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TranceAddict Forums > Local Scene Info / Discussion / EDM Event Listings > Europe > Europe - Germany > interessantes Interview mit Harald Blüchel alias Ex-Cosmic Baby
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Cosmique
Supreme tranceaddict



Registered: Dec 2003
Location: Berlin

quote:
Originally posted by Cembalo
@ Cosmique

Wer sachlich vorgetragene Kritik als "Auskotzen" bezeichnet, meint sich selbst. Er ist unfähig, ihm fremde oder entgegenstehende Meinungen sachlich zu erwidern oder zu tolerieren, da er den Kritiker diskreditieren will.


das ist totaler unfug !!!!

Mal eine Frage: wie viele interviews von Cosmic Baby (bzw. ex ...) hast du schon gehoert / gelesen?

Ich kann mich erinnern, er war ab und an mal gast bei Marcos Lopez im Soundgarden bei Fritz. Und da lief es genauso.

Jede Frage die Marcos ihm stellte endete in einer geschichte von 'damals' mit der endgueltigen aussage 'frueher war alles besser'. Und genau so ist es in diesem Interview hier. Lies es dir doch mal in ruhe durch, es hat null informationswert und geht einfach nur darum wie toll damals alles war und jetzt nicht mehr (was aus meiner sicht im uebrigen volliger an den haaren herbeigezogener mist ist).

Old Post Oct-03-2006 16:13  Germany
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Cosmique
Supreme tranceaddict



Registered: Dec 2003
Location: Berlin

quote:
Originally posted by MirkoS
Ich kann mich mit der Musik von heute fast gar nicht mehr identifizieren.


ich will dir echt nicht zu nahe treten aber das wirft bei mir eine frage auf:

Warum konsumierst du die musik dann noch

Old Post Oct-03-2006 16:16  Germany
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MirkoS
300! Blut muß fliessen!!!



Registered: Aug 2003
Location: Hamburg, Germany | GTA #129

quote:
Originally posted by Cosmique
ich will dir echt nicht zu nahe treten aber das wirft bei mir eine frage auf:

Warum konsumierst du die musik dann noch


Ganz einfach!
Ich warte auf Besserung!
Spaß beiseite. Es gibt immer noch gute DJ´s bzw. gute Tracks.

Allerdings fehlt mir dieser "Flash", den ich früher gehabt habe.
Damals war man richtig heiss!
Heutzutage ist es leider nicht mehr so.

Na ja der nächste Trnceport kommt bestimmt!


___________________

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Old Post Oct-03-2006 20:54  Greece
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Sir. Lunchalot
Paradenliebhaber



Registered: Aug 2001
Location: GTA #2

Bin jetzt erst dazugekommen mir dieses lange Post mal durchzulesen.

quote:
Originally posted by Cembalo
Der wichtige Gedanke an Harald Blüchels Kritik an elektronischer Musik zielt für mich geradewegs auf ihre technische Quelle: die Elektronik. Schwingungserzeugende Elektronik ist nicht per se gut oder schlecht, genauso wenig wie es mechanisch erzeugte Klänge sind. Elektronisch lassen sich Klänge erzeugen, die sich mechanisch nicht oder nur schwer erzeugen lassen.



Worte wie "schwingungserzeugende Elektronik" weisen für mich auf eine sehr technokratische Sicht der Dinge hin (was ich oben auch versucht habe mit "analytisch" zu berschreiben). Eine Musik nach technischen Kriterien statt dem wie sehr es die Menschen berührt zu beurteilen kann nur zu einem gespaltenem Verhältniss zur Musik führen. Einerseits möchte man es gut finden, aber andererseits kann man es nicht, weil man nicht genießen kann, weil erstmal alles nach "Kriterien" beurteilt und zerlegt werden muss. Dieses Verhalten findet man übrigens auch oft in Clubs vor, wenn Leute, die eigentlich auf die Musik stehen auf einmal mit verschränken Armen dastehen und auf die Frage was denn sei Dinge antworten "Den Übergang hat er beim letzten mal auch so gemacht. Der macht immer den gleichen Übergang". Man kann das natürlich auch ausserhalb des Clubs machen. Beispiel? Ok...


quote:
Originally posted by Cembalo
Beispiele phantasievoller Technostücke mit guten Ideen hat für mich Atilla Girisken unter Cocooma und unter anderen Namen geliefert. "Flying Saucer" ist für mich das unangefochtene Paradestück, das mit vielen guten Einfällen aufwartet: Es wird eine kleine Geschichte erzählt, nach ca. zwei Minuten wird das Stück aus vollem Lauf für ca. zwei Sekunden abrupt stumm geschaltet, an anderer Stelle dasselbe mit einem Brummton unterlegt, zweimaliger Aufbau von Spannungsbögen, gegen Ende eine Acid-Einlage.



