|
| quote: | Originally posted by kernkraft
was machst du denn wenn du plötzlich zu dem material gehörst was nicht mehr benötigt wird in der firma? gewinnmaximierung ist nur dann lustig wenn man selbst dran teil hat |
Es geht nicht nur um das Thema Gewinnmaximierung, sondern um das Thema Anpassung an veränderte Strukturen. Wenn meine Konkurrenten dauerhaft die Tätigkeiten billiger bei gleicher Qualität anbieten können wie ich, dann werde ich irgendwann kein Marktteilnehmer mehr sein.
Also muss ich mir überlegen, welche Tätigkeiten ich an diesem Standort / mit meiner Firma hier machen kann, die noch wertschöpfend sind. Wenn man zu dem Ergebnis kommt "keine", dann sieht es sowieso schlecht aus. Meist kommt man aber auf die Idee "Innovation & Technologie", was übrigens genau das ist was in Deutschland passiert, sprich einfache und billige Arbeit geht weg aus Deutschland und neue, höher qualifizierte Arbeit entsteht. Erst durch das ersetzen der Tätigkeiten, die ich selber nicht mehr günstiger anbieten kann, werden im übrigen die Kapazitäten frei um mehr in Innovation & Technologie zu investieren, denn Investitionsbudgets sind nicht unendlich, sondern müssen an anderer Stelle eingspart werden. Schau die genau den IT Sektor an, den es ohne diese Anpassungen nämlich gar nicht gäbe.
Was bedeutet das für den einzelnen? Wer heute in einem niedrig qualifizierten Sektor arbeitet, der wird sich weiterbilden müssen, um höherwertoge Tätigkeiten übernehmen zu können, oder er wird keine Arbeit mehr finden. Der früher gültige Weg "einmal am Anfang des Lebens einen Berufsausbildung und danach nur noch Praxis" funktioniert dann nicht mehr, sondern es erfordert eines kontinuierlichen lernens. Bestes Beispiel dafür ist der PC. Es gibt heute fast keine Jobs mehr, wo man nicht Computerkenntnisse benötigt. Wer diese nicht hat ist auf dem Arbeitsmarkt essentiell im Nachteil und ja, das ist schmerzhaft für den einzelnen, weil jede Anstrengung ist nun mal anstrengend.
Das alles bedeutet also für den einzelnen: Es sind vermehrte persönliche Investitionen in Lernen und Weiterbildung nötig (natürlich unterstützt von den Unternehmen), um die Geschwindigkeit des Wandels und der Globalisierung mitmachen zu können. Das bedeutet einen kulturellen Wandel in Deutschland, aber wir sind auf einem guten Weg. Schau die mal die Jobs vor 30, 40 Jahren an und die Jobs von heute. Es ist gut und richtig, dass Jobs, die an einem Standort keine Wertschöpfung mehr liefern von diesem Standort weggehen - nur so entstehen neue Jobs mit höherer Wertschöpfung (und damit imo auch Wohlstand, aber das ist eine andere Diskussion). Aber es erfordert Initiative eines jeden einzelnen.
Ganz konkret auf deine Frage geantwortet "was machst du denn wenn du plötzlich zu dem material gehörst was nicht mehr benötigt wird in der firma?": Mich höher qualifizieren, um wieder einen Job zu bekommen, der eine Zukunft in Deutschland hat.
PS: Die meisten Berater werden nicht gerufen, wenn es einer Firma gut geht und sie "noch mehr" Gewinn machen will, sondern wenn es der Firma schlecht geht
___________________
|