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Ambient in der Kirche
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| vandit_freak |
Musik als Tapete zur Andacht
Köln erlebte ein Festival unter dem Titel „Zivilisation der Liebe“.
Vor den Statuen von Aposteln und Heiligen greift der junge Mann hinterm DJ-Pult bedächtig zum Tonarm, zwischen den Turntables leuchtet in changierenden Farben ein kleines Weihnachtsbäumchen. Langsam werden gesampelte Sounds ineinander überblendet. Eine Ahnung von Chören haucht durch den Westbau der Basilika. Glockentöne, lang gezogene Beckenschläge, der Nachhall eines schweren Gongs. Vor dem DJ-Pult sitzen, liegen, lümmeln sich die Wellenempfänger im Halbdunkel auf Kirchenbänken und eigens ausgelegten Kissen und Perserteppichen. Das unvorhersehbare Knistern der Vinylrillen ersetzt ihnen den Kamin.
Das vorweihnachtliche Ambient-Festival „Zivilisation der Liebe“ - organisiert vom Elektronik-Label E' de Cologne - lockte in drei Nächten Hunderte junge Besucher in die Kölner Kirche St. Aposteln. Besucher, die wohl kaum je ohne ihre Eltern bei einer Andacht zugegen waren. Die drei bekannten Kölner Labels Kompakt, Karaoke Kalk und Traum gestalteten je einen Abend in der Basilika am Neumarkt. Und Szenegrößen wie etwa Dominik Eulberg - sonst immer gut für das hart treibende Techno-Brett zur schwitzigsten Clubstunde - traten in den geweihten Räumen mit Nachdruck auf die
Bremse, während violette, geriffelte Kreise und Strohsterne aus weißem Licht an den hohen Decken des Kirchengewölbes entlangwanderten.
Als einen Gottesdienst habe er sein DJ-Set empfunden, wird Jan-Eric Kaiser vom Kompakt-Label später sagen. Das Kölner Techno-Flagschiff bringt seit Anfang des Jahrtausends einmal jährlich seine „Pop Ambient“-Compilation heraus. „Musik, die Schmerzen lindert, die andere Musik verursacht“, wie
es sehr hübsch in der Eigenwerbung heißt. Mit der „Pop Ambient“-Reihe hat Kompakt zur rechten Zeit die Hinwendung des Zeitgeistes zum
Versonnenen und Verzauberten aufgenommen, die uns in der Massenkultur Harry Potters und die „Herr der Ringe“-Filme bescherten.
Die Idee einer raumfüllenden, angenehmen, dennoch im Hintergrund verbleibenden Musik ist wesentlich älter. Der französische Avantgardist Erik Satie komponierte von 1917 bis 1923 fünf kurze Stücke, die er als „musique d'ameublement“ bezeichnete. Dieser Musik als Möbel wies Satie sogar ihren jeweiligen Ort zu: „Tapete im Büro eines Präfekten“, „Im Salon“. Seine Musikmöbel, so Satie, sollten die vorhandene Einrichtung komplettieren, sie sollten weder nach wiederholtem Hören ermüden noch langweilen.
Kurz darauf gründete auf der anderen Seite des Atlantiks, in South Carolina, der amerikanische General a.D. George Owen Squier die Firma Muzak Inc., die sich der Produktion von Hintergrundmusik verschrieben hatte, durch die vor allem die an Maschinen angepassten Arbeitsabläufe des industriellen Zeitalters angenehmer gestalten sollte. „Langweilige Arbeit wird weniger langweilig durch langweilige Musik“, lautete der großartige Slogan des Unternehmens. Kein
Wunder, dass Kaufhaus- oder Fahrstuhlmusik im Englischen bis heute schlicht als Muzak bezeichnet wird.
Doch mit dem
Aufkommen der Popkultur wurde solche aller Spitzen im Arrangement beraubte Musik bald als nervtötendes Gedudel diffamiert. Jugend definierte sich jetzt über Musik. Dieselbe als schnödes Gebrauchsmittel zur Konsum-Förderung zu benutzen war folglich verpönt.
Diese Einstellung änderte sich erst, als auch die Rockmusik fragwürdig geworden war. Brian Eno, Klangbastler, Musiktheoretiker, Visionär und schräger Vogel, hatte bereits als Mitglied von Roxy Music eifrig Rock 'n' Roll dekonstruiert. 1978 veröffentlichte er sein Album „Music for Airports / Ambient 1“ und mit ihm sein Manifest der Ambient Music.