Versteh mich nicht falsch. Ich LIEBE Flying Saucer, aber es als das Paradebeispiel für phantasievoll zu bezeichnen halte ich für ein wenig
übertrieben. Warum? Weil das einbringen möglichst vieler und / oder verschiedener "Abwechslungen" noch kein gutes Lied macht. Für mich war der große Unterschied von Trance / Techno zu "normaler" Musik immer, dass die Musik Gefühle auslöst, indem sie direkt vom Ohr ins Gehirn geht und dort ein Gefühl auslöst, wohingegen normale Musik (textbeladen) immer erstmal durch eine Assoziationsstufe hindurchlaufen muss, also übersetzt werden muss. Durch diesen Wegfall eines Assoziationsschritts entsteht (meiner Theorie nach bzw. dem wie ich die Musik erlebe) ein höherer Genuß. Wenn ich mir ein Lied anhören würde und es nach "Wieviel Abwechslung und kreative Momente hat der Künstler in dem Set" anhören würde, dann käme ich nie zum genießen. Wenn es zu langweilig ist, dann wird sich irgendwann das Gefühl bei mir einstellen - auch ohne, dass ich mitzähle wie oft das Temp wechselt o.ä.



quote:
Originally posted by Cembalo
Um zu Harald Blüchel zurückzukehren: Ich lese auch aus seiner Kritik heraus, daß Melodien, die jemandem mal eingefallen sind, zuverlässig (evt. mit veränderter Tonlage) wiederholt werden. Eine Fortentwicklung findet nicht statt. Muß (Hard-)Trance per Definition monoton einschläfernd sein (Trance = schlafähnlicher Zustand)? Warum kleben Technokomponisten bloß so oft und gerne an ihren simplen Viertonmelodien fest? Untereinander werden die Stücke dadurch gleicher, uniformer, un-unterscheidbarer und beliebiger, um es mit Harald Blüchels Worten zu sagen.



Ich hielte es für etwas sehr vermessen (und auch nicht mit der Aussage der "uendlichen Möglichkeiten im elektronischen Klangspektrum" vereinbar), wenn man sagen würde, dass nur noch wiederholt würde, weil alle guten Melodien schon mal jemandem eingefallen sein.



quote:
Originally posted by Cembalo
@ Sir. Lunchalot

Analytisches Herangehen an Dinge, die überwiegend von Gefühlen bestimmt werden, halte ich in den meisten Fällen auch nicht für sinnvoll, da sich Gefühle nicht (immer) begründen lassen. Andererseits lassen sich in Harmonien Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten finden - im Gegensatz zum chaotisch auftretenden Geräusch. Neben dem reinen Gefühl für die Musik sollte ein Komponist - so wie Blüchel einer ist - meiner Meinung nach schon eine Vorstellung von dem entwickeln, was er vorhat, wenn es nachspielbar sein soll. Improvisationen und spontan entstandene Musik ist für den Augenblick.


Nach dieser Definition könnte man elektronsiche Musik vom Computer erfinden lassen, wenn es nur auf Gesetzmäßigkeiten ankommt. Dann braucht man keine "kreativen" Künstler mehr.




quote:
Originally posted by Cembalo
@ dEEkAy

Das Gefühl, daß die Vergangenheit besser als die Gegenwart war/ist, kannten schon die Alten Griechen. In Abrede stellen kann man das nicht. Für den einen trifft dies zu, für den anderen dagegen nicht.

...

Zeiten, in denen gute Musik geschaffen wurde, betrachte ich als abgeschlossen.

...


Tempora mutantur - et nos cum illis.

Vielleicht bleibt einfach jeder mal stehen? Wie die Schlager Fans, die in den sechzigern stehen geblieben sind und das bis heute hören? Ich kenne viele Leute, die nur "das alte Zeug" hören und das neue rundherum ablehnen mit dem "früher war alles besser" Argument. In der Trance Szene gibt es da übrigens schon 2 "Generationen". Die Leute, für die nur das Zeug aus Mitte der 90er gut ist und die Leute, die sagen, alles ausser 99-2001 sei Scheiße.

