Also doch: Man ist was man hört
Dass man von der Plattensammlung einer Person Rückschlüsse auf deren Persönlichkeit ziehen kann, wollen US-Psychologen jetzt erstmals wissenschaftlich untermauert haben.
3.500 Testpersonen
Die Psychologen Samuel Gosling und Peter Rentfrow von der Universität Texas haben über 3.500 Menschen befragt und die Zusammenhänge zwischen ihrem Musikgeschmack und ihren Charaktereigenschaften erforscht.
Die Studie wurde in der Juni-Ausgabe der US-Fachzeitschrift "Journal of Personality and Social Psychology" veröffentlicht. Sie soll zeigen, dass eine Plattensammlung wertvolle Hinweise auf die Persönlichkeit ihres Besitzers liefern kann.
Die Aussagekraft der Studie sei aber möglicherweise regional auf den US-Musikmarkt beschränkt, gestehen die Autoren ein.
Aussagekräftiger als Filme und Bücher
Ein Großteil der Testpersonen glaubt, dass ihre musikalischen Vorlieben sogar mehr über sie aussagen als beispielsweise ihre Lieblingsfilme, -bücher oder die bevorzugten TV-Sendungen.
140 Songs als Testgrundlage
Die Befragten mussten zuerst eine Reihe von Persönlichkeitstests absolvieren. Dann legten ihnen die Wissenschaftler eine Auswahl von 140 Musikstücken vor - je zehn aus 14 Genres -, die sie bewerten mussten.
Bei der Auswertung der Daten konnten die Psychologen teilweise sehr deutliche Zusammenhänge zwischen der bevorzugten Musik und Persönlichkeitsmerkmalen erkennen.
Aguilera-Fans sehen gut aus
Wer etwa "Don't Make Me Love You" von Christina Aguilera oder "I'm A Slave 4 U" von Britney Spears mag, ist meist extrovertiert, oft gut aufgelegt, hilfsbereit und glaubt von sich, gutaussehend zu sein.
Fans der Altrocker Rolling Stones betrachten sich als offen für neue Erfahrungen, sportlich, intelligent und können sich verbal gut ausdrücken, tendieren allerdings dazu, in Beziehungen dominant zu sein.
REM-Fans neigen zu Depressionen
"It's the End of the World As We Know It" von REM läuft vor allem im CD-Player von Menschen, die sich für neugierig, risikofreudig, körperlich aktiv und intelligent halten - aber auch besonders anfällig für Depressionen.
Macht Marilyn Manson böse?
Während die Studie damit wohl neuen Vorurteilen die Türen öffnet, räumt sie mit alten auf: So wurde etwa der "Fight Song" von Schockrocker Marilyn Manson, dessen Songs von konservativen Kreisen oft als Ansporn zur Gewalt interpretiert wurden, "getestet".
Laut Gosling und Rentfrow werden Genres wie Heavy Metal oder Alternative zwar musikalisch oder textlich mit negativen Emotionen assoziiert, aber: "Menschen, die Musik aus dieser Sparte bevorzugen, weisen keine Zeichen von Neurotizismus oder unangenehmem Benehmen auf."
Wenig erforschtes Thema
Gosling und Rentfrow wollen mit ihrer Untersuchung eine Lücke in der psychologischen Forschung füllen.
"Die meisten Menschen halten Musik für einen sehr wichtigen Teil ihres Lebens und glauben, dass ihr Geschmack etwas darüber sagt, wer sie sind", sagte Rentfrow. "Bis vor kurzem gab es sehr wenige empirische Beweise, die diese Idee untermauern", so der US-Psychologe.
Die texanischen Psychologen haben speziell für die Studie eine Methode entwickelt, um musikalische Vorlieben zu testen. Das System trägt den Namen STOMP (Short Test Of Musical Preferences).
Dazu mussten die Befragten verschiedene Musikgenres mit bestimmtem Eigenschaften assoziieren. Das Ergebnis umfasst vier "Musik-Präferenz-Dimensionen", die sich über 14 Genres erstrecken.
Reflexiv und komplex
Diese Sparte umfasst die Genres Blues, Jazz, Folk und Classic. Zu den getesteten Musikstücken gehören etwa "Ray's Blues" von Ray Charles, "Blowing in the Wind" von Bob Dylan, "Stella by Starlight" von Herbie Hancock und Beethovens Neunte.
Hörer von reflexiver und komplexer Musik sind laut Gosling und Rentfrow offen für neue Ideen, zu etwa gleichen Teilen politisch konservativ und liberal und wenig sportlich.
Intensiv und rebellisch
Laut STOMP-System sind Rock, Heavy Metal und Alternative die Rebellen unter den Musikgenres. Prominente Vertreter sind Blur ("Song 2"), Slayer ("Angel of Death"), Jimi Hendrix ("Voodoo Child") und Nirvana ("Verse Chorus Verse").
Rebellisch sind die Fans dieser Sparte nicht unbedingt, dafür politisch liberal, sportlich, und sie können sich gut verbal ausdrücken. Sie halten sich selten für gutaussehend, dafür aber für intelligent.
Optimistisch und konventionell
In diese Kategorie fallen Pop und die in den USA wichtigen Genres Country und populäre religiöse Musik, beispielsweise Willie Nelsons "Whiskey River" und Madonnas "Material Girl".
Die Persönlichkeits-Tests in dieser Sparte zeigen auffallend hohe Werte für Extrovertiertheit und Gefälligkeit, allerdings auch besonders niedere, wenn es um Offenheit für Neues geht. Fans von Pop, Country und religiöser Musik sind von allen Befragten die Konservativsten und am wenigsten anfällig für Depressionen.
Energetisch und rhythmisch
Isaac Hayes ("Shaft"), Missy Elliot ("She's A Bitch"), Depeche Mode ("Never Let Me Down Again") und Barry White ("Can't Get Enough Of Your Love Babe") treffen in dieser Zusammenfassung von Funk, Soul, Hip-Hop und elektronischer Musik aufeinander.
Hörer dieser Genres sind laut der texanischen Studie extrovertiert, liberal und sozial wenig dominant. Sie tendieren am schnellsten dazu, ihre Gedanken und Gefühle auszusprechen, und glauben von sich selbst am stärksten, attraktiv zu sein
discuss.
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"Those are my principles, if you don't like them... well, I have others.”
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