zu seelischen Störungen führen. Der Aggressionstrieb im Menschen ist nach Lorenz so stark, dass er zur Zerstörung der menschlichen Art führen könnte. Dennoch vertritt er die Ansicht, dass der Mensch mit Hilfe seiner Intelligenz imstande sein müsste, seinen Aggressionstrieb ersatzweise über ein Ventil zu befriedigen. Solche Aggressionsventile wären Sport und Wettbewerbe, Fernsehkrimi oder Begeisterung für etwas Wertvolles. Vorbeugend wirken auch persönliche Freundschaften.
Viele Verhaltensforscher gaben sich mit dieser Theorie nicht zufrieden. Statt pauschal von der aggressiven Natur des Menschen zu sprechen, gingen sie der Triebtheorie genau nach.
So konnten die Gegenthesen zu Lorenz nicht ausbleiben.
FRUSTRATION UND AGGRESSION
Im Gegensatz zur Triebtheorie ist in der Frustrations-Aggressions-Theorie Aggression die Folge von bestimmten äußeren, frustrierenden Ereignissen. Dennoch kann die Frustration auch zu vollkommen nicht-aggressiven Reaktionen wie Suche nach Ersatzhandlungen, konstruktiven Lösungsbemühungen durch gesteigerte Motivation oder sogar Humor führen. Deshalb behaupten viele Frustrationsforscher, dass Frustrationssituationen und Frustrationserfahrungen verschiedene Verhaltensweisen auslösen, von denen eine die Aggression sein kann.
Der amerikanische Sozialpsychologe Leonard BERKOWITZ ist der Ansicht, dass eine Frustration dann in einer aggressiven Reaktion endet, wenn diese Wut oder Ärger hervorruft. Dies muss nicht immer zu einer Aggression führen, jedoch ist es sehr wahrscheinlich, wenn bestimmte Auslösereize hinzukommen.
Als Auslösereize gelten im wesentlichen:
1) Angriffe, Belästigungen oder Provokationen allgemeiner Art,
2) Erfahrung von Mangelzuständen und Entbehrungen,
3) Störung einer zielgerichteten Aktivität des Individuums, was in aller Regel zu einem Misserfolg oder Scheitern der Handlung führt,
4) daher auch Ärgergefühle auslöst,
5) wenn die betreffende Person für solche Situationen aggressive Verhaltensgewohnheiten mitbringt,
6) keine oder nur schwache Hemmungen geweckt werden,
7) die Situation aggressive Modelle oder Signale bietet.
Weiter ist von Bedeutung, wie ein Verhalten interpretiert und bewertet wird. Entscheidende Merkmale von Aggression im Alltagsverständnis sind hierbei Normverstoß und Absicht. Außerdem spielen die Verhaltenseigenschaften, das Menschen für den Umgang mit Ärger besitzen, eine wesentliche Rolle. Den meisten mangelt es an sozialer Kompetenz im Lösen von Konfliktsituationen.