Das "früher war alles besser" Argument stimmt aus meiner Sicht nicht. Es ist nicht schlechter, sondern anders und vielleicht passt das alte einfach besser zu einem, weil man sich nicht mehr auf etwas neues einlässt oder einlassen will? Das ist an sich nichts verwerfliches. Stören tut es mich erst dann, wenn daraus eine Schlussfolgerung gezogen wird, die darauf hinausläuft, dass heute alles schlechter ist, nur weil es nicht mehr zu einem passt. Das "Problem" ist eigentlich nie die andersartige Musik, sondern meistens man selber.


Mal wieder viel zu viel Text geschrieben...


___________________

Old Post Oct-04-2006 18:54  Germany
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Inyrie
Bunnyrie



Registered: Jun 2003
Location: MUC | GTA #141 | Leon S. Kennedy Fan Alliance

quote:
Für mich war der große Unterschied von Trance / Techno zu "normaler" Musik immer, dass die Musik Gefühle auslöst, indem sie direkt vom Ohr ins Gehirn geht und dort ein Gefühl auslöst, wohingegen normale Musik (textbeladen) immer erstmal durch eine Assoziationsstufe hindurchlaufen muss, also übersetzt werden muss


...dann hast du abseits der Charts-Musik, in denen das Gefühl nur in immer wiederkehrenden Phrasen steckt (übertrieben gesagt), weil die breite Masse es anders nicht mehr spürt, noch nicht wirklich viel an "nicht-elektronischer" Musik gehört (wag ich mal zu behaupten)... Ich weiß schon, warum ich vom Progressive Rock bei Trance gelandet bin.
Ich hab festgestellt, dass überall dort, wo die Musik abseits von Massenkompatibilität wandert, nicht nur die Länge der Stücke zunimmt ( ), sondern auch die Notwendigkeit, Gefühle nur durch Gesang auszudrücken, abnimmt. Und das ist nicht nur bei "Trance" so.

Ich halte sowieso nichts davon, Künste wie Musik, Malerei oder Literatur nach nüchternen analytischen Gesichtspunkten zu werten. Es steckt vielleicht eine geniale Struktur hinter manchem Werk, aber nicht, weil der Künstler will, dass die Leute das Werk betrachtet und sagen "Aha, der Pinselstrich / diese Tempowechsel / diese Metrik ist meisterhaft", sondern weil er bewegen will.

Wenn uns heute die Musik, die wir einst geliebt haben, nicht mehr bewegt, dann sicher nicht, weil sie gleichförmiger geworden ist, sondern weil wir einfach übersättigt sind. Von zuviel Schokolade wird einem schließlich auch schlecht

@Cembalo: Ansonsten muss ich sagen, dass ichs erfrischend fand, dass sich hier mal tatsächlich wieder jemand die Mühe gemacht hat, sich mit etwas gründlicher auseinander zu setzen - und das sogar abseits von Bloodys Weisheits-Ergüssen im Solo-Thread


___________________
quote:
Originally posted by darkstar
bist du eigentlich das vorwaschprogramm oder der schleudergang luniq?


quote:
Originally posted by schlauf
Und was mache ich, wenn ich melodiöslastigen Flächenelektro hören will?

Old Post Oct-04-2006 20:01  Germany
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Frank-HH
xxx



Registered: Aug 2003
Location: Hamburg // Germany

quote:
Originally posted by Sir. Lunchalot
Das "früher war alles besser" Argument stimmt aus meiner Sicht nicht. Es ist nicht schlechter, sondern anders und vielleicht passt das alte einfach besser zu einem, weil man sich nicht mehr auf etwas neues einlässt oder einlassen will? Das ist an sich nichts verwerfliches. Stören tut es mich erst dann, wenn daraus eine Schlussfolgerung gezogen wird, die darauf hinausläuft, dass heute alles schlechter ist, nur weil es nicht mehr zu einem passt. Das "Problem" ist eigentlich nie die andersartige Musik, sondern meistens man selber.


100% genau meine meinung! aber soooo was von!!!!

