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Cosmic Baby interview
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ahp2002
Hello there German trancers,

i recently had an interview with Harald Bluechel aka Cosmic Baby. Might be an interesting read, although it's in English :)

Click here to read

i thought it might be appropriate to post it in the German section

well, hope you enjoy! :)
Sir. Lunchalot
Thanks for psoting - we just had an interesting discussion about him and how his attitude towards the scene changed some weeks ago in this thread:

http://www.tranceaddict.com/forums/...ght=Cosmic+Baby

The interview you posted is a different one. :)
STRANDJUNGE
am 01.12. erschien übrigens das neue cosmic baby - album "industrie & melodie" auf time out, erhältlich im online-handel.
ahp2002
quote:
Originally posted by Sir. Lunchalot
Thanks for psoting - we just had an interesting discussion about him and how his attitude towards the scene changed some weeks ago in this thread:

http://www.tranceaddict.com/forums/...ght=Cosmic+Baby

The interview you posted is a different one. :)


hi there, i had read that other interview, and it was interesting indeed. I think Harald is an interesting guy and has alot to say, wether u agree or not.

nice discussion!
Cembalo
Die drei bisherigen Interviews zusammen sind hier:

www.danceclassix.com (Englisch, Nov/2006)

www.tranceunited.com (Deutsch, Okt/2006)
Harald Blüchel aka Cosmic Baby - das Musik Genie (Part I.)

-> ähnlich wie auf sueddeutsche.de; aber mehr Informationen zu Ausbildung und Werdegang, insgesamt ausführlicher, zwei Teile

Die "Toteninsel" von Harald Blüchel (Part II.)

www.sueddeutsche.de (Deutsch, Sep/2006)


Studiogast ist Harald Blüchel bei Olaf Zimmermanns "Elektro
Beats" bei Radioeins rbb (analog terrestisch/digital/Internet, Frequenzen siehe dort) am 13.12.2006 zwischen 23.00 und 1.00 Uhr.

drei Interview-Links und Radioankündigung von:
www.harald-bluechel.com


Harald Blüchel gibt in dem tranceunited-Interview eine Antwort auf meine Frage, ob "unbegrenzte" klangliche Möglichkeiten seiner Ausrüstung beim Komponieren eher von Vorteil oder eher hinderlich sind. Diese Frage stellte ich bereits in der Diskussion zum Interview aus der Süddeutschen Zeitung:


tranceUNITED:
Welches Studio Equipment benutzt du?
Harald Blüchel:

Ich schalte in den seltensten Fällen das Equipment an und spiele so lange an irgendeinem Gerät herum, bis sich dann so etwas wie eine Idee daraus entwickelt.
Bei mir entsteht erst die Vorstellung im Kopf, die ich musikalisch ausdrücken möchte. Ich beschäftige mich rein gedanklich mit dem Stoff, gehe spazieren, mache mir Notizen, schreibe Noten auf. Ist dieser Prozess konkret geworden, wähle ich von vorneherein eine begrenzte Zahl von „Handwerkszeug“ aus, mit dem ich die Komposition realisieren möchte. Denn nichts hält mich mehr auf, als eine „unbegrenzte“ Zahl von Möglichkeiten, durch eine unbegrenzte Zahl von Instrumenten und „Tools“, die mich von der konzentrierten Arbeit eher ablenken würden. Außerdem entgehe ich durch drastische Beschränkung in der Auswahl der Mittel der Gefahr, eine Idee, bei der ich Schwierigkeiten habe, sie so musikalisch umzusetzen, wie ich sie im Kopf habe, dadurch glatt zu bügeln, in dem ich stupide Sound für Sound durch immer neue Sounds ersetzte, um so zu einem (erträglichen) Ergebnis zu kommen. Probleme zuzukleistern rächt sich, denn sowohl der Produzent, als auch später der interessierte Hörer kommt diesen Tatsachen schnell auf die Spur ...


Meine Meinung, daß weniger und einfacher mehr ist sowie, daß (digitale) Elektronik die Wirklichkeit nur simulieren kann und damit der natürlichen individuellen Klangerzeugung immer unterlegen sein wird, wird durch seine sicher kontroverse Antwort auf folgende Frage bestätigt.

