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Stuttgart und Dusseldorf wollen LP04
| quote: | Dr. Motte sieht schwarz
Love-Parade-Gründer Dr. Motte glaubt nicht mehr daran, dass der Techno-Umzug durch die Hauptstadt in diesem Jahr realisiert werden kann. Während der Berliner Senat auf Zeit spielt, locken bereits andere Bundesländer. Chorleiter Gotthilf Fischer will die Parade nach Stuttgart holen.
DPA
Sieht schwarz für den Techno-Umzug: Paraden-Papst Motte
Er gehe nicht davon aus, dass der Raver-Zug in diesem Jahr durch die Hauptstadt zieht, sagte Love-Parade-Initiator Dr. Motte alias Matthias Roeingh am Donnerstag im Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB). Er sei skeptisch, dass Senat und Veranstalter innerhalb der nächsten zwei Wochen zu einer Lösung kommen. Es müsse genug Zeit zur Organisation der für den 10. Juli geplanten Parade bleiben, die zum insgesamt 15. Mal durch Berlin rollen würde.
Zunächst war davon die Rede gewesen, dass sich die Veranstalter der weltweit größten Techno-Party an diesem Freitag noch einmal mit dem Senat an einen Tisch setzen und über die Zukunft des Umzugs beraten wollen. Inzwischen erklärte die Sprecherin der Love Parade Berlin GmbH, Sünje von Ahn, ein genauer Gesprächstermin mit dem Senat stehe noch nicht. Die Verhandlungen zögen sich sicher in die nächste Woche hinein, hieß es aus Senatskreisen. Der Love Parade fehlen in diesem Jahr nach Angaben der Veranstalter 700.000 Euro.
Der Senat betonte, er unterstütze die Parade gerne, könne aber keine finanziellen Zuschüsse geben. "Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ist sehr daran interessiert, dass die Love Parade stattfindet, und vom Senat wird alles Mögliche dafür getan", sagte Senatssprecher Michael Donnermeyer.
"Wir stehen in Kontakt, es wird Gespräche geben", sagte eine Sprecherin von Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS). Es sei nicht ausgeschlossen, dass sich die Verhandlungen noch bis in die nächste Woche hineinziehen. Am Vortag hatten die Veranstalter die Love Parade offiziell abgesagt, die Verhandlungen mit dem Senat über eine Kostenbeteiligung seien gescheitert, hieß es.
Die in den vergangenen Jahren entstandenen Verluste gingen auf den Rückgang der Verkaufszahlen für die Love-Parade-CD (etwa 200.000 Euro) sowie die Kosten für Müllentsorgung und Straßenabsperrungen (etwa 500.000 Euro) zurück, sagte Paradesprecherin Sünje von Ahn. "Die Veranstaltung wird Jahr für Jahr teurer, und die Einnahmen gehen Jahr für Jahr zurück."
DDP
Raverinnen in Berlin: 1,23 Millionen Euro Kosten
Die Produktionskosten für die Love Parade mit internationalen DJs und rund einer Million Watt wummernden Techno-Bässen auf 30 Wagen lagen im vergangenen Jahr bei knapp 1,23 Millionen Euro. Seit der Aberkennung des Demonstrationsstatus für die Parade im Jahr 2001 seien die Kosten jährlich um 300.000 Euro gestiegen, sagte Motte. An einen Umzug der Love Parade in eine andere Stadt sei nicht gedacht, obwohl die Bedingungen außerhalb Berlins zum Teil besser seien, erklärte die Love Parade Berlin GmbH.
Der nordrhein-westfälische CDU-Landtagsabgeordnete Michael Breuer hat unterdessen vorgeschlagen, die Love Parade solle von der Spree an den Rhein umziehen. Die logistische Bewältigung sei für die rheinischen Froh-Naturen ein Klacks. "Im Vergleich zu den Rosenmontagsumzügen ist die Love Parade eine Kirmes-Veranstaltung", sagte Breuer am Donnerstag in Düsseldorf. Ein Sprecher der Stadt erklärte aber, "für uns ist das noch kein Thema".
Inzwischen sind verschiedene Ausweichmöglichkeiten im Gespräch. Selbst Deutschlands beliebtester Chorleiter Gotthilf Fischer will das Rave-Spektakel retten. Er könne sich eine Verlegung nach Stuttgart gut vorstellen, schlug Fischer am Donnerstag vor. "Dort können die Menschen genauso fröhlich sein", argumentierte der 76-jährige. Der Techno-Musik-Umzug könne in seiner baden-württembergischen Heimat "ein Fest für Jung und Alt" werden. Auch in Berlin hätten stets viele Senioren mitgefeiert - "nur sind die am Rande immer untergegangen". Fischer selbst hatte bei der Parade 2000 eine Techno-Version des Volkslieds "Hoch auf dem gelben Wagen" zum Besten gegeben.
Andere mögliche Ausweichquartiere reagierten bisher zurückhaltend. Man sei nicht generell abgeneigt, sagte eine Sprecherin der Stadt Leipzig. Allerdings seien zunächst die Veranstalter am Zug.
AP
Chorleiter Fischer: "Fest für Jung und Alt"
"Wenn sich die Veranstalter bei uns bewerben, würden wir das mit Sympathie prüfen", sagte der Sprecher des Hamburger Senats, Christian Schnee. Die Love Parade sei eine spannende Veranstaltung gewesen, um die viele Berlin beneidet hätten. Der Geschäftsführer der Love Parade, Fabian Lenz sagte dem "Hamburger Abendblatt": "Wenn es auch im nächsten Jahr in Berlin nicht klappt, werden wir prüfen, ob wir in eine andere Stadt gehen. Hamburg als Metropole von Weltrang kommt dabei auf jeden Fall in Frage." Und Hamburger Politiker wollen die Techno-Party an die Elbe holen. "Hamburg ist eine tolerante Stadt, und wir haben keine Probleme damit, wenn junge Leute ausgelassen feiern wollen", sagte der Jugendexperte der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Klaus-Peter Hesse, und bestätigte damit einen Bericht der "Bild"-Zeitung
Die Kölner Stadtverwaltung ließ verlauten, man werde erst reagieren, wenn man von den Veranstaltern gezielt angesprochen werde. Als Pluspunkt für sich führen die Kölner ihre Erfahrungen mit Open-Air-Umzügen ins Feld - mit dem Rosenmontagsumzug durch die Karnevalshochburg und mit der Parade zum Christopher-Street-Day für die Gleichstellung Homosexueller. Allerdings verwiesen die Vertreter der Domstadt auch auf ihre prekäre Finanzlage. Die Veranstaltung werde nur dann genehmigt, wenn angesichts der leeren Kassen keine Kosten entstünden. Gerade dises Problem bedroht aber im Augenblick auch die Berliner Parade.
Schwierigkeiten wie in Berlin gibt es in Bremen nicht. Am 19. Juni erwarten die Veranstalter der Vision Parade, der hanseatischen Variante des Berliner Techno-Umzuges, nach Angaben vom Donnerstag wie im Vorjahr rund 120.000 Musikbegeisterte aus ganz Deutschland. |
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