Last edited by Frank-HH on Oct-04-2006 at 20:24

Old Post Oct-04-2006 20:04  Germany
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Cosmique
Supreme tranceaddict



Registered: Dec 2003
Location: Berlin

quote:
Originally posted by Sir. Lunchalot
Das "früher war alles besser" Argument stimmt aus meiner Sicht nicht. Es ist nicht schlechter, sondern anders und vielleicht passt das alte einfach besser zu einem, weil man sich nicht mehr auf etwas neues einlässt oder einlassen will? Das ist an sich nichts verwerfliches. Stören tut es mich erst dann, wenn daraus eine Schlussfolgerung gezogen wird, die darauf hinausläuft, dass heute alles schlechter ist, nur weil es nicht mehr zu einem passt. Das "Problem" ist eigentlich nie die andersartige Musik, sondern meistens man selber.


RICHTIG !!! - aber sowas von - !!!

Old Post Oct-04-2006 20:11  Germany
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Sir. Lunchalot
Paradenliebhaber



Registered: Aug 2001
Location: GTA #2

quote:
Originally posted by Inyrie

@Cembalo: Ansonsten muss ich sagen, dass ichs erfrischend fand, dass sich hier mal tatsächlich wieder jemand die Mühe gemacht hat, sich mit etwas gründlicher auseinander zu setzen


+1 - auch wenn mein Post etwas "zerpflückend" rüber kommt.


___________________

Old Post Oct-04-2006 20:26  Germany
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TomTom
Progressive addict



Registered: Feb 2002
Location: Frankfurt/Germany GTA #40

Ich kann seine Meinung durchaus verstehen, sie ist halt nicht meine aber an seinem Standpunkt gibt es ja wohl wenig zu rütteln, wenn er die Dinge nun mal so (radikal) sieht. Das sowas alleine schon manchmal zum Verbrechen hochstilisiert wird, werde ich allerdings nie verstehen. Die Welt ist voller Meinungen anderer und wer sich von so etwas angegriffen fühlt, sollte sich fragen warum. Das ist für mich dasselbe wie das Diskreditieren von anderen Genres, nur weil sie einem nicht zusagen. Wenn man hinter dem steht, was man mag, was juckt einen da die Meinung anderer?

Schade finde ich, dass Harald Blüchel resigniert hat, denn solche Aussagen macht man nur, wenn man sich nicht mehr in der EDM-Szene auskennt. Ich kenne keine Zeit in der ich nicht genug gute Musik gehört habe. Die Kunst ist nur, am Ball zu bleiben und die Perlen aus der Grütze herauszupicken. Es gab zu jeder Zeit genug innovative releases und nur weil er sie nicht mehr kennt, heisst es nicht, dass es sie nicht gibt. Mich würde interessieren, wie er die klassichen Elemente heutzutage mit elektronischen Elementen vermischen würde aber das wird es wohl nicht geben. Wobei hier interessant ist und es für mich auch offenbar wird, dass er resigniert bzw. einfach das Interesse verloren hat, ist das er ja nicht mal selbst was Neues in Richtung EDM machen will. Was juckt es denn einen Künstler wenn seiner Meinung nach alle anderen nur Konventionsrotz herausbringen? Das ist für interessierte Künstler doch nur mehr Ansporn es besser zu machen.

Old Post Oct-05-2006 19:35  Germany
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HHBLACKSTAR
Supreme tranceaddict



Registered: Nov 2004
Location: HAMBURG,Germany,GTA#243

Ich bin nicht der Meinug ,das ALLES früher besser war - ich bin seit 1990 dabei -habe den Anfang ,den Höhepunkt ,die Kommerzionalisierung und auch den Rückzug in vernünftige Grenzen miterlebt ( was ich auch ganz gut finde-ich brauche keine Trance-Track in den Hitparaden).

Wenn ich teilweise die Musik von früher höre -schüttel ich nur den Kopf und frage mich -was ich daran mal gut fand !
Allein schon der Bass ...

Cosmic Baby oder auch Kid Paul sind damals früh ausgestiegen und ich hatte auch nie das Gefühl ,das sie so vile Herzblut wie z.B. Westbam in diese Musik legten....

Old Post Oct-05-2006 19:44  Angola
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Cembalo
tranceaddict in training



Registered: Jul 2006
Location: HH

@ Cosmique

quote:

Originally posted by Cosmique
das ist totaler unfug !!!!