Dennoch kann der entstandene Ärger durch Aggressionshemmungen verhindert werden. Ganz wesentlich ist die ursprüngliche Frustrations-Aggressions-Theorie, die besonders Hemmungen aus Angst vor Bestrafung ( z.B. gegenüber eines Vorgesetzten ) betont. Doch bei moralischen oder einstellungsbedingten Hemmungen ( z.B. gegenüber Schwächeren ) handelt es sich um die Selbstbewertung und nicht um die Reaktion der anderen Menschen. Das Auftreten der Hemmungen ist von der Situation und den jeweiligen Personenmerkmalen abhängig.
Damit es aber nicht zu impulsiven Ärgerausbrüchen kommt, sollen nicht nur Hemmungen geweckt werden, sondern soll die Situation aggressionsungeeignet erscheinen. Falls jedoch andere Personen in dieser Situation aggressives Verhalten gezeigt haben, wird das aggressive Handeln dadurch erleichtert. Somit kann man diese Personen als aggressive Modelle bezeichnen.
Neben aggressiven Modellen sind auch aggressive Signale sehr wichtig. Diese Situationsmerkmale, auch aggressive Hinweisreize genannt, sind manchmal zu schwach, oder sie werden unterschiedlich interpretiert ( z.B. Waffen als Gefahr und Angst oder als aggressionsfördernd ), was die widersprüchlichen Erklärungen der Aggression durch frustrierende Modelle und Signale erklärt. Allerdings ist es kaum möglich, bestimmten Reizen bestimmte Effekte zuzuschreiben. Trotzdem ändert das nichts an der Tatsache, dass es so etwas wie aggressionsbahnende Situationsmerkmale gibt.
Die wesentlichen Signale kommen sicherlich vom "Provokateur", gegen den sich eine aggressive Tendenz richtet. Dieser wird als Frustrationsquelle bezeichnet. Falls der Provokateur nicht gegenwärtig ist, kann man sich zwar ärgern, aber aggressiv handeln wird man erst dann, wenn man ihm begegnet. So bietet seine Anwesenheit eine geeignete Situation, die dann wiederum von Verhaltensrepertoire, sprich Verhaltenseigenschaften, des "Schuldigen" abhängt. Folglich wird die Aggression in vielen Fällen auch gegen das Eigentum des Provokateurs oder gegen andere Personen, die etwa durch persönliche Ähnlichkeit, durch gemeinsame Gruppenzugehörigkeit oder auf andere Weise mit dem Provokateur eine Ähnlichkeit aufweisen, gerichtet. Allerdings kann es auch soweit kommen, dass eine gesellschaftliche Gruppe (z.B. die Regierung, die Gewerkschaften, die Unternehmer, die Juden, die Minderheiten, die Ungläubigen, die Ausländer ) als der "Schuldige" ausgemacht wird. Von der Sündenbocktheorie spricht man auch dann, wenn die Personen irgendwie mit der ursprünglichen Frustrationsquelle in Verbindung gebracht werden, oder wenn es ungefährlich erscheint, die Person anzugreifen. Somit dienen diese Sündenböcke, sogenannte Prügelknaben, dem stellvertretenden Abreagieren der Aggression.
Tatsächlich beruht dies auf einem elementaren psychologischen Abwehrmechanismus, den man auf andere projiziert und dann auch wahrzunehmen glaubt. Dabei handelt es sich um jenen Abwehrmechanismus, mit dem das Individuum eigene negative Anteile, Wünsche, Eigenschaften, Gedanken und Gefühle auf andere Menschen überträgt.

Der Watschenmann im Wiener Prater (Vergnügungspark) als überdimensionaler Prügelknabe. Jeder, der Lust hat oder Wut loswerden will, kann ihm eine runterhauen. Volksbelustigung? Abreagieren von Aggression? Oder Lernmodell, wie man seine Aggressionen an lebenden Personen loswerden kann? Zweifellos war die Formel, dass Aggressivität durch viele Frustrationen entsteht, viel zu einfach. Deswegen entwickelte sich auch die dritte grundlegende Position neben der Trieb- und Frustrationstheorie, nämlich die Lerntheorie.

