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| quote: | Originally posted by kernkraft
Hallo Leute,
zuerst einmal: ganz erstaunlich, was hier inzwischen zusammengekommen ist. Ich habe ehrlich gesagt damit gerechnet, dass dieser Thread sogar gelöscht wird nach ein paar Antworten, zumal ich auch recht provokativ war und viele Punkte unentschärft habe stehen lassen. Aber hier wird ja tatsächlich rege diskutiert.
1. Szene, die zweite
Die meisten Posts hier drehen sich um das Thema "Szene". Ich denke, da braucht man nicht mehr viel hinzufügen. Ich möchte jedoch anmerken, dass der Begriff offenbar ein sehr dehnbarer ist. Für manche bedeutet Szene schlicht irgendeine Art von Zusammengehörigkeit, das kann natürlich auch global im Internet stattfinden, für andere hingegen (für mich auch) bedeutet Szene eine lokale, sich im Untergrund abspielende Entwicklung neuartiger oder alternativer Kultur. Wer nun recht hat mit seiner Definition von "Szene" soll sich jeder selbst überlegen. Aber ich denke nicht, dass sich der Versuch, in München in meist kleinen Locations eine Trance-Veranstaltung zu etablieren, zur gleichen "Szene", wenn man es so nennen mag, zählen lässt wie internationale Events, zu denen viele Kilometer gereist wird, und auf denen DJs auftreten die schon monatelang keinen Club mehr von innen gesehen haben. Man kann daher einerseits nicht erwarten, dass Leute hunderte von Kilometern nach München reisen, andererseits sollte man auch nicht Salz in die Wunden streuen mit der Behauptung, eine solche Veranstaltung wäre unattraktiv und man solle sich doch mehr anstrengen. Dies sind zwei völlig verschiedene Bereiche, und man sollte sich viel eher, als Vergleiche zu bemühen, informieren was die jeweils anderen so machen und das zumindest respektieren.
2. Was ist Hype?
Ein zweiter Punkt, der hier öfter erwähnt wurde, ist der Hype um eine bestimmte Sache. Mal abgesehen davon, dass sich Hype mindestens genauso schwer definieren lässt wie "Szene", möchte ich doch mal ein paar Dinge klarstellen, die mir negativ aufgefallen sind. Zuerst einmal gibt es eine sehr abschätzige Haltung bei Leuten, die sich für offen bei anderer Musik halten, gegenüber einer Art elektronischer Musik, die auch nur Hype sei. Dies ist auf so vielen Ebenen faktisch und auch prinzipiell falsch, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll. Zuerst einmal ein paar Tatsachen, die unbestritten wahr sind: JA, es gibt den Begriff Minimal. JA, es gibt Leute, die mit Schals und Sonnenbrillen in Clubs gehen, weil es Trends gebieten. JA, man kann, was diese Leute tun, auch Hype nennen, und ebenso JA waren diese Leute in den letzten Jahren sehr auffällig. Aber merkt ihr was? Diese Leute können doch auf keinen Fall pars pro toto für eine Musikrichtung stehen, oder machen diese Leute wirklich die gesamte Musik, schreiben sie die Artikel in den Zeitungen, veranstalten sie Partys und bringen Alben raus, denken weiter, legen Grundlagen für weitere musikalische Entwicklungen in der Zukunft? Natürlich nicht, sie sind nur die Konsumenten, und von denen auch nur ein Teil.
Was viel schlimmer ist, ist die totale Verallgemeinerung, die hier von manchen Leuten gegenüber anderer Musik generell ausgeht, um sich gedankenlos auf eine bessere Stufe zu stellen. Das beste Beispiel ist die Herbeizitierung eines Spiegel-Online(!)-Artikels, um sich über andere Musik öffentlich lustig zu machen, und Spiegel-Online war noch nie dafür bekannt, vom musikalischen Bereich auch nur ein bisschen Ahnung zu haben. Da schreit doch die totale Ahnungslosigkeit oder sogar Hilflosigkeit aus solchem Verhalten, und dieselben Leute vertragen nicht das geringste bisschen Kritik an dem, was sie selbst machen. Man könnte sich ja mal darüber informieren, wie diese Musik, die in den allermeisten Fällen besser House oder Techno genannt würde, ohne Internet und Mainstream entstanden ist und sich Trance erst DANACH hieraus entwickelt hat, heutiger Trance sogar erst in den 2000er Jahren, wohingegen die Wurzeln anderer elektronischer Musik bis in die 80er-Jahre oder sogar noch weit vorher zurückreichen. Das waren meiner Meinung nach richtige Szenen an Orten wie Berlin, Frankfurt oder Detroit, was man garnicht genug respektieren kann, und daran können auch die oberflächlichen Schalspackos nichts ändern.