Natürlich oder analog lassen sich ungleich mehr Nuancen (Intensitäten, Frequenzen, Spektren) ausdrücken als sich je durch das digitale Prinzip in Schritten bzw. Stufen auflösen lassen. Analoge elektronische Musik rangiert aus diesem Grunde der Ausdrucksmöglichkeiten für mich dicht hinter der "analogen" mechanisch erzeugten Musik. Die Digitaltechnik hat einen ganz anderen Ansatz, der im Endergebnis exakte Reproduzierbarkeit erlaubt. Ob das positiv oder negativ ist, kommt wie immer auf den Anwendungsfall an:


tranceUNITED:
Auf welches Gerät kannst du nicht verzichten in deinem Studio?
Harald Blüchel:

Zu meinem Hauptinstrument ist seit letztem Jahr wieder der Flügel geworden, an dem ich jeden Tag 2-4 Stunden beim Studium der klassischen Musik verbrachte. Letztes Jahr begann ich – nach etwa 20 Jahren Unterbrechung – wieder mit dem Üben und Spielen von klassischer Klavierliteratur. Überhaupt hat sich mein Interesse wieder mehr zu den echten Instrumenten hin verschoben, weil ihre Ausdrucksform den elektronischen Geräten gegenüber weitaus vielschichtiger und differenzierter ist. Jeder Digitalklang ist kopierbar. Der spezielle Anschlag eines Flügels nicht! Je mehr dieses ständige Updating-Downloading-Manuallesen und Soundsuchen zugenommen hat, umso weniger „Musiker“ bin ich geworden. Es hat mich irgendwann sehr abgeturnt, wie ein Büroarbeiter nur noch vor Maus und Bildschirm zu sitzen und meine Musik an die Technologie anzupassen. Zugegebenermaßen kann die Technologie heute sehr viel, doch nutze ich sie nur noch bei der Bearbeitung und Manipulation von Klängen und beim Aufnehmen und Mischen, nicht mehr als originärer Klangerzeuger.
Wenn ich mit elektronischen Geräten heute noch Musik mache, dann mit den Legenden: einem echten Minimoog, einem Moog Prodigy, einem Roland Jupiter 8, einer Roland TR 808 & 909 Rhythmusmachine ... das sind für mich schon eher „klassische“ Instrumente, als „Maschinen“ ...


(Anm. zum Moog-Synthesizer: Auf dem hat Wendy/Walter Carlos Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre Stücke von Bach, Händel, Scarlatti und anderen gespielt, nachdem sie die Noten auf den damals neuen Moog-Synthesizer übertragen hatte. Frage: Hat jemand die inzwischen leider nicht mehr erhältlichen CDs "Switched-on Bach II" und "The Well-Tempered Synthesizer", die ca. 2001 in kleiner Auflage als Kopie der früheren LPs bei ihr erschienen sind?)


Eine weitere Antwort zu meiner im Oktober hier gestellten Frage zum sehr häufigen Wiederholen von Melodien und Klangstrukturen:

"... „Popmusik“ muss auf Grund ihrer Komprimiertheit inhaltlich und stilistisch selbstredend eher eindimensional sein, sie lebt von dem Prinzip der Wiederholung (ein-)geübter Hörgewohnheiten. Noch in den neunziger Jahren wollte ich Musik entwickeln, die vielschichtigere Strukturen zu transportieren vermag; Musik, die sich nicht per se möglichst mühelos und sofort in die Ohren der Hörerinnen und Hörer hineinschmeicheln und „Marktchancen“ haben muss. ..."


Aus dem danceclassix-Interview:

"... Working with electronic equipment means the opportunity to create complex acoustic ideas with a relatively small effort. Interesting results can be accomplished without skilled musical abilities. On the other hand, I can hardly imagine a consequent musical development without serious and ongoing education."

Diese seine Aussage, der ich zustimme, hatten wir bereits im Oktober diskutiert, als er sich in der SZ ähnlich äußerte.


"... rock-music gave me no real impulse."

Schöne Formulierung. Mal was anderes als "ist nicht mein Geschmack" oder "gefällt mir nicht".


Das ist neu für mich:

"... And we shouldn`t forget to mention, that electronic music was at a significant point of departure for an original German musical identity, which hadn`t really existed between 1933 and 1970 ... . Bands like Can, Cluster, Neu! opened the way to a new “popular avantgarde” – music, which was continued and populized by bands like “Der Plan”, “DAF”, “The Residents”, “Tuxedo Moon”, “Yello” , “Heaven17” and “Soul Sonic Force”. It was my dream in these times, to take part in this movement."