LERNEN UND AGGRESSION
Die Lerntheorie besagt, dass aggressives Verhalten nicht auf speziellen Impulsen beruht, sondern es wird aufgrund sozialer Erfahrungen erworben und von Lerngesetzen bestimmt.
Ein sehr bedeutender Vertreter dieser Richtung ist der Psychologe Albert BANDURA. Er stellte eine komplexe sozial-kognitive Lerntheorie auf, welche mehrere Lernmechanismen, insbesondere das Lernen am Erfolg, beinhaltet.
In den sechziger Jahren entwickelte er die Theorie des sozialen Modell-Lernens. Diese konzentriert sich im wesentlichen auf das Beobachten, wodurch sehr schnell und einfach Verhaltensweisen gelernt werden können, die der Betreffende zuvor nicht ausführen konnte. Wichtig sind aber auch andere zwischenmenschliche Formen wie sprachliche Äußerungen oder emotionale Ausdrucksformen. Allerdings wird nicht nur über Beobachtung von Modellen gelernt, sondern auch im allgemeinen über Nachahmung und Imitation oder Phantasieren. Als Modelle gelten vor allem Eltern, Geschwister, Lehrer, Freunde, Vorbilder, Massenmedien oder Zeichentrickfiguren. Das Lernen am Modell kann unbewusst vor sich gehen, und zählt zu den existenziellen Formen menschlichen Daseins, das bereits von Anfang an die individuelle und soziale Entwicklung beeinflusst.
Eine zweite grundlegende Lernart ist das Lernen am Erfolg. Dieser Lernprozess beruht darauf, dass die betreffende Person aus den Konsequenzen lernt. Zwar unterbleiben jene Verhaltensweisen, zu denen man neigt, wenn sie für das Modell negative Folgen haben (z.B. Bestrafung), doch treten sozial unerwünschte Verhaltensweisen verstärkt auf, wenn sie für das Modell ohne negative Folgen bleiben oder sogar belohnt werden. Dennoch verhindern oder hemmen die Misserfolge gelerntes Verhalten keineswegs in gleichem Maße wie Erfolge es fördern. Vor allem dann nicht, wenn dieses Verhalten ab und zu erfolgreich ist.
Unter "Lernen" versteht man nur die Weiterentwicklung und Stabilisierung eines schon vorhandenen Verhaltens.

Als eine weitere Lernart gilt das sogenannte kognitive Lernen, welches auch als der Aufbau von Sinnzusammenhängen bzw. als das Lernen von Begriffen und von Regeln sowie das selbständige Entdecken von Regeln oder Prinzipien definiert ist. Jedoch sind kognitive Lernprozesse sowohl für die Motivation (Bewertungen, Zielsetzungen, Erwartungen u.ä.) als auch für die Verhaltensformen (z.B. Kenntnis von Verhaltensabläufen, Ausdenken neuer Formen und Strategien) von Bedeutung. Dieses problemlösende Denken kommt vor allem der Erweiterung des aggressiven Handlungsrepertoires zugute. Es haben sich neue Formen und Wirkungsgrade der Aggression daraus entwickelt.
Die einfachste grundlegende Lernart ist die klassische Konditionierung, auch Signallernen genannt. Der Lernprozess beruht darauf, dass der ursprünglich neutrale Reiz zum "Signal'' für das Auslösen aggressiver Gefühle geworden ist, da dieser Reiz mit einem anderen, ursprünglichen Affektauslöser gekoppelt aufgetreten ist. Diese Auslöser können bestimmte Gesichter, Kleidungen, mimische, gestische oder sprachliche Angewohnheiten eines anderen, auch bestimmte Örtlichkeiten oder andere äußere Situationsmerkmale sein. In vielen Fällen spricht man hier von unmittelbar persönlich erlebten ärgererregenden Erfahrungen, mit denen diese Reize verbunden waren, oder von indirekt sprachlich und vorstellungsmässig vermittelten Erfahrungen. Der Betreffende hat gelernt, auf diesen Reiz mit Angsteffekten zu reagieren. Dabei wird eine affektive Reaktion von den vorangehenden Reizen hervorgerufen. Daher führt dieser Lernvorgang dazu, dass nicht nur Provokationen, Störungen und andere Frustrationen, sondern auch die mit ihnen in Verbindung gebrachten Personen, Gegenstände, Symbole usw., aggressive Gefühle auslösen können.


Je weniger sich die vegetativen und emotionalen Reaktionen, die von großer Bedeutung für das Signallernen sind, von gedanklichen Prozessen steuern lassen, umso eher sind sie eine klassisch konditionierte Reiz-Reaktions-Automatik.
Zusammenfassend ist zu den Aggressionstheorien zu sagen, dass bestimmte aggressive Verhaltensweisen durchaus angeboren sind, aber dass es von Lernprozessen abhängt, wann sie eingesetzt werden.


