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hamburger morgenpost 28.09.06
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Darum steht Doll nicht zur Diskussion
Es ist die schlimmste Sieglos-Serie der HSV-Geschichte. 01 in Moskau. Das zwölfte erfolglose Spiel hintereinander. Fußball zum Abgewöhnen. Woanders stünde der Trainer längst vor dem Aus - nicht so beim HSV. Die MOPO erklärt, warum.
SIMON BRAASCH
Augen sagen beim HSV derzeit mehr als Worte. Das liegt vordergründig daran, dass es nach den gebotenen Leistungen der Profis nicht mehr viel zu sagen gibt. Thomas Doll musste reden. Mit einer Mischung aus Ratlosigkeit und Enttäuschung im Blick kauerte der Trainer auf dem Podium im Inneren des Lokomotiv-Stadions und versuchte, das 0:1 bei ZSKA Moskau zu erklären. Klubboss Bernd Hoffmann lauschte ein paar Meter entfernt. Grimmig schaute er drein, richtig böse. Es braut sich etwas zusammen über dem noch vor wenigen Monaten rosa-roten Hamburger Fußballhimmel.
Zwölf Pflichtspiele in Folge ohne Sieg. Rang 14 in der Bundesliga. Das Aus im DFB-Pokal. Dazu ein miserabler Start-Doppelpack in der Champions League. Statt Herzen im Sturm zu erobern, bescheren Hamburgs Sieglos-Kicker ihren Fans seit geraumer Zeit nur noch Frustpickel und einschlafende Fußnägel. Dass die ersten Stimmen laut werden, die nach einer derartigen Serie den Stuhl Dolls wackeln sehen, gehört zum Geschäft dazu. Tatsache aber ist: Niemand beim HSV verschwendet auch nur einen Gedanken daran, dem Trainer an den Kragen zu wollen. Ganz im Gegenteil.
Ansichten, die in jeder Hinsicht zu befürworten sind. Denn es war der Vorstand, der seinem Trainer wichtige Eckpfeiler der im Vorjahr so erfolgreichen Mannschaft raubte. Gewiss, Daniel van Buyten war nicht aufzuhalten. Sergej Barbarez allemal, auch Khalid Boulahrouz musste man nicht zwingend in Richtung Chelsea ziehen lassen. Doll muss faktisch eine neue erfolgreiche Mannschaft formen. Das braucht Zeit. Und die erhält der Trainer.
Nichtsdestotrotz beginnt Doll, Fehler zu machen. Dass er in Moskau Piotr Trochowski zu Gunsten der Variante mit zwei defensiven Mittelfeldspielern (de Jong, Wicky) opferte, erwies sich als Eigentor. Erstmals während seiner Amtszeit ließ Doll nicht mit der Mittelfeldraute spielen. Das Resultat: Harmloser als am Dienstag hat man den HSV seit Jahren nicht mehr gesehen. Nur eine Torchance in 90 Minuten stellt für einen Champions-League-Teilnehmer ein erbärmliches Zeugnis dar. "Wir hatten keine Kreativität und kein System in unserem Spiel", äußerte gar Neuzugang Juan Pablo Sorin.
Doll verteidigt seine Maßnahme zwar (siehe Nebentext), bemängelte insbesondere die nicht vorhandene Offensivkraft seiner Außenverteidiger. Doch gerade diese Positionen waren für das Zustandekommen eines schwungvollen Angriffsspiels fehlbesetzt. Mehdi Mahdavikia steckt seit Wochen erkennbar im totalen Leistungsloch. Und Joris Mathijsen ist schlicht und ergreifend kein Linksverteidiger. Der Niederländer hat seine Stärken im Abwehrzentrum. Wer kann ihm ernsthaft einen Vorwurf machen, dass er nicht die Linie rauf und runter rennt?
Genauso schwerwiegend ist die gerade zuletzt aufgetretene Bevorteilung einiger Profis. Während Nigel de Jong nach öffentlicher Kritik an der Aufstellung prompt auf der von ihm gewünschten Sechser-Position randurfte, flog Stefan Wächter für ein ähnliches Vergehen aus dem Kader. Da stimmte die Verhältnismäßigkeit nicht, was Teile der Mannschaft sehr wohl registrierten.
Zudem erhalten etablierte und hoch bezahlte Profis wie Mahdavikia, Guerrero, Kompany oder (mit Abstrichen) auch Lauth eine Bewährungschance nach der anderen. Ein Alex Laas hingegen wartet vergeblich auf die längst fällige Gelegenheit, sich in die Stammelf zu spielen. Ein Problem der fehlenden Lobby des in der HSV-Jugend ausgebildeten 22-Jährigen?
"Diese Phase ist meine bislang schwierigste", gibt Doll zu verstehen. Er wird die nötige Zeit bekommen, sie zu überwinden. Fehler sind menschlich. Unmenschlich hingegen wäre die Erwartung, dass der Trainer innerhalb kürzester Zeit die wichtigen Abgänge kompensieren könnte. Das wissen auch Sportchef Dietmar Beiersdorfer und Hoffmann. Da kann der Klubboss nach Niederlagen - verständlicherweise - noch so grimmig dreinschauen.
"Allein die Idee, dass Thomas Doll wackeln könnte, ist absoluter Schwachsinn", bekennt Hoffmann. "Und das sage ich aus tiefstem Herzen." Ein verdienter Treueschwur. Alles andere käme nach Dolls zwei Jahre langer Erfolgsstory einem Skandal gleich.
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