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Zu gut gemeinte Kinderoper: Mozart im Märchentantenton
Junges Musiktheater
HAMBURG - In der Eilbeker Lounge H1 hat das Junge Musiktheater Hamburg (JMH) nun eine feste Spielstätte; das Programmheft ist trendy gestylt, und die Kultursenatorin gibt dem Team ihre besten Wünsche mit auf den Weg: perfekte Rahmenbedingungen also für die Saisoneröffnung mit einer Kinderfassung von Mozarts "Zauberflöte". Nur das künstlerische Niveau ließ noch Spielraum für mehr Professionalität - von der holprigen Klavierbegleitung über die pannensatte Lichtregie bis zum szenisch-dramaturgischen Gesamtarrangement.
So bringt etwa der Verzicht auf die heiklen Arien von Tamino und der Königin der Nacht zwar den erwünschten Zeitgewinn, raubt der Oper allerdings auch einige ihrer musikalischen Highlights. Schade. Schön dagegen die Idee, das mitunter etwas verworrene Handlungsgeflecht von einer Erzählerin aufdröseln zu lassen - aber die agierte mit jenem überdeutlichen Märchentantenton, den die zeitgenössische Musikpädagogik längst ad acta gelegt hat: eigentlich überflüssig, ebenso wie das laszive Hüftgeschwinge der drei Damen und die krampfhaft crossovernde Hip-Hop-Dance-Einlage. Das hat Mozart nicht nötig. Denn da, wo er selbst zu Wort kam, fand die Aufführung zu ihren stärksten Momenten: als Pamina einfach mal schön singen durfte oder der witzige Papageno temporeich mit seiner Papagena herumtollte.
Natürlich gingen nicht nur sie, sondern alle Darsteller mit viel Herzblut zur Sache. Und selbstverständlich gebührt so einem Projekt generell der größte Respekt. Aber Kinderoper muß vor allem richtig gut gemacht sein - gut gemeint reicht nicht aus.
Der eher gemischte Gesamteindruck bestätigte sich auch wenig später beim Eröffnungskonzert der neuen JMH-Reihe "Opera4fiends" an gleicher Stelle: Einerseits versprühte die teilweise stur abgelesene Moderation den Charme des halbgar Dahingewurschtelten, andererseits zeigten vor allem die Frauenstimmen beachtliches sängerisches Potential. Dieses noch weiter fördern, verfeinern und mit gleichwertigen szenischen Mitteln kombinieren zu können wäre dem Jungen Musiktheater für die Zukunft zu wünschen.
Stä
erschienen am 12. September 2006 im Hamburger Abnedblatt
http://www.abendblatt.de/daten/2006/09/12/610233.html
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