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dEEkAy
Guest
Registered: Not Yet
Location:
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Re: interessantes Interview mit Harald Blüchel alias Ex-Cosmic Baby
| quote: | Originally posted by Cembalo
Spätestens 1999, als diese Musik zwei Jahre vor ihrem kommerziellen Höhepunkt stand, der gleichzeitig Gipfelpunkt einer künstlerisch beschämenden Armseligkeit |
Mhmmm. Kann ich nicht ganz zustimmen. Der Gipfelpunkt kam erst 2002/2003 und scheint sich heute in vielen Bereichen immernoch weiter nach oben zu drücken.
*sich mal wieder unbeliebt mach*
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Oct-01-2006 12:35
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Sir. Lunchalot
Paradenliebhaber

Registered: Aug 2001
Location: GTA #2
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Cosmic Baby war einer der Helden meiner frühen Trance / Techno Zeit! 
Zum Interview: Elektronische Musik ist sehr sehr vielschichtg. Innerhalb dieser Schichten gibt es mal Schlamm, mal aber auch eine Diamantenader. Manchmal kommt es auch nur auf die Perspektive an.
Der eine kann mit eher Rhythmusgeladener Musik nichts anfangen, weil sie ihm zu "einfach und nicht tief" ist, sondern nur eher ursprüngliche Gefühle anspricht, der nächste "versteht" komplexere Kompositionen mit Synths und vielen Instrumenten nicht. Manches ist tatsächlich nur billiger Schrott, der keine Ebene anspricht.
So negativ wie Cosmic Baby sehe ich die Sache allerdings nicht. Für mich und meine Gefühlswelt gibt es noch immer genug, was mich berührt und anspricht. Man darf nur nicht zu analytisch an die Sache rangehen und manchmal muss man auch ein wenig suchen.
Wenn elektronische Musik scheitert, dann daran dass sie niemanden mehr berührt, nicht daran, dass sie den Ansprüchen nicht mehr genügt. Wenn ich mich aber so umsehe, dann berührt sie immer noch genug Menschen - im besonderen mich. 
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Oct-01-2006 13:42
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Sand Leaper
Tension hunter

Registered: Jul 2001
Location: Oslo, Norway
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Oct-02-2006 17:30
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Frank-HH
xxx