Mal eine Frage: wie viele interviews von Cosmic Baby (bzw. ex ...) hast du schon gehoert / gelesen?

Ich kann mich erinnern, er war ab und an mal gast bei Marcos Lopez im Soundgarden bei Fritz. Und da lief es genauso.

Jede Frage die Marcos ihm stellte endete in einer geschichte von 'damals' mit der endgueltigen aussage 'frueher war alles besser'. Und genau so ist es in diesem Interview hier. Lies es dir doch mal in ruhe durch, es hat null informationswert und geht einfach nur darum wie toll damals alles war und jetzt nicht mehr (was aus meiner sicht im uebrigen volliger an den haaren herbeigezogener mist ist).


Es geht mir um den Stil, wie miteinander umgegangen wird auch mit denen, die sich nicht äußern können. Die Worte, die Du verwendest, beschreiben unmittelbar Deine Verfassung - im Guten wie im Schlechten. Schmähworte bringen rein gar nichts - außer Ärger. Eine feindselige Haltung macht auf Dauer krank.

Wenn Du Dich verständlich machen willst, mußt Du Dir schon die Mühe machen und erklären, warum das Interview für Dich keinen Informationswert hat. Deine Gedanken und Ansichten überzeugen am Ehesten, wenn Du sie mit eigenen Worten erläuterst und vertrittst. Erst dann kann ich Dir erwidern. Wenn ich etwas selbst lese, bilde ich mir meine eigene Meinung. Erst der konstruktive Austausch untereinander (kann) zum Überprüfen der eigenen Position sowie zum Umdenken führen. Von sachlichen Auseinandersetzungen kann jeder für sich profitieren.


Warum darf Harald Blüchel das, was er in der Vergangenheit erlebt und erfahren hatte, nicht "toll finden", so wie Du es ausdrückst? Denn bei Dir ist es doch, so wie ich es bei Dir lese, gerade umgekehrt: "Damals war alles nicht toll, aber dafür jetzt". Sollte ich jetzt Schmähworte verwenden, wenn ich es anders sehe?

Was ist "toll", Deiner Meinung nach? Warum wird Deiner Meinung nach elektronische Musik immer besser, gibt es mehr und mehr Einzigartiges und Herausragendes (also weniger "Kopien von Kopien von Kopien")? Das Interview sollte Dir genügend Anhaltspunkte geben, um Deine Sicht begründet und nachvollziehbar dagegenzustellen. Ich bin daran interessiert.


allgemein:
Mich interessiert nicht, wer etwas sagt, sondern was jemand sagt. Wenn die "falsche" Person etwas Richtiges sagt, wird das Richtige dadurch nicht falsch.


@ Sir. Lunchalot

quote:

Schwingungserzeugende Elektronik ... mechanisch erzeugte Klänge


Ich schrieb eingangs von der technischen Quelle der Musik. D. h. nichts anderes, als daß es ohne Instrumente keine Musik gibt (Gesang ausgenommen). Das ist trivial und darüber sollte eigentlich Einigkeit bestehen. Der inspirierteste Geist ist ohne Instrumente hilflos (Er kann vielleicht noch mit einem Bleistift die Noten notieren oder singen.). Meine Grundfrage war doch, ob ein Instrument, das sehr sehr viele Möglichkeiten bietet, phantasieanregend oder eher -hemmend ist. Das hat mit der Beurteilung des Endergebnisses nach instrumentalen Kriterien nichts zu tun. Nocheinmal: Bringt ein Überfluß an Möglichkeiten ("ich kann aus dem Vollen schöpfen") eine größere Bandbreite, ein größeres Spektrum an Ideen hervor?

Die gleiche Musik wirkt auf jeden anders, weil jeder anders ist (Erfahrungen, Erziehung, Kultur, Umwelt, Empfindungen & Gefühlswelt, Gene ...). Zu dieser trivialen Feststellung sollte es ebenfalls keinen Dissens geben.

Was schön ist und was nicht, darüber gibt es erstaunlicherweise einen breiten Konsens. Man hat Versuchspersonen verschiedene Gesichter vorgelegt, aus denen sich dann ein Schönheitsideal herausdestillieren ließ. Ebenfalls tendiert das Ohr eher zu harmonisch aufeinander abgestimmten Tönen und Klangspektren. Das schließt nicht aus, daß jemand Disharmonien schön findet, wie sie z. B. in der modernen klassischen Musik zu hören sind.