Man könnte es auch sehr einfach Hype nennen, was zur Zeit um Armin herum passiert. Nur noch Großevents, Features in Magazinen, die sich mehr dem Kommerz als der Kultur verschrieben haben, ein Album, was er gar nicht selbst gemacht hat. Sondern Benno de Goeij von Rank 1, Geert Huinink, DJ Shah, und z.B. Sean Tyas für ihn, Leute aus der so genannten "zweiten Reihe". Weil er ja so beschäftigt ist mit Geld verdienen und immer lächeln. Bevor sich jemand beschwert: Auch Tiesto und gerade Paul van Dyk hatten auf ihrem jeweils letzten Album VERDÄCHTIG viele "Ko"-Produzenten. Und das kauft ihr denen ab? Ich weiß nicht, ob es bewusst oder aus Gedankenlosigkeit unbewusst passiert, wenn das Selbstbewusstsein der deutschen Trancelandschaft dann noch mit Aussagen gestreichelt wird, es ginge ja bergauf und es würde sich bald lohnen, hier etwas zu etablieren. Klar hört man das dann gerne und fühlt sich besser.
Aber würde es sich nicht manchmal lohnen, sich in den Keller zurückzuziehen und darauf zu besinnen was wirklich um einen herum passiert? Klar, hier muss man jetzt trennen, zwischen den Leuten, die nur konsumieren, und denen die auch selbst etwas tun, sei es Auflegen wie die größte Mehrheit hier, oder selbst Produzieren, oder Partys veranstalten. Diejenigen, die nur konsumieren, sind da weitaus schwerer greifbar. Konsumverhalten kann man ja nicht vorschreiben, und in Zeiten des Internets fällt es auch schwerer, eine Verantwortung auf die CD-Käufer und Unterstützer gewisser Musik zu schieben. Aber zumindest die Macher, die Aktiven, haben doch eine Verantwortung, gerade die DJs. Es würde sich lohnen, sein Wissen zu erweitern, seinen eigenen Geschmack zu finden, und vollkommen hinter dem zu stehen, was man macht, und nicht andere Leute vorschreiben lassen, was sein soll. Erst dann wird sich ein Erfolg einstellen, aber dass es funktionieren kann, haben schon vielfach Kreise oder Szenen auch in Deutschland bewiesen. Und da kann man nicht geografische Fakten herbeiziehen, Holland habe ja wesentlich weniger Einwohner, und die Einwohner noch eine total andere Einstellung zum Feiern, ich würde sagen das ist der subjektive Eindruck, dass in der Ferne immer alles besser ist. Holland hat einfach den Vorteil, dass es so kompakt ist. In Deutschland entstehen halt Subkulturen in verschiedenen Regionen, in Mannheim gab es eine Weile lang sehr viel Drum n Bass, hier bei mir und in Bremen auch, Berlin und Frankfurt haben einen Sound, Köln ebenso, und die Münchener House-Szene ist ja auch berüchtigt. Nur weil man in Zeiten des Internets so auf ein einziges Land schauen kann, heißt es ja nicht, dass dort alles besser ist. Da darf man doch gerne etwas kritischer sein und sich auf sich selbst besinnen.
Ich glaube, das alles kann nur in Wohlgefallen aufgelöst werden, wenn man nicht stillsteht, sondern sich immer weiter informiert, kritisch ist, schlechte Entwicklungen erkennt, sich distanziert, gute Entwicklungen fördert und ein gewisses Verantwortungsbewusstsein schafft.
Für mich persönlich zählt dazu zum Beispiel, seit längerem nicht mehr die Raveline zu lesen, sondern die Groove. Es zählt für mich dazu, praktisch keine anderen Sets mehr zu hören, sondern die Platten, die man mag, selbst zu finden und eben auch den mp3-Einheitsbrei im Internet nicht zu unterstützen. Dann kann sie einem z.B. auch keiner vor- oder nachspielen. Es zählt für mich dazu, eigene Musik zu machen, ohne Computer, der es einem zu einfach macht, um wirklich etwas zu lernen und Schritt für Schritt einem eigenen musikalischen Idealbild näher zu kommen. Das ist alles teilweise ganz schön schwer, aber entspricht meinem eigenen Ideal.
Es zählt für mich auch dazu, immer wieder gegen Gedankenlosigkeit anzukämpfen, daher viel Spaß beim Weiterdenken und -diskutieren
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hehe - na das zeigt doch ansich nur, dass sich viele echt viele gedanken um das thema machen und sich den (un)mut mal von der seelereden. ich find das gut...
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