Registered: Aug 2003
Location: Hamburg // Germany
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Re: Re: Re: Re: interessantes Interview mit Harald Blüchel alias Ex-Cosmic Baby
| quote: | Originally posted by dEEkAy
Hehe. Gut 
Ich will auch wieder die Musik von 99-2001 haben, wo es wirklich noch Überraschungsproduktionen gab 
Dann hätte ich dem ganzen vielleicht nicht den Rücken gekehrt (aber man selbst kann da auch nicht soviel dran ändern, bevor jetzt wer ankommt und sagt "dann mach doch selber". Fand da das Interview mit Ferry Corsten über den 90er Sound ganz gut ) |
Du gehörst auch zu der Fraktion...früher war alles besser!!
...man muss halt das beste aus der Situation machen, dann löppt dat
schon! Aber wenn man halt keinen Bock mehr auf "gewisse" Musik
mehr hat, bringt es auch nichts, ständig über irgendwelche Musikrichtungen zu meckern! Dann erzähle mir doch mal,
wo es 99-2001, wie du es sagst "Überraschungsproduktionen", gab?
Die gibt es heute mit Sicherheit auch noch, nur dich "schockt" die
Musik halt nicht mehr....
ASOT z.B. findest du Scheiße, aber wenn da was von Dir läuft, ist es wieder gut, oder wie? ...nur mal so als Frage...
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Oct-02-2006 18:03
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Cembalo
tranceaddict in training
Registered: Jul 2006
Location: HH
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Der wichtige Gedanke an Harald Blüchels Kritik an elektronischer Musik zielt für mich geradewegs auf ihre technische Quelle: die Elektronik. Schwingungserzeugende Elektronik ist nicht per se gut oder schlecht, genauso wenig wie es mechanisch erzeugte Klänge sind. Elektronisch lassen sich Klänge erzeugen, die sich mechanisch nicht oder nur schwer erzeugen lassen. Durch die Elektronik wird das aus der Natur bekannte Klangspektrum enorm erweitert. Komplexe Ideen lassen sich ohne viel Aufwand und handwerkliche Fähigkeiten relativ rasch umsetzen, wie Harald Blüchel sagt. Genauso wie er beobachte ich das eigentliche Paradoxon: Auf der einen Seite stehen dank Elektronik den ins nahezu Unendliche potenzierten akustischen Möglichkeiten wenige phantasievolle und anspruchsvolle Ergebnisse auf der anderen Seite gegenüber. Warum? Ist es vielleicht der allgemeine Effekt, daß eine größere Auswahl nur ablenkt und damit nicht gerade phantasiefördernd ist?
Beispiele phantasievoller Technostücke mit guten Ideen hat für mich Atilla Girisken unter Cocooma und unter anderen Namen geliefert. "Flying Saucer" ist für mich das unangefochtene Paradestück, das mit vielen guten Einfällen aufwartet: Es wird eine kleine Geschichte erzählt, nach ca. zwei Minuten wird das Stück aus vollem Lauf für ca. zwei Sekunden abrupt stumm geschaltet, an anderer Stelle dasselbe mit einem Brummton unterlegt, zweimaliger Aufbau von Spannungsbögen, gegen Ende eine Acid-Einlage. Negativ ist das, woran 95% aller Technostücke in meinen Augen kranken: Das immer gleiche Wiederholen der paar verschiedenen Melodien eines Stückes mit den immer gleichen vier verschiedenen Tonlagen. Die positiven Einfälle überwiegen in meinen Augen aber das Ausschlachten dieser Melodien.
Aus einer anderen Kategorie auf der elektronischen Ebene zählen für mich die Klangwelten der gesamten LP "Oxygene" von Jean Michel Jarre zum phantasievollen, ideenreichen Musizieren mit Hilfe von Elektronik.
In diesem Zusammenhang möchte ich die Verbindung zu dem Instrument, für das mein Forumsname steht, herstellen. Der schöne leicht metallisch klirrende Klang der von Kielen angerissenen Stahlsaiten des Cembalos hat für mich einen technischen Geschmack. Den reinen natürlichen Klang einer Klaviersaite mag ich dagegen weniger gern. Das Cembalo hat perkussiven Charakter.
Um zu Harald Blüchel zurückzukehren: Ich lese auch aus seiner Kritik heraus, daß Melodien, die jemandem mal eingefallen sind, zuverlässig (evt. mit veränderter Tonlage) wiederholt werden. Eine Fortentwicklung findet nicht statt. Muß (Hard-)Trance per Definition monoton einschläfernd sein (Trance = schlafähnlicher Zustand)? Warum kleben Technokomponisten bloß so oft und gerne an ihren simplen Viertonmelodien fest? Untereinander werden die Stücke dadurch gleicher, uniformer, un-unterscheidbarer und beliebiger, um es mit Harald Blüchels Worten zu sagen.
Ob die Stücke rythmusbetont oder rein melodiös, orchestral sind, sehe ich nicht als seinen (und diesem Falle auch meinen) Kritikpunkt. Ein Stück hebt sich aus der Masse der gleichen un-unterscheidbaren durch gute, außergewöhnliche Einfälle heraus. Was gute, außergewöhnliche Einfälle sind, ist natürlich relativ. Auf jeden Fall wird Musik dadurch bunter.
Harald Blüchel spricht gegen Ende des Interviews die Kommerzialisierung an. Die Uniformität der elektronischen Musik sieht er auch darin begründet, daß Musik mehr und mehr wirtschaftlichen als künstlerischen Aspekten unterworfen wird. Außergewöhnliche musikalische Einfälle, die die Masse der Konsumenten nicht goutiert, kann sich nur jemand leisten, dem die künstlerische Freiheit wichtiger ist als der wirtschaftliche Erfolg. Ihm ist die künstlerische Freiheit wichtiger. Deshalb hat er sich unabhängig gemacht (von Sponsoren und anderen "wichtigen" Leuten) und macht alles selbst, was für ihn natürlich auch mehr Arbeit bedeutet.
@ Sir. Lunchalot
Analytisches Herangehen an Dinge, die überwiegend von Gefühlen bestimmt werden, halte ich in den meisten Fällen auch nicht für sinnvoll, da sich Gefühle nicht (immer) begründen lassen. Andererseits lassen sich in Harmonien Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten finden - im Gegensatz zum chaotisch auftretenden Geräusch. Neben dem reinen Gefühl für die Musik sollte ein Komponist - so wie Blüchel einer ist - meiner Meinung nach schon eine Vorstellung von dem entwickeln, was er vorhat, wenn es nachspielbar sein soll. Improvisationen und spontan entstandene Musik ist für den Augenblick.
Blüchel spannt den Bogen aber weiter von der Musik auf die Gesellschaft. Das Mittelmaß in der elektronischen Musik sieht er, so wie ich ihn verstanden habe, auch in unseren gesellschaftlichen Zuständen ("konturlos", "quotenkonform") liegen. Seine Kritik fällt mir dabei allerdings zu pauschal aus.
@ Cosmique
Wer sachlich vorgetragene Kritik als "Auskotzen" bezeichnet, meint sich selbst. Er ist unfähig, ihm fremde oder entgegenstehende Meinungen sachlich zu erwidern oder zu tolerieren, da er den Kritiker diskreditieren will.
@ dEEkAy
Das Gefühl, daß die Vergangenheit besser als die Gegenwart war/ist, kannten schon die Alten Griechen. In Abrede stellen kann man das nicht. Für den einen trifft dies zu, für den anderen dagegen nicht. Zum anderen unterliegt die gesellschaftliche Entwicklung in allen Bereichen Schwankungen. Nach einer Zeit stürmischer Entwicklungen (in der Neuzeit: z. B.: Internet-, Handyboom; Technomusik) herrscht erst einmal wieder Flaute, eine gewisse Erschöpfung. Die Entwicklungen müssen verdaut werden. Gesellschaftlich durchschlagende Ideen, die meist auf Geistesblitzen einiger weniger fußen, kommen unvorhergesehen.
Mit der Musik ist das ähnlich. Gute Musik kann nicht am Fließband produziert werden. Sie entsteht durch Eingebung. Nicht planbar. In der Dekade der in jeder Hinsicht boomenden Neunziger (wirtschaftlich, Frieden, neue Techniken, ...) bestanden zusätzlich ideale Vorausetzungen dafür. Es herrschte eine gewisse Sorglosigkeit.
Zeiten, in denen gute Musik geschaffen wurde, betrachte ich als abgeschlossen. In der Klassik, wie in der Pop- und Technomusik verfahre ich so (eine Weiterentwicklung in den jeweiligen Bereichen schließt das nicht aus). In der Klassik hört man sich schöne Stücke, deren Entstehung lange zurückliegt, immer wieder gerne mit Freude an. Warum geniert man sich dann, genauso mit älteren Technostücken zu verfahren? Könnte es vielleicht an unserer immer schnellebiger gewordenen Zeit liegen, an der Jagd stets nach dem Aktuellsten, Neuesten? Neues wird immer schneller alt. Sind wir dadurch glücklicher?
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Oct-02-2006 21:08
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