Ein paar von mir ausgewählte Zitate:

"... leaving the major labels in 1995 was an uncompromising decision and resolute reaction on the already predictable commercialisation of techno-trance-music, ... Three years later, I couldn`t believe my ears when the Oakenfords, Sashas and Paul van Dyks of this world started to climb the peak of their popularity and success, with slightly remodelled music from years ago ... should I have simply repeating me, to take part in this phalanx?"


" ... my willing to return to “chamber music”, away from the situations of euphoric mass meetings towards still moments (not chill moments!), towards intimacy, the question of identity (in contrast to posing/staging). Quieter, less puffed up, and more different, more differentiated, more skeptical, more multi-dimensional, thus, more polarizing: no longer “wanting to please” at all costs ... Breaking down the grand gesture into its more complicated components. If possible, without losing the “light in my eyes” (which happened more often than I wanted). The big wish, to come at some time to that point where the composition of the separate components represent a more complex whole, not too cerebral, but certainly without any simplification / stylization / tailoring (and thus down-grading) of the result. All in all, I turned my mind back to classical music, in order to find new formal concepts for my future work. ..."


"Between 1991 and 1999 I gave roughly two hundredandfifty concerts. I could write volumes about this. In short, without these tours the music would never become what it is. To get to know foreign landscapes, other cultures and new people – for me it was a dream come true: I experience the trips keeping all my senses as open to the new impressions as I possibly can ... .
My current agenda has still other priorities to fulfil: keeping building up my own structures of communication and distribution, continuing my studies on classical composition and playing-technique on piano and finally composing music, with the intention to come closer to my personal idea of possible forms of contemporary music. Live Performances? Perhaps, you should ask me again in two years ..."


"Today I see the pieces of the “red square' originating between November 1997 and January 1999 as an extension and development of “14 Pieces - Selected Works” since they came to me in the same playful atmosphere of inspired ease. Where “14 pieces” is characterized by a very open stylistic thread holding it together, the point of “Square” was to concentrate on a single sound idea. These pieces are now being released in December 2006 under the title of “industry & melody” with a (negligible) delay of seven years. In exactly the same mix as back then."


"... The biggest enemy to defend is the own vanity. ... the advantage of once making a fault is, that you have the good chance to learn out of it, and make it better, the next time ... . All in all the entire life can be seen as a permanent learning process."


Nach diesem seinem Schlußsatz zu Lebensweisheiten im danceclassix-Interview kann ich an seiner grundlegenden Haltung in allen drei Interviews keinen Unterschied erkennen. Das tranceunited-Interview (deutsch) und das danceclassix-Interview (englisch; zusätzlich Aussagen zu Politik, etwas ausführlicher) sind im Wesentlichen identisch. Teilweise sind gleiche Formulierungen vorhanden.

Die Interviewer sind sich aber über einige seiner Lebensdaten uneins:
Geburtsjahr: 1963 (tranceunited) oder 1966 (danceclassix)?
erstes Klavierspiel mit vier (tranceunited) oder mit drei Jahren (danceclassix)?


Meine Beobachtung: Harald Blüchel ist, so wie man es bei vielen kunstsinnigen Menschen antreffen kann, ein ruhiger und nachdenklicher "Kopfmensch" wahrscheinlich mit einer Tendenz zu Melancholie, vielleicht auch depressiver Stimmung. Für eher fröhliche Menschen, die sich keinen "großen Kopf" um alles und jeden machen sondern lieber gleich loslegen, mag dieser zu ihnen konträr liegende Charakter als düsterer "Miesmacher" erscheinen. Im Umkehrschluß erscheint der Extrovertierte für den Ruhigen, Nachdenklichen als oberflächlich. Beide Charaktere haben es schwer miteinander, dabei könnte der eine vom anderen lernen.

Obwohl ich Harald Blüchel als ruhigen, nachdenklichen Menschen einschätze, verwundert mich die Prise Arroganz, die an wenigen Stellen in den Interviews durchschimmert. Das ist für mich dann der Fall, wenn er Künstlerkollegen als "flachgeistig" (low spirit) deklassiert. So etwas hätte er nicht nötig.
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