Darin verwarf Eno zwar die leichtgewichtigen Klangkonserven von Muzak Inc., erklärte aber gleichzeitig seine Überzeugung, dass es möglich sei, Hintergrundmusik zu produzieren, die nicht von jeglichen Zweifeln und Unsicherheiten befreit - sprich: glatt gebügelt - ist. Enos Ambient Music soll beruhigen und zum Denken anregen. Sie kann gleichermaßen ignoriert werden und zum genauen Hinhören einladen. „Music for Airports“ wurde tatsächlich zur Beschallung eines Terminals des New Yorker La-Guardia-Flughafens verwendet. Vor allem aber begründete „Ambient 1“ ein Genre, in dem sich bis heute Musiker aus so unterschiedlichen Bereichen wie Techno, Jazz, Neue Musik oder Black Metal treffen.
Eigentlich gehe es nicht um Hintergrund, sondern um Versenkung, sagte der britische Musikjournalist David Toop einmal in einem Interview über Ambient. Womit wir zurück in der Kirche am Kölner Neumarkt wären. Er wolle die Nächte erobern, sagt Christoph Biskupek, Pfarrer von St. Aposteln. Das ist ihm gelungen. Und E'-de-Cologne-Chef Dietmar Saxler erzählt: „Dass mir jemand sagt, hier fühle ich mich so wohl wie in meinem Lieblingsclub, hat mich verwundert.“ Uns verwundert das nicht. Das Schwappen der Wellen, der Widerhall der Erde, das Pulsieren der Sterne füllt die Basilika. Ein Lichtstern gleitet über das Gesicht eines steinernen Heiligen. Wir lauschen andächtig. David Toop sagt: „Es gibt gar keine Hintergrundmusik.“
http://www.ksta.de/html/artikel/1132657956142.shtml |
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| disco stu |
| klär mich mal bitte über den Sinn dieses Threads auf :conf: |
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| vandit_freak |
| Ich fand die Vorstellung von nem Eulberg-Set in ner Kirche irgendwie komisch :haha: Außerdem sind die Kölner Labels eigentlich immer offen für was neues und ich fand die Idee gar nicht mal so schlecht. |
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| XeCUTionER |
kirchentag 2001 - frankfurt gab es einen "holy dancefloor"
war ne party in ner kirche, vom u60 mitorganisiert! war sehr geil!
leider war ich noch zu jung und unwissend, um mit auf die after ins u zu gehen :) |
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| NetX |
17.02.1996
Crusade, St Katharinen Kirche, Hamburg
Sven Väth
Cosmic Baby
oh ja.... |
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| Frank-HH |
| quote: | Originally posted by NetX
17.02.1996
Crusade, St Katharinen Kirche, Hamburg
Sven Väth
Cosmic Baby
oh ja.... |
einer der besten Partys EVER war das!!!
Gänsehaut pur!!!!!!!!!!!!!!!! |
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| Nero73 |
| quote: | Originally posted by NetX
17.02.1996
Crusade, St Katharinen Kirche, Hamburg
Sven Väth
Cosmic Baby
oh ja.... |
Allerdings, die einzige Party in einer Kirche in ganz Deutschland dieser Art soweit ich mich erinner - schön war damals HP am Buffet im VIP-Bereich, wo mein Kollege zu ihm sagte "geh ma weiddah weiddah" :D |
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| Overseas |
| quote: | Originally posted by vandit_freak
Außerdem sind die Kölner Labels eigentlich immer offen für was neues und ich fand die Idee gar nicht mal so schlecht. |
*stimm zu*
Sinn des threads: EDM mal im anderen Kontext. Hierzulande meint man immer, in der Kirche könne man nur "Kirchenmusik" spielen. EDM in der Kirche, wieso nicht? In anderen Ländern gehts in der Kirche auch bedeutend heiterer zu als bei uns, wo das ja immer eher so ne Depri-Stimmung ist. Erinnere mich auch noch and die Technoparty in der Katharinenkirche hier in Frankfurt, ist doch ne coole Sache. Aber wenn der Kirche ein solches Mittel nicht recht ist, Schäfchen zu gewinnen oder bei der Stange zu halten, dann ist das ihre Schuld. |
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| NetX |
gab viel viel viel viel Aufregung damals um die Crusade - und die geplanten anderen Parties (u.a. Berlin) sind dann leider abgeblasen worden.
Macht nix. Denn...
Frank-HH
Nero73
und ich waren dabei ;) |
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| XeCUTionER |
wann war das @ andi??
kann das ende mai 2001 gewesen sein? |
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| Nero73 |
| quote: | Originally posted by NetX
Macht nix. Denn...
Frank-HH
Nero73
und ich waren dabei ;) |
Die GTA Rentenfeierforce :D |
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| NetX |
| quote: | Originally posted by Nero73
Die GTA Rentenfeierforce :D |
absolut ;) |
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