___________________
Baby, it´s kakerlaken die auch mal was aufe ohren haben müssen und denen it's you voll aufe eier geht.

Old Post Jan-09-2003 19:56  Germany
Click Here to See the Profile for MYSTERO Click here to Send MYSTERO a Private Message Visit MYSTERO's homepage! Add MYSTERO to your buddy list Report this Post Reply w/Quote Edit/Delete Message
jp
Retired tranceaddict



Registered: Apr 2001
Location: Holland

Matthias Reim - Verdammt ich lieb' Dich

Ich ziehe durch
die Straßen bis nach Mitternacht,ich hab' das früher auch gern
gemacht,dich brauch ich dfür nicht.
Ich sitz am Tresen trinke noch n' Bier,früher warn wir oft
gemeinsam hier,das macht mir,macht mir nichts.
Gegenüber sitzt n' Typ wien Bär,ich stell mir vor: "Wenn
das dein neuer wär",das juckt mich überhaupt nicht.
Aufeinmal packts mich,ich geh auf ihn zu und mach ihn an: "Lass
meine Frau in Ruh",er fragt nur: Hast dun Stich?"
Und ich denke schonwieder nur an dich...

Verdammt ich lieb' dich,ich lieb dich nicht.
Verdammt ich brauch dich,ich brauch dich nicht.
Verdammt ich will dich,ich will dich nicht,
ich will dich nicht verliern.

Verdammt ich lieb' dich,ich lieb dich nicht.
Verdammt ich brauch dich,ich brauch dich nicht.
Verdammt ich will dich,ich will dich nicht,
ich will dich nicht verliern.

So langsam fällt mir alles wieder ein,ich wollt doch nur n'
bisschen freier sein,jetzt bin ichs,oder nicht.
Ich passte nicht in deine heile Welt,doch die und du ist was mir
jetzt so fehlt,ich glaub das einfach nicht.
Gegenüber steht ein Telefon,es lacht mich ständig an voll
ohn,es klinglet,klingelt aber nicht.
Sieben Bier,zuviel geraucht,das ist es was ein Man so
braucht,doch niemand,niemand sagt: "Hör auf!"
Und ich denke schonwieder nur am dich...

Verdammt ich lieb dich,ich lieb dich nicht.
Verdamt ich brauch dich,ich brauch dich nicht.
Verdammt ich will dich,ich will dich nicht,
ich will dich nicht verliern,oh oh ohoh.

Verdammt ich leib dich,ich lieb dich nicht.
Verdammt ich brauch dich,ich brauch dich nicht.
Verdammt ich will dich,ich will dich nicht,
ich will dich nicht verliern,oh oh.

Verdammt... (noch 2x)

Old Post Jan-09-2003 20:07  Netherlands
Click Here to See the Profile for jp Click here to Send jp a Private Message Add jp to your buddy list Report this Post Reply w/Quote Edit/Delete Message

TranceAddict Forums > Local Scene Info / Discussion / EDM Event Listings > Europe > Europe - Germany > Ausgetrickst ihr Penner!!
Post New Thread    Post A Reply

Pages (4): [1] 2 3 4 »  
Last Thread   Next Thread
Click here to listen to the sample!Pause playbackUnknown tune #2 [2005] [0]

Click here to listen to the sample!Pause playbackX-press 2 - ACDC (?? Remix) [2002]

Show Printable Version | Subscribe to this Thread
Forum Jump:

All times are GMT. The time now is 19:24.

Forum Rules:
You may not post new threads
You may not post replies
You may not edit your posts
HTML code is ON
vB code is ON
[IMG] code is ON
 
Search this Thread:

 
Contact Us - return to tranceaddict

Powered by: Trance Music & vBulletin Forums
Copyright ©2000-2026, Jelsoft Enterprises Ltd.
Privacy Statement / DMCA
Support TA!