Ich denke, sich über diese Zusammenhänge im Klaren zu sein, kann nicht schaden. Beim ersten unmittelbaren Hören treten diese Dinge bei mir in den Hintergrund. Da wirkt Musik zuvorderst auf meine Gefühlswelt ein. Da entscheidet sich recht schnell, ob mir ein Stück gefällt oder nicht. Wird das Stück nun bald lanweilig oder weckt es bei jedem Hören aufs neue mein Interesse? Wie auch sonst im Leben denke ich, daß man nach dem Abklingen der ersten Hochgefühle die Angelegenheit nüchterner sieht. Eine monoton wiederholte Melodie - sei sie zunächst auch noch so schön - nutzt sich da in meinen Ohren schnell ab. Spannungsreiche Abwechslung, in der man bei jedem Hören etwas neues entdeckt (mein Technobeispiel "Flying Saucer"), läßt meine Neugierde, mein Interesse an dem Stück, ja meine Gefühle für das Stück länger anhalten. Ein feines Gehör erfreut sich an den Nuancen eines Musikstückes.

Jeder höre nach der Art Musik, die er im Laufe der Zeit für sich als gut herausgefunden hat, ohne den anderen missionieren zu wollen. Wie oben schon angedeutet, können Erfahrungsberichte und Gedanken anderer für einen selbst evt. nützlich sein.


Zum Gesang, den Du auch ansprichst: In der Abneigung gegen Gesang sind wir uns im Prinzip einig. Einzelnen Gesangsstimmen (wie z. B. Kate Bush) oder bestimmter Chormusik kann ich durchaus etwas abgewinnen. Über das "Warum" möchte ich aber einige Fragezeichen setzen ("Assoziationsstufe durchlaufen"). Die menschliche Stimme als das erste Instrument des Menschen sollte eigentlich ohne Übersetzung direkt auf die Gefühle einwirken: anbrüllen, schreien, sanft säuseln, monoton reden, lachen, feixen, weinen, flüstern usw. lösen beim Gegenüber in der Regel bestimmte Reaktionen und/oder Gefühle aus. Der gesprochene/gesungene Text ist da vor der Stimme (und vor Mimik und Gestik) zweitrangig, weil die "Ursprache" allgemein verständlich ist.


quote:

Originally posted by Sir. Lunchalot
quote:

Originally posted by Cembalo
Um zu Harald Blüchel zurückzukehren: Ich lese auch aus seiner Kritik heraus, daß Melodien, die jemandem mal eingefallen sind, zuverlässig (evt. mit veränderter Tonlage) wiederholt werden. Eine Fortentwicklung findet nicht statt. Muß (Hard-)Trance per Definition monoton einschläfernd sein (Trance = schlafähnlicher Zustand)? Warum kleben Technokomponisten bloß so oft und gerne an ihren simplen Viertonmelodien fest? Untereinander werden die Stücke dadurch gleicher, uniformer, un-unterscheidbarer und beliebiger, um es mit Harald Blüchels Worten zu sagen.


Ich hielte es für etwas sehr vermessen (und auch nicht mit der Aussage der "uendlichen Möglichkeiten im elektronischen Klangspektrum" vereinbar), wenn man sagen würde, dass nur noch wiederholt würde, weil alle guten Melodien schon mal jemandem eingefallen sein.


Du hast mich hier mißverstanden. Ich meinte nicht, daß gute Melodien von anderen kopiert werden (, was ebenfalls nur einfallslos ist), sondern daß nur eine oder einige wenige Melodien in einem Stück anzutreffen sind (-> Stichwort Interesse an dem Stück oder Gefühle für das Stück erhalten). Ob das nun gut oder schlecht ist, möge jeder für sich beantworten. Eine Melodie in einer Endlosschleife (evt. mit veränderter Tonlage) wirkt auf mich nach mehrmaligem Hören penetrant. Ich stellte oben ja schon die Frage, ob das bei dieser Musikrichtung vielleicht sogar beabsichtigt ist: Trance = schlafähnlicher Zustand. Gleichsam wie ein Schamane versetzt ein Technokomponist über den DJ durch endlose Wiederholungen gleicher Klangfolgen sein Auditorium in Trance. Im Club oder der Diskothek werde ich davon u. U. bei schnellem Rythmus mitgenommen (im Sinne von "abheben"). Zu Hause möchte ich aber Nuancen in einem Stück entdecken, über deren Wiedererkennen beim Hören in der Diskothek ich mich durchaus auch freue. Das sind meine zwei verschiedenen Ansprüche an gute Technomusik.

Old Post Oct-05-2006 22:19  Germany
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Cembalo
tranceaddict in training



Registered: Jul 2006
Location: HH

weiter:

quote:

Originally posted by Sir. Lunchalot
quote:

Originally posted by Cembalo
@ Sir. Lunchalot
Analytisches Herangehen an Dinge, die überwiegend von Gefühlen bestimmt werden, halte ich in den meisten Fällen auch nicht für sinnvoll, da sich Gefühle nicht (immer) begründen lassen. Andererseits lassen sich in Harmonien Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten finden - im Gegensatz zum chaotisch auftretenden Geräusch. Neben dem reinen Gefühl für die Musik sollte ein Komponist - so wie Blüchel einer ist - meiner Meinung nach schon eine Vorstellung von dem entwickeln, was er vorhat, wenn es nachspielbar sein soll. Improvisationen und spontan entstandene Musik ist für den Augenblick.


Nach dieser Definition könnte man elektronsiche Musik vom Computer erfinden lassen, wenn es nur auf Gesetzmäßigkeiten ankommt. Dann braucht man keine "kreativen" Künstler mehr.


Das schreibe ich nicht. Zum Anfertigen eines Kunstwerkes hat jeder Künstler seine eigenen (erprobten) Methoden. Der eine macht sich einen Plan, wie er vorgehen will, was er schaffen will, was er ausdrücken will. Der andere legt spontan los und läßt sich nur von seinen Inspirationen treiben. Womit nicht gesagt ist, daß der Planvolle uninspiriert ist. Diese zwei extrem gezeichneten Typen gibt es in Reinform wohl eher selten, während sich die meisten dazwischen ansiedeln. Der Auftragskünstler muß zudem sicher mehr überlegen, wie er sein Ziel erreichen will, als daß er es dem Zufall überläßt. Das fertige Kunstwerk kann sowohl Ergebnis reiner Berechnung sein (Beispiele: positiv: nach mathematischen Gesichtspunkten komponierte Sinfonie neuerer Musik, deren Komponist mir jetzt nicht einfällt; chin. Ornamente, die ich mal gesehen hatte. negativ: am Reißbrett auf hohe Marktakzeptanz hin getrimmte charttaugliche 'Musik'; Kunst, um des Skandals willen) als auch rein einer Eingebung entspringen (Beispiele: ... Das weiß nur der Künstler selbst.).

Ob ein Kunstwerk anspricht und bewegt, hat in der Regel nicht mit seiner Herstellung und seinem Werdegang zu tun, um Inyries Gedanken an dieser Stelle zustimmend zusammenzufassen. Ausnahmen lassen sich allerdings auch finden: Holocaust-Mahnmahl? Neubebauung auf Ground Zero? ...

Ob ein Kunstwerk nun billiger Schrott oder hohe Kunst ist, entscheidet das Publikum. Der Künstler weiß es insgeheim. Kreative Computer gibt es nicht und wird es wohl auch in naher Zukunft nicht geben. Es gibt Kunst vom Computer. Allerdings benötigt der Computer dazu den Menschen für kreative Eingaben (setzen von Anfangsbedingungen; auch Apfelmännchenbilder brauchen Anfangszahlen).
Spontan ohne Noten erklingende Musik läßt sich nicht mehr wiederholen - es sei denn sie wurde aufgezeichnet, um meinen obigen letzten Zitatsatz zu erklären.


quote:

Originally posted by Sir. Lunchalot
quote:

Originally posted by Cembalo
@ dEEkAy
...
Zeiten, in denen gute Musik geschaffen wurde, betrachte ich als abgeschlossen.
...

...
Vielleicht bleibt einfach jeder mal stehen?


Abgeschlossene zeitliche Epochen bedeuten in der Regel nicht, daß der Einzelne sich nicht mehr weiterentwickelt. Persönliche abgeschlossenen Zeiträume sind z. B. die Schulzeit, sportliche Kaderzugehörigkeit, Lehre, Studium etc.. Gesellschaftlich abgeschlossene Zeiten sind z. B. I. und II. Weltkrieg, kalter Krieg, Wiedervereinigung, ...; Einführung von neuen Techniken (Elektrizität und alles, was damit zusammenhängt); alte Theorien in Forschung und Wissenschaft; verschiedene Kunstformen ... . Vieles hinterläßt Spuren in der Gegenwart, die ohne die Vergangenheit nicht möglich ist. Es hat nichts mit Rückwärtsgewandtheit zu tun, sich dessen zu besinnen, woher alles kommt. Aufbau und Fortschritt ist nur möglich, wenn das Bestehende hinterfragt wird. Fehler und Richtiges der Vergangenheit leuchten einem den Weg.

Die sehr allgemein gehaltenen Gedanken lassen sich nun auch auf meinen persönlichen Umgang mit einer sehr speziellen Musik anwenden: Ich höre sehr gerne schnelle Technomusik bestimmter Jahrgänge, frage mich dann aber, warum diese oder jene Melodie bloß so oft wiederholt werden muß.

quote:

Originally posted by Sir. Lunchalot
... Ich kenne viele Leute, die nur "das alte Zeug" hören und das neue rundherum ablehnen mit dem "früher war alles besser" Argument. ...


Ob eine Musik in meinen Ohren gut, mittelmäßig oder schlecht ist, entscheidet nicht der Jahrgang sondern mein rein subjektiver Höreindruck (Eigentlich erwarte ich an dieser Stelle keinen Widerspruch, da es eine triviale Aussage ist.).

quote:

Originally posted by Sir. Lunchalot
... und vielleicht passt das alte einfach besser zu einem, weil man sich nicht mehr auf etwas neues einlässt oder einlassen will? Das ist an sich nichts verwerfliches. Stören tut es mich erst dann, wenn daraus eine Schlussfolgerung gezogen wird, die darauf hinausläuft, dass heute alles schlechter ist, nur weil es nicht mehr zu einem passt. Das "Problem" ist eigentlich nie die andersartige Musik, sondern meistens man selber.


"Offen für Neues sein", "sich auf Neues einlassen" ist eine Aufforderung, die neuesten Erkenntnissen nach (Link zum Artikel vergessen) altersspezifisch unterschiedlich beantwortet wird. Jüngere (bis ~ 35 Jahre) bejahen das. Sie gehen unbekümmerter (auch naiver) an neue Dinge heran. Mit wachsendem Alter und zunehmenden Erfahrungen wird immer weniger jeder Trend mitgemacht. Die permanente Jagd nach Neuem bedeutet auch Streß. Neues muß nicht besser sein, wie man mehr und mehr feststellt. Man ist glücklich mit dem, was man hat, so wie Du es oben nur anders formulierst. Ein Problem entsteht für einen erst dann, wenn man sich verbiegt oder verbiegen läßt.

Extreme sind wie so oft auch hier nicht gut: Dem flippigen jungen Menschen ohne festen Standpunkt und fester Haltung auf der einen Seite steht der verknöcherte sture Alte gegenüber.


@ TomTom

quote:

Originally posted by TomTom
... Was juckt es denn einen Künstler wenn seiner Meinung nach alle anderen nur Konventionsrotz herausbringen? ...


Er wurde von der Süddeutschen anläßlich des Erscheinens seiner Album-Trilogie zu seinem Wandel von Techno zu klassischer Musik befragt. Er wurde nach dem Warum befragt, was er dann aus seiner Sicht beantwortet hat. Zu klären wäre, ob die Initiative zu dem Interview von ihm oder von der SZ ausging, um Deine Frage zu beantworten.

Natürlich muß man sich bemühen neue Stücke zu entdecken, wenn man noch Interesse an dieser Sparte hat. Ähnlich wie Harald Blüchel tendiere ich aber immer mehr zu einem bestimmten Bereich in der Klassik hin, weil ich schon zu oft von neuer Technomusik enttäuscht wurde. Eine spezielle Suche nach solchen Stücken werden ich aus diesem Grunde aber nicht veranstalten. Ich habe mich von dieser einen besonderen Spielart der elektronischen Musik nicht abgewandt, weil ich stets aufs neue wie elektrisiert bin, wenn mich das passende Stück trifft.

Old Post Oct-05-2006 22:22  Germany
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